Darum verkaufe ich das Guttenberg-Buch nicht

+
Marc Schürhoff von der Buchhandlung Lehmkuhl (Leopoldstraße) findet: „Guttenbergs Buch ist ähnlich peinlich wie das von Bohlen“

München - Das neue Guttenberg-Buch "Vorerst gescheitert" kommt ihm nicht ins Sortiment. Dafür erntet Händler Marc Schürhoff jetzt reihenweise Glückwünsche. Der Münchner erklärt die Gründe.

So einen Samstag hat Buchhändler Marc Schürhoff von der Buchhandlung Lehmkuhl in der Leopoldstraße auch noch nicht erlebt: Gleich scharenweise gratulierten ihm seine Kunden – weil er sich weigert, das Buch Vorerst gescheitert von Karl-Theodor zu Guttenberg in sein Sortiment aufzunehmen!

Über die ungewöhnliche Aktion hatte der ZDF-Comedian Oliver Welke am Freitagabend in seiner heute-show berichtet. Schürhoff nimmt dabei kein Blatt vor den Mund: Guttenbergs Buch hält er schlichtweg für so peinlich, dass er es lieber nicht in seiner Buchhandlung präsentieren will. „Das ist aber nicht das erste Mal, dass wir so vorgehen. Das haben wir bei Dieter Bohlens Buch genauso gehandhabt.“

Schürhoff hat persönlich nichts gegen zu Guttenberg. Ihn nervt lediglich dessen Hang zur Selbstinszenierung („Der spielt ja jetzt in Kanada den König“) und die großspurigen Aussagen im Interview mit Giovanni di Lorenzo, dem Chefredakteur der Zeit.

Rücktritt & Comeback: Diese Politiker haben es zurückgeschafft

Rücktritt & Comeback: Diese Politiker haben es zurückgeschafft

Und was hält er von einem Comeback des ehemaligen Verteidigungsministers? „Das wäre eine Katastrophe! Von mir aus kann er aber gern in ein, zwei Jahren wieder ein Amt übernehmen, wenn er bis dahin endlich offen zugibt, dass er betrogen hat.“

Lesenswertes über den gefallenen Politstar hat Schürhoff übrigens schon im Sortiment. Er empfiehlt vor allem das Buch Inszenierung als Beruf – Der Fall Guttenberg, das Oliver Lepsius und Reinhart Meyer-Kalkus herausgegeben haben: „Eine hervorragende Analyse.“

Kurios: Von seinem Auftritt in der heute-show erfuhr Schürhoff erst von ­seinen Kunden. „Ich hatte ein Interview mit dem Bayerischen Rundfunk gemacht. Der wollte das eigentlich in der Rundschau bringen. Doch der Beitrag wurde nicht gesendet. Schließlich kam er am Mittwoch im ARD-Nachtmagazin. Dort hat sich Welke dann wohl bedient!“

Umsatzverluste durch den Verzicht auf Guttenbergs Werk fürchtet Schürhoff nicht. „Der Herder-Verlag glaubt ja an den großen Erfolg. Ich seh’ das anders.“ Allerdings war drei Tage nach dem Verkaufsstart die Erst­auflage von 80 000 Exemplaren schon vergriffen. Herder wollte deshalb noch einmal 35 000 nachdrucken. Schürhoff nimmt’s gelassen. „Wir hatten bisher vier Kunden, die nach dem Buch gefragt haben. Denen haben wir’s natürlich bestellt …“

Für Weihnachten empfiehlt er aber andere Lektüre. Zum Beispiel Gruber geht von Doris Knecht. „Ein sehr lustiger und intelligenter Roman über einen Karrieristen.“ Klingt ja fast nach unserem Freiherrn!

WdP

auch interessant

Meistgelesen

Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt
Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt
Zweite Stammstrecke: Wo es in sechs Wochen für wen eng wird
Zweite Stammstrecke: Wo es in sechs Wochen für wen eng wird
Fremder zeigt Münchnerin sein Glied und will Sex mit ihr
Fremder zeigt Münchnerin sein Glied und will Sex mit ihr

Kommentare