Wegen seiner Spielsucht

MünchenTicket: Buchhalter zweigt 200.000 Euro ab

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Werner M. (r.) mit seinem Anwalt Sascha Petzold.

München - Weil er als Buchhalter von MünchenTicket Bargeld aus dem Tresor entnahm und es für sich behielt, muss sich ein 49-Jähriger nun vor Gericht verantworten.-

Das Vertrauen ist missbraucht – da helfen auch keine Entschuldigungen mehr. „Es ist unfassbar, was ich getan habe. Es tut mir so leid“, sagt Werner M. (49) zu seiner früheren Chefin. Doch sie antwortet ihm nicht, wendet den Blick ab und verlässt wortlos den Zeugenstand. So endet nach 15 Jahren für Werner M. endgültig die Zugehörigkeit zu MünchenTicket. Dort war er seit 1999 als Buchhalter beschäftigt. Weil er Bargeld aus dem Tresor entnahm und es für sich behielt, steht er nun vor Gericht.

29 Fälle der Untreue wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor. Insgesamt 196.865,88 Euro soll M. entwendet haben. Über seinen Anwalt Sascha Petzold räumt der Buchhalter alle Vorwürfe ein. „Ich war und bin spielsüchtig“, sagt Werner M. Jahrelang arbeitete er trotzdem vorbildlich, als Buchhalter hatte er es weit gebracht: zum stellvertretenden Abteilungsleiter und 2300 Euro Netto-Gehalt im Monat. Ende 2008 geriet er aber in eine Krise: Seine Freundin verließ ihn nach fünf Jahren Beziehung. Dazu zahlte sein Chef allen Mitarbeitern eine Prämie aus – nur Werner M. nicht. „Für mich brach damals eine Welt zusammen.“

Er flüchtete sich in eine Fantasiewelt. „Nur beim Spielen fühlte ich mich wohl. Ich realisierte aber nicht, dass ich dafür kein Geld hatte.“ Anfang 2009 entnahm er zum ersten Mal 3000 Euro aus dem Tresor des Tickethändlers. Wie einfach Werner M. der Betrug gemacht wurde, wird erst gestern im Prozess klar. Er vertauschte mühelos die Einzelbelege, fehlendes Geld ersetzte am Ende des Monats wieder, zumindest teilweise. Präzise Kontrollen gab es erst zum Jahresabschluss – zwischen 2009 und 2012 fielen die Verluste aber niemandem auf. Ihm sei immer klar gewesen, dass er auffliegt. Dazu kommt es aber erst Ende 2012.

Inzwischen hat er eine Therapie gemacht. Den Geldschaden konnte er bei MünchenTicket nie begleichen. Das Urteil gegen Werner M. stand bei Redaktionsschluss am Dienstagabend noch nicht fest.

Andreas Thieme

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