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Buchsbaum-Sterben auf den Friedhöfen!

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Auch auf diesem Grab am Waldfriedhof hat der Pilz zugeschlagen: Die Buchsbäume sind braun und kaputt.
Auch auf diesem Grab am Waldfriedhof hat der Pilz zugeschlagen: Die Buchsbäume sind braun und kaputt. © Ralf Kruse

München - Rund 50 kleine Buchsbäumchen hat Johann P. (50) im vergangenen Jahr auf dem Grab seiner Eltern gepflanzt.

Weil jetzt im April fünf oder sechs der Bäumchen braun wurden, wollte der Münchner sie ersetzen. „Doch anstatt 20 Euro für die neuen Pflanzen muss ich jetzt 320 Euro für die komplette Neuanlage des Grabs auf dem Waldfriedhof zahlen“, berichtet er. Grund: Ein übler Pilz lässt sämtliche Buchsbäume sterben.

Der Pilz heißt „Cylindrocladium buxicola“ und befällt ausschließlich Buchsbäume. Betroffen sind vor allem Friedhöfe und Privatgärten. Am Waldfriedhof etwa hat der aggressive Erreger bereits ganze Gräberreihen zerstört: Wo das immergrüne Gehölz sonst eine dichte Hecke um das Grab bildet, sind jetzt kahle, braune Stängel. „Der Buchspilz ist ein echtes Problem“, erklärt Roland Heil vom Gartenbauamt. Wie die meisten Pilze wächst er besonders gut, wenn es warm und feucht ist – der milde, fast frostfreie Winter hat ihm kaum geschadet.

Der Friedhof warnt jetzt mit Aushängen in den Schaukästen. Auch die Friedhofsgärtner wissen Bescheid. Heil: „Die einfachste Lösung ist: keinen Buchs mehr anzupflanzen.“ Zwar könne man betroffene Pflanzen zurückschneiden oder rausreißen. Eine Garantie, dass sich die Pflanze erholt oder neue Pflanzen gesund bleiben, ist das nicht: Die Pilzsporen überleben im Boden, in totem Pflanzenmaterial oder werden durch Regen übertragen. Ein wirkungsvolles Gegenmittel gibt es nicht. Auch Gärtnereien haben bereits reagiert. „Wir weisen die Kunden ausdrücklich auf eine mögliche Infektion hin“, sagt Dietmar Freihalter von der Gärtnerei Kiefl.

Dem Münchner Johann P. wurde geraten, fünf Jahre zu warten, bevor er wieder einen Buchs anpflanzen kann. So lange will er das elterliche Grab freilich nicht kahl stehen lassen. Jetzt zahlt er 320 Euro, damit der Friedhofsgärtner das Grab mit Pachysander, Eibe und Spindelstrauch neu bepflanzt.

fla.

Quelle: tz

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