Einmal Ausweis dauert zwei Stunden

Bürgerbüros überfüllt - KVR-Chef legt 43-Punkte-Plan vor

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Ein seltener Anblick: Keine Menschenschlangen vor dem KVR.

München - Vielen Münchnern lehrt die Bürokratie dieser Tage das Fürchten: Warteschlangen bis auf die Straße, überlastete Mitarbeiter - die Bürgerbüros, Kfz-Zulassungsstellen und Ausländerbehörden der Stadt platzen aus allen Nähten.

Nun hat Münchens oberster Ordnungshüter, Wilfried Blume-Beyerle, eine Liste mit Verbesserungen vorgelegt. Kernpunkt: Niemand soll in Zukunft länger als 30 Minuten warten. Fast zu schön um wahr zu sein, wie der Blick in die überfüllten Warteräume zeigt.

Anton Mosandl.

Anton Mosandl (50) schwant Übles, als er sich am Dienstagnachmittag durch das Treppenhaus des Bürgerbüros am Orleansplatz kämpft: „Schreiende Kinder, schwitzende Erwachsene - und Leute, die sich im Lift mit Kinderwägen duellieren, um überhaupt aus der Liftkabine zu kommen.“ Er braucht einen neuen Ausweis. „Eigentlich eine kleine Sache - eigentlich …“ Als der Elektriker nach einer Stunde (!) am Infostand endlich eine Nummer bekommt, hört er von anderen, dass sie auch danach noch stundenlang gewartet haben. „Ein einziger Warteraum - und nur ein kleines Fenster steht offen. Sobald jemand lüften will, wird es den anderen zu kalt. Es herrscht eine Luft wie im Raubtierhaus in Hellabrunn!“, schimpft Mosandl. „Auch Hinweise, dass Behinderte oder Schwangere Sondernummern erhalten können, sucht man vergebens.“

Zusätzliche Online-Dienste

Der Plan, der nun alles richten soll, hat nicht weniger als 43 Punkte. Geplant ist vor allem der Ausbau des sogenannten E-Governments - sprich:  zusätzliche Online-Dienste. Schon jetzt kann man zwar Formulare zur Anmeldung des Wohnsitzes im Internet herunterladen. Wenn man die Dokumente dann aber ausdrucken und zum Amt tragen muss, verpufft der Effizienz-Aspekt. Zukünftig soll es möglich sein, Reisepass und Ausweis online zu beantragen. In den Bürgerbüros plant das KVR Selbstbedienungsterminals, an denen die Bürger ihre Angelegenheiten dann digital regeln können. Außerdem sollen ab Juni endlich Termine vereinbart werden können.

Das Problem bisher: Einerseits wächst die Einwohnerzahl rasant, andererseits hat die Stadt jahrelang am Personal gespart. Jetzt, da die Sparpolitik gelockert wurde, will Blume-Beyerle ermitteln, wie viel Personal für einen reibungsloseren Amtsalltag nötig ist. Und bald mehr Leute einstellen. „Es ist  schwierig, an das richtige Personal zu kommen“, sagt Kristin Nettelnbrecher vom KVR. „Wir haben die Stellen gerade für andere verwaltungsnahe Berufe wie Bank- oder Steuerfachangestellte geöffnet.“

Anton Mosandl indes hat es nach zwei langen Stunden durch den Bürokratie-Dschungel geschafft. Als er die Warteschlange vor dem Infostand passiert, hat er Mitleid. „Die denken alle: Gleich bekommen wir eine Nummer, dann geht’s endlich weiter.“ Wenn die wüssten...

Tobias Scharnagl

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