Gaddafi: Nato-Bomben töten seinen Münchner Sohn

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Bei dem NATO-Bombardement wurde laut Tripolis Gaddafis jüngster Sohn Saif al-Arab getötet.

München/Tripolis - Der 29-jährige Münchner Sohn von Libyens Machthaber Muammar al Gaddafi soll in seiner Heimat bei einem Nato-Luftangriff umgekommen sein. Außerdem wurden angeblich auch drei Enkel des Diktators getötet.

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War das ein geplanter Enthauptungsschlag? Bei einem Raketenangriff der Nato auf einen Gebäudekomplex in Tripolis entging am späten Samstagabend Libyens Machthaber Muammar al Gaddafi offenbar nur knapp dem Tod. Zwar überlebten er und seine Frau die Attacke unverletzt. Laut dem libyschem Regierungssprecher Mussa Ibrahim starb aber Gaddafis jüngster Sohn Saif al-Arab (29), der vier Jahre lang in München gelebt hat, sowie drei Enkelkinder des Diktators. 

Luftangriff auf Gaddafi: Bilder des zerstörten Hauses

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Die Nichten und Neffen Saifs sollen den Angaben zufolge allesamt jünger als zwölf Jahre alt sein. Saif, der „Münchner“ Diktatoren-Spross, wohnte zwischen 2006 und 2011 zunächst im Bayerischen Hof und dann in einer Villa in Waldperlach (siehe unten).

Die Nato bestätigte am Sonntag den Angriff auf ein „Kommando- und Kontroll-Gebäude“ im Tripolis-Stadtteil Bab al-Asisija, die Todesfälle indes zunächst nicht. Generalleutnant Charles Bouchard, Oberkommandierender des Libyen-Einsatzes, erklärte lediglich: „Ich weiß von unbestätigten Medienberichten, wonach einige Mitglieder der Familie Gaddafis getötet worden sein könnten.“ Er bedauerte jeden Verlust von Menschenleben, besonders von unschuldige Zivilisten. Bereits Mitte März, kurz nach Beginn des Aufstands, hatte die Opposition gemeldet, Gaddafis Sohn Chamies sei ums Leben gekommen, als ein Pilot der libyschen Luftwaffe seinen Kampfjet absichtlich über Bab al-Asisija zum Absturz brachte. Von der libyschen Regierung wurden diese Berichte stets bestritten. Nun aber stammt die Information über den Tod eines Gaddafi-Sohnes von der Führung in Tripolis selbst. Trotz spontaner Freudenfeiern in der Rebellenhochburg Bengasi bezweifeln viele Regimegegner den Wahrheitsgehalt der Nachricht. Es handele sich vielmehr um eine Propagandalüge, die Gaddafi senior verbreite, um beim Volk heldenhafter dazustehen, so die Aufständischen. Tatsächlich gibt es keine Beweise für die eine oder andere Version. Ausländische Journalisten, die zu dem schwer zerstörten Gebäude geführt worden waren, äußerten die Vermutung, es sei schwer vorstellbar, dass jemand unverletzt das Haus verlassen haben könnte.

Russland hat derweil die Nato-Luftschläge scharf kritisiert. Man zweifele an der Erklärung der Militärallianz, wonach die Tötung Gaddafis kein Ziel sei, teilte das Außenministerium am Sonntag mit. Der Tod von Familienangehörigen Gaddafis stehe im klaren Widerspruch zur UN-Resolution, in der Angriffe nur zum Schutz von Zivilisten erlaubt seien. Der britische Premierminister David Cameron verteidigte das Bombardement. Es habe im Einklang mit dem Mandat der Vereinten Nationen gestanden.

Michael Brommer

Ein lauter Krawallbruder schlägt sich so durch

Diesen Sportwagen hatte Gaddafi in München in der Garage – bis die Polizei den Ferrari 2007 beschlagnahmte

Saif al-Arab al Gaddafi ist in München kein Unbekannter. Für rund vier Jahre lebte er ab 2006 an der Isar, zunächst in einer Suite des Bayerischen Hofes, am Ende in einer Villa in Waldperlach. Zwischenzeitlich hatte der libysche Staat für ihn das Bogenhausener Luxusanwesen des ehemaligen Hypo-Real-Estate-Chefs Georg Funke erworben. Doch das wurde ihm trotz eines Umbaus bald zu klein. Während seines (nicht abgeschlossenen) Medizin-Studiums an der TU waren laut Süddeutscher Zeitung zehn Verfahren und ein Vorermittlungsverfahren bei der Staatsanwaltschaft München I gegen ihn anhängig. Gleich wiederholt angezeigt wurde der Diktatoren-Spross mit dem exklusiven Fuhrpark, zu dem etwa ein silberner Mercedes SLR McLaren (Wert: 500 000 Euro), ein Cadillac Escalade (80 000 Euro) oder auch ein Hummer H2 (70 000 Euro) sowie ein Bentley (200 000 Euro) gehörten: Anlass war stets die laut Polizeibericht mit 110,5 Dezibel „enorme Geräuschentwicklung durch die angebrachte Auspuffanlage“ seines Ferraris F 430, den die Polizei 2007 beschlagnahmte. Andere Vorwürfe des Krawallbruders wogen weit schwerer – vom unerlaubten Waffenbesitz über Schmuggel und Körperverletzung bis hin zum Verdacht der Anstiftung zum Mord reichte die Palette der vorgeworfenen Delikte. Sowohl seine Hotelsuite als auch die Bogenhausener Villa ließ die Staatsanwaltschaft durchsuchen. Münchens Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer traf sich im Zuge der Ermittlungen mit Saif am 28. August 2007 sogar einmal zum Abendessen im Bayerischen Hof. Seither soll sich Saif gesetzestreuer gezeigt haben. Alle Ermittlungsverfahren wurden eingestellt. Seit Beginn der Proteste in seiner Heimat ist Saif aus München verschwunden. Auch seine Aufenthaltserlaubnis sei mittlerweile erloschen, heißt es.

MPB

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