Donnerstag 16.30 Uhr auf dem Max-Josephs-Platz

Münchnerin organisiert Kundgebung für Aleppo

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„Ich kann einfach nicht tatenlos zuschauen“: Nilab Taufiq mit einem Waisenkind in Indien, wo sie gearbeitet hat.

München - „Wir sind die Zeugen eines Genozids“: Die Münchner Afghanin Nilab Taufiq ist erschüttert angesichts des Massakers in Aleppo - wie so viele ihrer Mitbürger. Für diesen Donnerstag hat sie eine Solidaritätskundgebung in München organisiert. Sie lädt alle Münchner ein, Solidarität zu zeigen

„Aleppo – Aleppo – Aleppo – stirbt“ steht auf dem Plakat von Nilab Taufiq. Die Münchner Afghanin hat eine Kundgebung organisiert: Am heutigen Donnerstag um 16.30 Uhr sollen alle Bürger zum Max-Josephs-Platz kommen, die für die Menschen in Syrien ihre Stimme erheben möchten. Taufiq hat beim Kreisverwaltungsreferat 700 Teilnehmer angemeldet. Die 25-Jährige hat die Kundgebung allein mit einem Freund, Ahmad Schekeb Popal, organisiert – am Tag, als die syrische Armee in Aleppo ein Massaker begonnen hatte.

„Ich habe die Bilder von verletzten und ermordeten Menschen gesehen“, sagt sie. „Ich kann nicht beschreiben, was in mir passiert ist.“ Ihr bricht die Stimme weg, als sie erzählt. So wie ihr dürfte es vielen anderen Münchnern gehen, die den Krieg erschüttert und ohnmächtig aus der Ferne erleben. Sie alle will Taufiq dafür gewinnen, auf den Platz vor der Oper zu kommen, um den Syrern ihre Solidarität kundzutun, von den Politikern Handeln einzufordern und zu zeigen: „Wir stehen auf für Aleppo!“

Taufiq kam in den 90er-Jahren als Flüchtling. Hier machte sie Abitur, sie lebt bei ihrer Familie in Bogenhausen, hat einen afghanischen und einen deutschen Pass. Gerade hat sie ein Jahr in Indien in der Entwicklungshilfe gearbeitet. Ab März will sie Sozialpädagogik und Menschenrechte studieren und später ein eigenes Waisenhaus gründen. „Ich war immer auf der Schiene: Bei gewissen Dingen kann ich nicht tatenlos zuschauen.“ Taufiq ist Muslima, „und ich weiß, dass viele Menschen hier muslimische Frauen für stille, unterdrückte Mäuschen halten. Dabei gibt es auch uns.“

Mit „uns“ meint sie Frauen, die religiös sind, sich aber keineswegs patriarchalisch beherrscht fühlen, sondern selbst für ihre Sache stehen. „Es ist meine islamische und meine menschliche Pflicht, für meine Mitmenschen die Stimme zu erheben“, sagt Taufiq. In muslimischen Vereinen holte sie sich Tipps, wie sie die Aktion organisieren könne. Auch die jüdische Gemeinde habe Unterstützung signalisiert, sagt sie. Und auch einige Kirchengemeinden habe sie gefragt.

„Wir wurden in der Schule über die vergangenen Völkermorde unterrichtet“, schreibt Taufiq auf Facebook. „In den vergangenen Tagen haben wir aber gezeigt, das wir nichts davon gelernt haben. ... Wir sind die Zeugen eines Genozids. ... Ich will meinen Nachkommen nicht in die Augen schauen und die Frage beantworten müssen, wieso ich nichts gemacht habe.“

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