Bürgermeister wird Wirtschaftsreferent

Schmid als Dreifach-Boss: Verlängert er die Wiesn?

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Josef Schmid hat jetzt gleich drei Ämter inne.

München - Grüß Gott, Herr Bürgermeister. Guten Tag, verehrter Wirtschaftsreferent. Servus, Wiesn-Chef. Josef Schmid (44, CSU) macht gleich drei Bosse auf einmal! Verlängert er jetzt auch die Wiesn?

Der Verlierer der OB- und Gewinner der Stadtratswahl übernimmt als 2. Bürgermeister das Referat für Arbeit und Wirtschaft und wird damit auch Veranstalter des Oktoberfestes. Seppi allmächtig!

Schmid ist 2. Bürgermeister: Die Stichwahl um den OB-Sessel hat Josef Schmid deutlich gegen Dieter Reiter (SPD, 56) verloren. Immerhin hat er aber für die CSU nach 24 Jahren wieder die Stadtspitze erobert. Als Bürgermeister führt er für den OB etwa die Geschäftsfelder Kommunales (Immobilien), Bau, Umwelt sowie Kultur und leitet die Ausschusssitzungen.

Schmid ist Wiesn-Boss: Anzapfen wird er nicht dürfen, das bleibt vornehmste Aufgabe des OB. Doch als Wiesn-Boss darf sich Schmid auf andere schöne (und werbewirksame!) Aufgaben freuen – von der Wirte-Auswahl bis zum Blaskapelle dirigieren. Und er will das Fest um einen Tag verlängern: Das gibt den ersten Polit-Streit mit Reiter!

Schmid ist Wirtschaftsreferent: Als solcher steuert Schmid zwar das kleinste Stadtministerium mit 220 Mitarbeitern und 100-Mio.-Etat. Aber das Haus umfasst (neben Tourismus, Arbeitsmarkt und Wirtschaftsförderung) die wichtigsten Schalthebel der Macht. Es kontrolliert nämlich Stadt-Gesellschaften und Beteiligungen wie Stadtwerke, Messe und Flughafen!

Dauert das Oktoberfest künftig länger?

Und schon bahnt sich der erste Streit im neuen schwarz-roten Rathaus-Bündnis an: Schmid fordert nämlich seit Jahren einen Verlängerungstag für die Wiesn, auch um die Bierpreise zu dämpfen, die heuer die Zehn-Euro-Marke knacken (siehe Seite 4). Doch Ex-Wiesn-Boss und Jetzt-OB Dieter Reiter (SPD) lehnt dies seit Jahren ab. Im tz-Interview schenkt Schmid schon einmal der SPD ein (siehe unten). Wird das größte Volksfest der Welt verlängert? Oder schäumt der Polit-Streit über?

Schmid begründet den Griff nach mehr Macht mit der Gestaltung der Zukunft: Der Jurist und Kaufmann will die Wirtschaft fördern, bei der EU gegen die Privatisierung des Wassers kämpfen und behinderten Arbeitnehmern dauerhafte Stellen geben, statt sie wie bisher von Projekt zu Projekt zu schleppen. Am 8. Juli will er sich im Stadtrat wählen lassen. Auch in anderen Städten hätten Bürgermeister eigene Referate. „Ich traue mir das problemlos zu“, sagt er. Damit spart Schmid gleich ein Stadtministergehalt – 8961 Euro im Monat. Auf den Posten als Wiesn-Boss angesprochen, tut er überrascht: „Vermutlich werde ich als Geschäftsbereichsleiter auch Wiesn-Chef sein.“ In Wahrheit wird Schmid der mächtigste Bürgermeister seit Jahren!

OB und Amtsvorgänger Reiter zeigt sich gelassen: „Die CSU kann den Wirtschaftsreferenten vorschlagen, das haben wir in unseren Verhandlungen so vereinbart – also kann der 2. Bürgermeister das Referat in Personalunion übernehmen. Das ist die Entscheidung der CSU.“ Er verweist gleich darauf, dass er auch das Direktorium mit 500 Beamten leite. Zur Wiesn äußerte er sich nicht.

Die Wirtschaft ist zufrieden: Hotel- und Gaststättenverband, City-Partner und Handwerkskammer formulierten wahre Lobeshymnen auf Schmid.

Verlängern Sie jetzt die Wiesn, Herr Schmid?

Herr Bürgermeister, wa­rum wollen Sie auch noch Wirtschaftsreferent werden?

Josef Schmid: Wir wollen aktiv mitwirken an der Gestaltung der Zukunft und am Anpacken der großen Herausforderungen. Da ist es sehr zielführend, dass ich als 2. Bürgermeister einen eigenen Geschäftsbereich habe.

Schaffen Sie das neben dem Bürgermeister-Amt?

Schmid: Das ist nichts Ungewöhliches. Man blicke nur nach Berlin, wo Bürgermeister Frank Henkel auch Innensenator ist. Oder nach Nürnberg, wo Bürgermeister Klemens Gsell auch Stadtschulrat war. Ich bin nach acht Jahren Wahlkampf viele Termine gewohnt. Manche sagen, ich sei ein Arbeitstier.

War OB Dieter Reiter erst gegen Ihre Idee?

Schmid: Überhaupt nicht. Die SPD hat selbstverständlich akzeptiert, dass bei diesem Referat unsere Überlegungen unangetastet bleiben.

Aber Sie können als Wiesn-Chef dem OB die Show stehlen. Dieter Reiter hat das Oktoberfest ja selbst so genutzt!

Schmid: Dieter Reiter und ich arbeiten sehr gut und sehr konstruktiv an den Herausforderungen und Lösungen. Das steht im Vordergrund.

Was halten Sie von den neuen Bierpreisen?

Schmid: Damit ist eine Schallmauer durchbrochen. Für mich ist der niedrigste Bierpreis der beste. Das ist noch ohne mein Zutun passiert. Schauen wir mal, wie sich das beim nächsten Mal gestaltet.

Kommt jetzt Ihr Verlängerungstag für die Wiesn?

Schmid: Jeder weiß, dass ich diese Idee sehr charmant finde. Aber jeder weiß auch, dass das der Stadtrat beschließen muss. Ich bin gespannt, wie das die SPD-Stadtratsfraktion jetzt im Zeichen der neuen Zusammenarbeit sieht …

Freuen Sie sich schon auf ihr erstes Chef-Oktoberfest?

Schmid: Ich freue mich auf die kommende Wiesn wie auf jede Wiesn bisher auch.

David Costanzo

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