„Zielstrebig, fleißig“ – Weggefährten gratulieren Münchens ehemaliger Stadträtin zum runden Geburtstag

Ex-Bürgermeisterin Christine Strobl wird 60: „Nie geglaubt, dass man so alt wird“

Münchens ehemalige Bürgermeisterin Christine Strobl sitzt auf einer Bank im Olympiapark
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Münchens ehemalige Bürgermeisterin Christine Strobl im Olympiapark: Sie feiert am 2. März ihren 60. Geburtstag.

Gut ein Jahr ist es nun her: Da überraschte Christine Strobl alle. „Ich mag nicht mehr“, gab die Bürgermeisterin plötzlich bekannt. Die starke Frau im Rathaus, die auch den Brustkrebs besiegt hat – sie hatte genug von der Politik. Heute feiert sie ihren 60. Geburtstag. Im Gespräch mit unserer Zeitung verrät sie unter anderem, was sie aus dem Rathaus vermisst – und was nicht. Außerdem lassen es sich alte Weggefährten nicht nehmen, ihr zum Geburtstag zu gratulieren.

Frau Strobl, eine große Geburtstagsfeier wird es wohl nicht geben.

Ich bin ohnehin nicht so der große Geburtstagsfeierer. Daher ist es nicht so tragisch. Die Kinder werden vorbeikommen, getrennt selbstverständlich. Und das war es dann.

Aber es ist doch der 60.

Für mich ist das ein Geburtstag wie jeder andere auch. Klar, man hat einen 6er davor stehen. Aber es ist ja nichts Gravierendes. Wenn es wieder möglich ist, werden wir sicher mit Freunden etwas nachholen. Man hat selbst ja nie geglaubt, dass man mal so alt wird (lacht). Man wird eben nicht jünger.

Und das merken Sie?

Ich bin nach wie vor fit, mache Sport, wenn es geht. Aber ich hatte jetzt wieder einen Bandscheibenvorfall. Die ersten Tage konnte ich mich quasi nur auf allen Vieren in der Wohnung fortbewegen.

Was schmerzt denn mehr, so ein Bandscheibenvorfall oder die Situation bei der SPD?

(lacht) Das kommt drauf an, meinen Sie die SPD im Bund, Land oder in der Stadt? Insgesamt ist es keine einfache Situation für die SPD. Ich bin guter Hoffnung, dass sie sich im Bund wieder fangen wird. Auf Landesebene wird viel davon abhängen, wer die Parteiführung übernimmt. Und in der Stadt ist es so, dass wir nicht mehr stärkste Fraktion sind. Wir stellen aber immer noch den Oberbürgermeister. Und der macht das sehr gut, gerade jetzt in der Pandemie.

Sie verfolgen die Rathaus-Politik also noch?

Natürlich über die Medien. Und ich lese jeden Tag die Rathaus Umschau. Außerdem habe ich noch Kontakte zu ein oder zwei Leuten im Rathaus. Aber mir war wichtig, dass ich nach meinem Rückzug Distanz rein bekomme. Das braucht es auch. Für mich selber ist es ganz wichtig, dass man einen Schnitt machen kann. Und ich gehöre auch nicht zu denen, die aus der Ferne ungefragt gute Ratschläge verteilen.

Hätten Sie denn im Moment überhaupt Lust, Politik zu machen? Corona schränkt den Handlungsspielraum ja gewaltig ein.

Ich habe die Krise in meinen letzten drei Monaten im Amt ja noch mitbekommen. Ich halte es schon für ein Problem, dass der Kontakt zur Bevölkerung nur eingeschränkt möglich ist. Das ist ja etwas Essentielles für die Kommunalpolitik. Und klar habe ich auch schon Sparrunden mitgemacht. Aber natürlich ist das extrem geworden. Da wird die Politik bei den Ausgaben mehr Prioritäten setzen müssen.

Vermissen Sie denn etwas?

Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die gehen mir schon ab, wir hatten ja ein gutes Verhältnis.

Was fehlt Ihnen gar nicht?

So endlose Sitzungen, die wenig produktiv sind, das vermisse ich eigentlich nicht.

Was haben Sie sich denn für den Ruhestand vorgenommen, schreiben Sie ein Buch?

Das macht ja mittlerweile jeder, das ist ja das Schlimme (lacht). Ich schreibe kein Buch. Viele haben ja nach der Karriere stapelweise Aktenordner zu Hause. Ich habe das nicht. Ich habe 30 Jahre ein politisches Tagebuch geführt...

Oh, interessant…

… ja (lacht). Aber das ist nur für mich selbst.

Schade, was haben Sie stattdessen vor?

Ich engagiere mich ja noch ehrenamtlich. Und ich möchte viele Sachen machen, für die ich vorher keine Zeit hatte. Ich möchte mal wieder ins Theater, ich möchte auch mal in Ruhe eine Ausstellung anschauen, nicht nur hinfahren, Grußworte sprechen, wieder fahren. Überhaupt will ich mir viele Dinge in Ruhe anschauen, auch in München. Ich war neulich am Domagkpark spazieren. Das, was sich da verändert, nimmt man ganz anders wahr, wenn man Zeit hat. Und davon gibt es viele Ecken in der Stadt, wo sich etwas tut. Außerdem möchte ich meine Freunde, Bekannte und Verwandte treffen und diese Kontakte außerhalb der Politik wieder besser pflegen.

Haben Sie denn etwas, das Sie sich zum Geburtstag wünschen?

Ich wünsche mir immer, dass meine Familie und ich gesund bleiben. Und das nicht nur mit Blick auf Corona. Und ich hoffe, dass wir alle bald wieder in ein normales Leben zurückkehren können. Auch wenn das schwierig werden wird.

Hier gratulieren Weggefährten der Ex-Bürgermeisterin zum Geburtstag!

Oberbürgermeister Dieter Reiter gratuliert Christine Strobl zum Geburtstag.

„Christine Strobl war und ist eine der ganz starken Frauen in unserer Stadt. Als Bürgermeisterin war sie der Motor der städtischen Bildungs- und Sozialpolitik, das soziale Gesicht und Herz der Stadtverwaltung. Die meisten städtischen Initiativen der letzten 15 Jahre für Bildungsgerechtigkeit und soziale Gerechtigkeit – und natürlich auch im Sport und in einer Vielzahl anderer Themenbereiche – gehen mit auf ihre Initiative zurück und sind eng mit ihrem Namen verbunden. Ganz persönlich vermisse ich unsere Gespräche im Rathaus und ihre immer klare Haltung, egal zu welchen Themen. Aber ab und zu telefonieren wir ja auch miteinander oder sehen uns. Wir vermissen Dich, liebe Christine, und wünschen umso herzlicher alles Gute zum runden Geburtstag!“ OB Dieter Reiter

Der ehemalige CSU-Chef Hans Podiuk war viele Jahre mit Christine Strobl im Stadtrat. Er wurde 1978 in das Gremium gewählt, Strobl 1990.

„Christine Strobl ist eine ehrliche Haut, wenn man mit ihr etwas vereinbart hat, dann hat man sich drauf verlassen können. Das kann man nicht über all ihre Parteifreunde sagen. Sie hat sich in Themen immer eingespreizt und diese auch ohne öffentliche Begleitung weitergetrieben, sie ist eine ausdauernde Arbeiterin Im Weinberg des Herren. Wenn die SPD noch mehr von der Sorte hätte, stünde sie besser da. Zum Geburtstag wünsche ich ihr mehr Gelassenheit. Ich glaube, das kann sie brauchen. Denn in ihrer aktiven zeit hat sie sich oft sehr geärgert oder zu sehr ärgern lassen. Außerdem wünsche ich ihr ein langes und gesundes Leben. Das eine bedingt nämlich unbedingt das andere, wie ich immer sage. Die Leute auf der Titanic waren schließlich auch alle recht gesund.“ Hans Podiuk, Ex-CSU-Fraktionschef.

Auch Ex-OB Christian Ude gratuliert Christine Strobl zum 60.

„Du bist unser soziales Gewissen“: Liebe Christine, von Deiner Mutter hast Du Deine Bodenhaftung gelernt, zwar jeder sozialdemokratischen Debatte gewachsen, aber niemals abgehoben. Es ging Dir darum, das Leben für Menschen, die nicht auf der Sonnenseite aufgewachsen sind, leichter und fairer zu machen, Hilfe mit bleibender Wirkung zu organisieren. Was Schicksalsschläge anrichten können, hast Du selbst erlebt. Und dies hat Deinen Blick fürs Wesentliche geschärft. Als Du Bürgermeisterin wurdest, war von Anfang an klar, dass Du die beiden Riesenthemen Bildung und Soziales behalten und mit aller Energie bearbeiten würdest. Bildung war für Dich immer mit Fairness verbunden, Soziales immer mit Nähe zu den Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind. 14 Jahre lang warst Du Bürgermeisterin. Die Themen hast Du ja behalten – und auf Deine sachliche Art Erfolg auf Erfolg getürmt, ohne Spektakel, aber mit langfristiger Wirkung. Die Beschlussvorlagen der Verwaltung hast Du gründlich durchgearbeitet, nicht „lesen lassen“. Und den Ruf als „soziales Gewissen der Stadt“ erarbeitet, nicht einfach beansprucht. Gönne Dir jetzt die Zeit für Dich selbst, die in Deinem strapaziösen Amt viel zu selten übrig blieb, genieße die Zeit mit Deinen Kindern – und lass Dir danken für Deine Loyalität, vor allem für die Sache, die Du so konsequent vertreten hast. Ex-OB Christian Ude 

Hep Monatzeder schätzt an Christine Strobl ihren Zielstrebigkeit.

„Selbstverständlich gratuliere ich Frau Strobl recht herzlich und wünsche ihr viel Gesundheit und Lebensfreude. Wenn ich an Frau Strobl denke fallen mir folgende Adjektive ein: zielstrebig, klar in dem was sie wollte aber auch in dem, was sie nicht wollte. Und bisweilen haben wir gemeinsam herzhaft gelacht.“ Ex-Bürgermeister Hep Monatzeder

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