Bürgerschaftliches Engagement

So hilft ein Patenprojekt wohnungslosen Menschen in München

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Fast schon Teil der Familie: Monika Faden (li.) mit ihren Schützlingen der Familie Kassem.

Monika Faden engagiert sich beim Patenprojekt der Stadt und half Familie Kassem, eine Bleibe zu finden.

München - „Das ist unser Schatz“, sagt Serhat Kassem (alle Namen der Familie geändert) über die Dreizimmerwohnung in Schwabing, in der er mit seiner Frau Naima und seinen drei Töchtern Dilara, Lamiya und Fatma lebt. Gefunden hat die Familie ihr Zuhause mithilfe von Wohnungspatin Monika Faden – eine Münchnerin, die sich ehrenamtlich im städtischen „Patenprojekt – Aktiv für Wohnungslose“ engagiert.

Etwa 7200 Menschen in München haben keine Wohnung. Sie leben nicht zwingend auf der Straße, sondern in Notunterkünften und Wohnheimen. Wie einst Familie Kassem aus dem Nordirak. Sie sind Jesiden und mussten aus ihrer Heimat fliehen. Seit sechs Jahren sind sie in München, die beiden jüngeren Töchter sind hier geboren.

Vor vier Jahren hat Monika Faden, freiberufliche Personalberaterin, die Patenschaft für die Kassems übernommen. Die Familie hatte damals schon einen unbefristeten Aufenthaltstitel, lebte in einer billigen Pension. „Dort war es sehr beengt“, erzählt Monika Faden: Die Eltern, die beiden älteren Mädchen und schließlich Fatma, die vor zwei Jahren zur Welt kam, teilten sich ein einziges Zimmer. Als Patin unterstützte Faden die Familie bei der Wohnungssuche. Sie ist gut vernetzt und konnte den Kassems nach zahlreichen erfolglosen Versuchen schließlich die Wohnung einer Bekannten vermitteln.

Beim Umzug besaß die Familie wenig mehr als ihre Kleidung, die sie in Tüten in die neue Wohnung transportierte. In den ersten Wochen mussten die Kinder auf dem Boden schlafen. Nach und nach konnten sie Möbel kaufen. Es gibt ein Wohnzimmer mit Couch und Esstisch. Fatma, die Jüngste, schläft bei den Eltern, die älteren Mädchen teilen sich ein Zimmer. „Hier haben wir unseren Frieden“, sagt Serhat Kassem. Die neunjährige Dilara freut sich vor allem über die Küche: „Die Gemeinschaftsküche in der Pension war so eklig. Das ist jetzt das Schönste, dass wir unsere eigene Küche haben.“

Serhat Kassem ist dankbar. „Monika macht so viel für uns“, sagt er. Zwischen der Familie und der Münchnerin hat sich eine Freundschaft entwickelt: Einmal in der Woche besucht Monika Faden ihre Patenfamilie, hilft den Mädchen bei den Hausaufgaben und den Eltern mit den Formularen. „Am Anfang bin ich selbst verzweifelt“, sagt Faden. „Für jeden Cent, den man beantragen will, braucht man ein Formular, und alles ist in einem Deutsch gehalten, das ich selbst kaum verstehe.“ Serhat Kassem sagt, ohne Monika Faden hätte er im Jobcenter nichts erreicht. Jetzt arbeitet er als Reinigungskraft, kann selbst für die Miete aufkommen. Dilara und Lamiya gehen in die zweite Klasse der nahen Grundschule. Naima Kassem kümmert sich um die jüngste Tochter, besucht einen Integrationskurs und lernt Deutsch. Wenn Serhat Kassem ein deutsches Wort nicht einfällt, übersetzen seine beiden älteren Töchter für ihn, sie sprechen perfekt Deutsch. Mit Monika Faden machen die Mädchen auch Ausflüge, etwa ins Kindertheater.

Dilara und Lamiya wünschen sich, die gleichen Hobbys haben zu dürfen wie ihre Freundinnen aus der Schule: Reiten und Klavierspielen etwa. Aber Monika Faden sagt: „Sie bräuchten zunächst dringend Nachhilfe.“ Doch das müssen die Eltern erst beantragen – mit Monika Fadens Hilfe.

Mehr Informationen gibt es online: www.muenchen.de/patenprojekt

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