Vorwürfe des behandelnden Arztes

Wirbel um Impfaktion in München: Italienisches Luxus-Hotel will etwas klarstellen - Söder hat „Bauchschmerzen“

Lufthansa-Maschine am Flughafen München.
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Am Flughafen München erhielten italienische Hotelangestellte ihre erste Corona-Impfung - auf Geheiß der Bundesregierung?

Steckt die Bundesregierung dahinter, dass italienische Hotelangestellte am Münchner Flughafen ihre Erstimpfung erhielten? Das behauptet der behandelnde Arzt. Derweil ermitteln die Behörden.

Update vom 14. Juni, 16.35 Uhr: Nun hat sich auch das betroffene Luxus-Hotel Forte Village aus Sardinien zu Wort gemeldet - und eine Beteiligung der Bundesregierung an der Impf-Aktion dementiert, wie die dpa berichtet. „Die deutsche Regierung hat die Impfungen unserer Angestellten nicht organisiert“, erklärte eine Sprecherin des Forte Village. Damit widerspricht das Hotel den Aussagen des für die Impfungen zuständigen Arztes Udo Beckenbauer. Dieser hatte in einem italienischen Fernsehinterview behauptet, dass das Gesundheitsministerium die Aktion organisiert hatte.

Ursprünglicher Artikel vom 14. Juni, 15.44 Uhr: Flughafen München - Das Warten auf die Corona-Impfung geht für viele Menschen in Bayern weiter. Wann alle Impfwilligen ein Angebot erhalten haben werden, ist momentan unklar. Zur aktuellen Situation informierte Klaus Holetschek (CSU) in einer aktuellen BR-Sendung. Gerade weil eben viele Menschen im Freistaat sehnsüchtig auf ihre Impfung warten, lässt eine Geschichte vom Münchner Flughafen aufhorchen. Dort nämlich wurden bereits am 21. Mai Angestellte des italienischen Luxus-Hotels Fort Village auf Sardinien eingeflogen, erhielten am Franz-Josef-Strauß-Flughafen im Hotel Hilton Munich Airport ihre Corona-Impfung des Herstellers Biontech-Pfitzer und flogen anschließend wieder nach Cagliari zurück.

Alles war vom deutschen Gesundheitsministerium organisiert

Udo Beckenbauer

Inzwischen hat sich auch der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder zu den Geschehnissen geäußert. Wie die dpa berichtet, sagte Söder am Montag in München, dass sich Vorfälle dieser Art nicht häufen dürften. „Ich habe große Bauschmerzen, wenn so was stattfindet. Wir wollen keinen Impftourismus nach Deutschland.“ Weiter forderte der Bayerische Regierungschef die Aufklärung des Vorfalls: „Das muss geklärt werden und auch mit Regeln versehen werden, dass es nicht wieder passiert.“

Der Vorfall wirft Fragen auf. Wer hat die Impfungen der Hotelangestellten, die weder eine deutsche Staatsbürgerschaft noch einen Arbeitsplatz auf deutschem Boden besitzen, genehmigt? Glaubt man den Worten des für die Impfungen zuständigen Arztes Udo Beckenbauer, lautet die Antwort: Die Bundesregierung. Das verriet der Mediziner in einem Interview mit dem italienischen Fernsehsender Rai. Darin sagt Beckenbauer: „Die Sache mit dem Forte Village kommt von der Regierung. Die deutsche Regierung hat versucht, denen zu helfen. Warum, weiß ich nicht.“ Kurz später wurde der Arzt sogar noch konkreter: „Es waren eine ganze Menge Ärzte da. Alles war vom deutschen Gesundheitsministerium organisiert.“

Wirbel um Corona-Impfung in München: Forte Village Urlaubsort von Regierungsangestellten?

Geführt wurde das Interview mit Beckenbauer von der Journalistin Francisca De Candia. Auf Beckenbauers Aussage über den Hintergrund der Impfungen reagierte sie überrascht. De Candia hakte sicherheitshalber nochmals nach. „Von der Regierung?“ Beckenbauer antwortete: „Ja. Weil sie dort Urlaub machen.“

Die Aktion muss von den Behörden vor Ort aufgeklärt werden

Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums

Auf Anfrage des SPIEGEL ließ ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums verlauten, dass „nach der Rechtslage nur Personen entweder mit Wohnsitz oder mit Arbeitsstätte in Deutschland geimpft werden können“. Beides träfe auf die Beschäftigten eines italienischen Hotels nicht zu. Der Sprecher wird noch deutlicher: „Damit verstößt diese Aktion gegen geltendes Recht und muss von den zuständigen Behörden vor Ort aufgeklärt werden. Insbesondere, woher der Impfstoff stammt, ist zu klären.“

Hotel Fort Village versteht Corona-Impfung als „Akt mutigen Unternehmensgeists“

Die Behörde vor Ort, das Staatsministerium für Gesundheit und Pflege in München, teilte dem italienischen Fernsehsender Rai mit, dass „das Gesundheitsministerium dafür keine Genehmigung erteilt hat“. Auch das Luxus-Ressort Forte Village selbst kann kein Licht ins Dunkle bringen, erklärte im Mai nach der Gruppen-Impfung seiner Angestellten lediglich in einer Pressemitteilung, die Impfung sei ein „Akt mutigen Unternehmergeists“ gewesen. Zudem wolle man mit der Immunisierung des Personals den Gästen „einzigartige Ferien im völligen Respekt der eigenen Gesundheit und der aller anderen“ ermöglichen.

Auch wenn die Aussagen von Beckenbauer die Impfung der italienischen Hotelangestellten nicht gerade in ein besseres Licht rückt, bleiben die Schuldfrage sowie die genauen Hintergründe vorerst ungeklärt. Klar ist jedenfalls, dass mit Aktionen wie diesen das Vertrauen der Bevölkerung in die Politik nicht zwingend wachsen dürfte.

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