Wen schicken die Parteien ins Rennen? 

Bundestagswahl: Kampf um den Wahlkreis im Münchner Norden

Hilfe vom Routinier: Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer (r.) will Bernhard Loos beim Wahlkampf im Münchner Norden unter die Arme greifen.

Der Wahlkreis München-Nord ist der am stärksten umkämpfte im Freistaat. Die CSU schickt als Nachfolger für Johannes Singhammer den 61-jährigen Bernhard Loos ins Rennen – gegen SPD-Mann Florian Post und die Grüne Doris Wagner.

München - Wenn sich Politiker nach 23 Jahren aus dem Bundestag verabschieden, sprechen sie gerne vom Generationswechsel, der nun endlich mal nötig wäre. Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer (64) hat dazu keine Chance – er macht Platz für den gerade mal drei Jahre jüngeren Bernhard Loos. Dem traut die CSU die schwierigste Aufgabe im ganzen Freistaat zu: Das hart umkämpfte Direktmandat im Münchner Norden zu verteidigen.

Grüne Hoffnung: Doris Wagner.

Singhammer hatte den Wahlkreis nach drei Niederlagen gegen den Sozialdemokraten Axel Berg im Jahr 2009 zurückerobert. Jetzt bekommt es Loos mit den Bundestagsabgeordneten Florian Post (SPD) und Doris Wagner (Grüne) zu tun, die als Mandatsträger auf eine Art Amtsbonus hoffen. Besonders die SPD wird schwere Geschütze auffahren, wittert sie doch die Chance, den Wahlkreis gegen den außerhalb der CSU eher unbekannten Loos wieder an sich zu reißen. Dafür will sich Alt-OB Christian Ude ins Zeug legen, der dem 35-jährigen Florian Post als „politischer Wahlkampfleiter“ zur Seite stehen will.

Auch Loos setzt auf prominente Unterstützung. Johannes Singhammer mischt kräftig im Wahlkampf mit, ebenso wie der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle. „Das Wort Parteifreunde hat ja immer einen etwas faden Beigeschmack. Aber wir drei sind seit 1994 schon Freunde in der Partei“, stellt Singhammer klar und betont: „Wahlkampf muss auch Spaß machen.“

Er will angreifen: Florian Post (SPD).

Den haben offensichtlich beide Seiten und setzen auf ihren Plakaten auf Wortspiele vom Kaliber „Jetzt geht’s Loos“ und „Post für Sie“. Den Mandatsbonus seines über 25 Jahre jüngeren Kontrahenten Post will Loos mit seiner Lebenserfahrung ausgleichen.

Nach dem Abitur hatte Loos zunächst eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann absolviert, arbeitete als Verkäufer bei Hertie. „Dann hatte ich bei der Bundeswehr genug Zeit, um zu überlegen, was ich noch vorhabe“, erinnert sich der CSU-Politiker. Er studierte Wirtschaftswissenschaften – und engagierte sich in der Politik. Zunächst als Chef der Unions-Studentenorganisation RCDS und im Landesvorstand der Jungen Union.

Zum Hauptjob will er die Politik aber erst jetzt machen. Eine zentrale Rolle dabei soll die Förderung der „beruflichen Bildung und des Mittelstands als Rückgrat unserer Wirtschaft“ bilden, wie Loos sagt. Die duale Ausbildung müsse wieder genauso geschätzt werden wie die akademische. Auch in Sachen Bildung verweist Loos auf seine Erfahrung – zunächst als Geschäftsführer des Kolpingwerks, später im Vorstand der privaten Sabel-Wirtschaftsschulen und dann in seinem eigenen Unternehmen, mit dem er im Osten Deutschlands nach der Wende die ersten Fachschulen für berufliche Bildung aufgebaut hat. „Eine Person mit dieser unternehmerischen Erfahrung und einer solchen Expertise im Bereich der Bildung wäre eine wichtige Verstärkung der CSU-Landesgruppe“, meint Noch-Mandatsträger Johannes Singhammer. Ob es dazu kommt, wird auch davon abhängen, wie gut es Platzhirsch Singhammer gelingt, Bernhard Loos bei Infoständen und Dorffesten an den Wähler zu bringen.

Das sind die Münchner Bundestags-Kandidaten

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