Die Kandidaten vorgestellt

München-Ost: Das sind die Kandidaten für die Bundestagswahl 

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Bei der Bundestagswahl sind 923.820 Münchner aufgerufen, in vier Wahlkreisen ihre Stimmen abzugeben. In einer Serie stellen wir die Direktkandidaten vor. Heute: Der Wahlkreis 218 München-Ost.

Alle Kandidaten: Sie wollen für München in den Bundestag

München - Traditionell wählt der Osten CSU, also der Osten Münchens. Die Stadtbezirke Altstadt-Lehel, Au-Haidhausen, Berg am Laim, Bogenhausen, Ramersdorf-Perlach und Trudering-Riem sind seit 1976 ist fest in der Hand der Union. Es darf davon ausgegangen werden, dass sich auch heuer nichts daran ändern wird. Mandatsinhaber Wolfgang Stefinger geht als klarer Favorit ins Rennen. Bei der Bundestagswahl 2013 hatte der 32-Jährige 44,7 Prozent der Erststimmen geholt. Das beste Ergebnis in München. Hinzu kommt, dass seine unmittelbare Konkurrentin, die SPD-Kandidatin Claudia Tausend, auch damit zu kämpfen hat, dass mit Margarete Bause eine populäre Politikerin der Grünen ins Rennen geht. Beide werden sich Stimmen wegnehmen. Tausend hatte 2013 immerhin 28,7 Prozent der Erststimmen geholt und damit zwei Prozentpunkte mehr als 2009. Zuletzt schaffte sie aber den Einzug über die Liste.

Margarete Bause derweil begibt sich nach langjähriger Tätigkeit im Landtag auf neues Terrain. Es ist ein Wagnis für die 58-Jährige. Das Direktmandat wird sie nicht erringen, und über den Listenplatz könnte es eng werden. Sollte es nicht klappen, wird sie sich aus der Politik zurückziehen. Im Osten hatte 2013 Ulrike Goldstein für die Grünen kandidiert. Sie erhielt 10,1 Prozent der Erst- und 12,9 Prozent der Zweitstimmen.

Ein alter Hase ist derweil Manfred Krönauer. Der 42-Jährige war 2013 angetreten, erhielt 4,1 Prozent der Erst- und 8,2 der Zweitstimmen. Jetzt versucht er es erneut, ist aber mit Listenplatz 23 eher ohne Chance, in den Bundestag einzuziehen.

Das gilt auch für Brigitte Wolf (Die Linke). Die Stadträtin folgt auf Oguz Lüle, der 2013 3,4 der Erst- und 4,2 Prozent der Zweitstimmen erzielte. Bei der Alternative für Deutschland (AfD) geht heuer Wilfried Biedermann ins Rennen. Die Partei erreichte 2013 4,6 Prozent, hatte allerdings keinen Direktkandidaten. Da Biedermann allerdings nicht auf der Liste platziert wurde, gilt ein Einzug ins Parlament als ausgeschlossen, selbst angesichts derzeitiger Umfragewerte der AfD. Der Osten ist ja traditionell schwarz.

Wolfgang Stefinger (CSU)

Überzeugter Europäer: Wolfgang Stefinger.

Wolfgang Stefinger, so hat man den Eindruck, kann alles tragen für jeden Anlass: Lockeres Outfit, Trachtengewand, Hipsterbart. Ist er also ein Schönwetterpolitiker? Der Bundestagsabgeordnete sagt selbstsicher: „Mir kann man bestimmt nicht vorwerfen, dass ich nur vor der Wahl zu den Leuten komme.“ 32 Jahre jung ist der nach wie vor im Stadtteil Waldperlach verwurzelte Mann. Mit 28 wurde er bereits in den Bundestag gewählt, er ist einer der Jüngsten im aktuellen Parlament. Stefinger sieht sich als einen Vertreter der modernen CSU-Garde mit konservativ-liberalem Profil. Er hat sich in jungen Jahren Autorität verschafft und strahlt Authentizität aus.

Sein Lebenslauf liest sich wie die Mustervita eines Konservativen: Ministrant, Trachtenverein, Freiwillige Feuerwehr. Politisch gibt es aber zwei Dinge, die in einer CSU der Ära Strauß noch als unverzeihlicher Makel ausgelegt worden wären: Stefinger hat Zivildienst geleistet und hat im Bundestag für die Öffnung der Ehe gestimmt. Beides aus vollster Überzeugung. Die harte Haltung in der Griechenland-Politik, als er das dritte Hilfspaket abgelehnt hat, spricht eher wieder für den Typ „hemdsärmelig“. Stefinger aber stellt klar: „Ich bin überzeugter Europäer.“

Einfach sei es nicht gewesen als Frischling in Berlin, gesteht der CSU-Ka

ndidat im Münchner Osten. Seine drei erfahrenen Münchner Kollegen Johannes Singhammer, Hans-Peter Uhl und Peter Gauweiler hätten ihn aber „an die Hand genommen“. Und eines habe er schnell gelernt in Berlin: „Geduld.“ Ein Jahr habe es gedauert, „bis man weiß, wie der Laden funktioniert“. Stefingers Spezialthemen sind die Forschungs- und Familienpolitik. Was seinen Wahlkreis betrifft, sagt er, dass bei Projekten wie dem Entwicklungsgebiet Nordost der Dialog mit den Bürgern gesucht und der Bau der zweiten Stammstrecke so erträglich wie möglich gestaltet werden müsse.

Vermutlich wird Stefinger Gelegenheit haben, vier weitere Jahre Berliner Luft zu schnuppern. 44,7 Prozent der Erststimmen errang er 2013. Die Koalition mit der SPD auf Bundesebene will der 32-Jährige aber nicht fortsetzen. Für die Demokratie sei eine neuerliche Große Koalition nicht gut, meint er.

Stefinger ist im Übrigen jemand, der die Interaktion auf allen digitalen Kanälen sucht. Facebook, Twitter, Instagram – kaum ein Politiker ist in den sozialen Medien so omnipräsent wie der smarte „Stefi“. Diesen Spitznamen hat ihm unlängst eine Tageszeitung verpasst. Der Parlamentarier findet das eher zum Schmunzeln. Vor vier Jahren hatte er ja selbst als Nachfolger Herbert Frankenhausers – „unser Berti“ genannt – verkündet, sein Ziel sei, dass er bald „unser Wolfi“ betitelt werde. So weit sei es zwar noch nicht, erzählt Stefinger. Aber eines sei doch klar: „Bei einem Bier im Wirtshaus erfährt man am besten, wo die Leute der Schuh drückt. Und da ist man schnell beim Du.“

Claudia Tausend (SPD)

Will Wohnungsbau fördern: Claudia Tausend.

Über Pünktlichkeit habe sie in der Hauptstadt etwas Neues gelernt, sagt Claudia Tausend. „In München gilt es als pünktlich, wenn Sie fünf Minuten später kommen.“ In Berlin nicht. Da heiße pünktlich auch Punkt. „Man denkt immer, wenn man zwei oder drei Minuten später kommt, gehört man noch zu den Ersten. Aber das ist nicht so. Da habe ich mich schon umstellen müssen.“ Leicht gefallen sei ihr das nicht. Zeit aber hatte sie. Vier Jahre sitzt Claudia Tausend nun im Bundestag. Nach zwei erfolglosen Kandidaturen klappte es 2013 schließlich mit dem Einzug ins Parlament. Jetzt tritt sie wieder an, ihre Chancen stehen sehr gut, erneut über die Liste einzuziehen. Denn das Direktmandat wird sie wohl nicht gewinnen.

Claudia Tausend, 53, ist Realistin. Der Wahlkreis ist seit 1976 in der Hand der CSU. Und mit der Kandidatur der bekannten Grünen Margarete Bause ist es auch nicht leichter geworden. „Darüber freut sich nur die CSU, wenn wir uns gegenseitig die Stimmen wegnehmen“, sagt Tausend und lächelt.

Das sind die Münchner Bundestags-Kandidaten

Dabei ist die 53-Jährige auch bekannt. Seit 2014 ist sie Chefin der Münchner Genossen, von 1996 bis 2013 gehörte sie dem Stadtrat an, war stellvertretende Fraktionsvorsitzende. „Ich möchte diese Zeit auch nicht missen“, sagt sie. „Ich halte sie für wichtig, um beurteilen zu können, worauf konzetriere ich mich in Berlin.“ Tausend war unter anderem Sprecherin im Planungsausschuss, Mitglied Bau- und Finanzausschuss, saß in verschiedenen Vorständen und Aufsichtsräten kommunaler Unternehmen, etwa bei GWG und Messe München. Die Erfahrungen aus diesen Bereichen kommen der 53-Jährigen bei ihrer parlamentarischen Arbeit zugute. „Ich habe mich in die Themen eingearbeitet, bei denen man als Stadtrat irgendwann nur wenig machen kann Und ich will dort weitermachen, wo die Grenzen der Kommunalpolitik erreicht sind.“

Claudia Tausend hat aber nicht nur die regionalen Angelegenheiten im Blick. Wer mit ihr über Politik spricht, kommt schnell auf Themen wie CETA und TTIP, die Freihandelsabkommen. Im Bundestag sitzt die 53-Jährige im Ausschuss für Umwelt und Bau sowie im Ausschuss für Europäische Angelegenheiten. „Da spielt die Musik in den Nationalstaaten.“

Es ist aber in erster Linie das Thema Wohnungsbau, mit dem Tausend punkten will. Da geht es um eine abermalige Verdoppelung der Fördergelder für den Wohnungsbau. Derzeit gibt es bundesweit 1,5 Milliarden Euro. Zu wenig, sagt Tausend. Und es geht auch um eine staatliche Unterstützung der kommunalen oder genossenschaftlichen Wohnungsbauer. „Die leben von den städtischen Fördermitteln. Und da muss auch der Bund mitfinanzieren. Denn diese Unternehmen sind es, die den günstigen Wohnraum schaffen.“ Und das wiederum hat Tausend nicht erst in Berlin gelernt.

Margarete Bause (Grüne):

Wagt ein Abenteuer: Margarete Bause.

Neulich klingelte Margarete Bause an einer Haustür im Münchner Osten, wie sie es derzeit so oft tut. Wahlkampf ist Kärrnerarbeit. Die Frau, die die Tür öffnete, war begeistert, rief gleich ihre Tochter („Die ist Erstwählerin“) – und ehe sich die langjährige Fraktionschefin der Grünen im Landtag versah, saß sie am Küchentisch bei politischer Diskussion und Zwetschgendatschi. „Ich bekomme sehr viel Feedback“, sagt die 58-Jährige. „Die Leute kennen mich.“

Es ist ein ungewöhnliches Experiment, auf das sich die Schwabingerin da im Münchner Osten einlässt. Drei Jahrzehnte ist es her, dass Bause als junge Frauenrechtlerin erstmals in den Landtag einzog. Sie wurde Landesvorsitzende, Fraktionschefin und Spitzenkandidatin. Mit ihren markanten roten Haaren galt sie zuletzt als bekannteste Oppositionspolitikerin in ganz Bayern. Jetzt aber will sie sich in Berlin noch einmal neu erfinden. „Ich möchte ein Mal in einem Parlament arbeiten, in dem die CSU in der Minderheit ist“, sagt sie und lacht.

Das Abenteuer ist nicht ohne Risiko. Bause mag zwar die mit Abstand bekannteste Kandidatin im Wahlkreis sein – muss aber zittern. Denn die verdiente Fraktionschefin hatte die Rechnung ohne ihre notorisch führungsskeptische Partei gemacht. Bei der Listenaufstellung reichte es nur zu Platz 9, was angesichts der derzeit mauen Umfragewerte der Grünen knapp werden dürfte.

Bause gilt als Inbegriff der städtischen Münchner Grünen-Politikerin, dabei hat sie eine sehr ländliche Jugend hinter sich. Mit ihren (zugezogenen) Eltern lebte sie auf einem niederbayerischen Einödhof in Sichtweite des AKW Isar I, zum Gymnasium musste sie eine halbe Stunde radeln. Erst zum Studium zog sie nach München, wo das Landei als wissenschaftliche Mitarbeiterin des Soziologen Ulrich Beck aber rasch in akademischen Kreisen ankam. Diese Prägung mit klassischen grünen Themen will die Italien-Liebhaberin nun mit gen Nord-Ost nehmen. „Der Klimaschutz treibt mich immer mehr um, je dramatischer die Entwicklung ist“, sagt Bause auf die Frage, worum sie sich in Berlin am liebsten kümmern würde.

Und wenn es nicht klappt? „Daran will ich gerade gar nicht denken“, sagt sie. Doch einen Weg zurück an die Spitze der Landespolitik schließt sie aus. Den Posten der Fraktionschefin im Landtag hat sie bereits Katharina Schulze übergeben, die sie vorher lange gefördert hatte. Verpasst sie den Sprung in den Bundestag, bliebe sie bis 2018 im Landtag, dann ist auf jeden Fall Schluss. „Die Entscheidung steht.“

Weitere Kandidaten

Für den 42-jährige FDP-Bundestagskandidaten Manfred Krönauer aus Bogenhausen ist der Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs, sowohl bei U- als auch S-Bahn sowie eine Verbesserung der Infrastruktur von hoher Bedeutung. Ein besonderes Anliegen ist ihm jedoch eine breitere Grundlagenforschung bei verschiedenen Krebsarten und der Ausbau des Rettungswesens.

Die 54-jährige Bundestagskandidatin Brigitte Wolf von der Partei Die Linken hat wie so viele Kandidaten auch den Wohnungsmangel und den rapiden Mietanstieg in München im Blick. „Das Recht auf Wohnen muss als Grundrecht ein stärkeres Gewicht gegenüber dem Eigentumsrecht erhalten“, sagt die Diplom-Informatikerin aus Haidhausen.

Wilfried Biedermann aus Trudering ist der Bundestagskandidaten der AfD aus dem Wahlkreis München-Ost. Dem 65-jährigen Kaufmann liegt vor allem die Verkehrs- und Wohnungspolitik am Herzen. Besonders wichtige Verkehrsprojekte in München sind für ihn die Ring S-Bahn und ein weiterer Ausbau des U-Bahn-Netzes. Außerdem ist er gegen die zweite Stammstrecke.

Der 58-jährige Rudolf Schabl tritt bei der Bundestagswahl als Kandidat für die Freien Wähler an. Auch für den Sozialversicherungsfachangestellten ist das Thema des bezahlbaren Wohnraums in München ein zentrales Thema. „Ein Förderprogramm, getragen vom Bund, muss speziell für Ballungsräume geschaffen werden“, so Schabl.

Für Glenn Giera-Bay, Bundestagskandidat für die ÖDP, steht besonders die Förderung und Unterstützung der vielen Ehrenamtlichen und der Sozialen Dienste im Fokus. „Die Ehrenamtspauschale und die Übungsleiterpauschale sollten unbedingt erhöht werden“, sagt der 41-jährige Theaterpädagoge.

Der 38-jährige Thomas Mayer kandidiert für die Piratenpartei bei der Bundestagswahl. Der Fokus des Software-Entwicklers aus dem Lehel liegt im Besonderen auf dem digitalen Wandel. Denn: „München ist ein Zentrum der Digitalisierung in Deutschland“, betont Mayer.

Der 37-jährige Richard Progl aus Berg am Laim möchte als Bundestagskandidat für die Bayernpartei nach Berlin. Ein besonderes Anliegen des Diplom-Betriebswirts ist die Erlangung der bayerischen Unabhängigkeit. „Bayern und München sind kein Selbstbedienungsladen für Deutschland.“

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