Wahlkreis München-Süd

„Ich bin und bleibe Aktivist“: Kerem Schamberger kandidiert für die Linken

Kerem Schamberger steht vor der Baulücke an der Oberen Grasstraße in Giesing, wo einst das Uhrmacherhäusl stand
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Für Kerem Schamberger ist der Protest gegen den Abriss des Uhrmacherhäusls der Beweis, dass sich zivilgesellschaftliches Engagement auszahlt.

Am 26. September ist Bundestagswahl. Bis dahin stellen wir die Kandidaten aus München vor. Heute Kerem Schamberger (Linke) aus dem Wahlkreis Süd.

München – Als Kind war Kerem Schamberger ein Bücherwurm. Seine Mutter habe sich Sorgen gemacht: Der Junge muss doch mal raus, Freunde treffen! „Dann bin ich irgendwann nach Hause gekommen und hab gesagt: Mama, ich bin jetzt Mitglied bei den Kommunisten.“

Das „Raus“ habe sie irgendwie anders gemeint, habe seine Mutter da gesagt. Schamberger lacht, als er sich daran erinnert. Jetzt will er ein neues Kapitel in seinem Leben aufschlagen: Für die Linke im Süden* bei der Bundestagswahl 2021* in den Bundestag einziehen. Sein Weg: Aktivismus.

Wie das geht, weiß er, denn er hat schon viele Kämpfe ausgefochten. Einer fand am Uhrmacherhäusl statt, an der Oberen Grasstraße in Giesing*: Denkmalschützer gegen Baulöwe. Letzterer musste eine Niederlage einstecken: Das widerrechtlich abgerissene Uhrmacherhäusl muss er originalgetreu wieder aufbauen. „Das ist ein so gutes Beispiel dafür, was man von unten bewegen kann, wenn man sich organisiert.“

Bundestagswahl 2021: Münchner Kandidat Kerem Schamberger „ein großer Fan von sozialen Bewegungen“

In der linken Szene und auch darüber hinaus ist Schamberger schon lange bekannt. Doch erst seit August 2020 ist er Mitglied in der Partei Die Linke. „Ich bin ein großer Fan von sozialen Bewegungen, aber die sind oft sehr monokausal.“ Notwendig sei ein Transmissionsriemen, eine Organisation, die verschiedene Positionen vereine und politisch umsetze - das sei nun mal eine Partei. „Aber ich bin und bleibe auch Aktivist.“

Politisch engagiert ist Schamberger seit 2001, Grund war der Afghanistankrieg. Die Vorfälle motivierten den damals 15-Jährigen, sich politisch zu organisieren.

Auch heute noch interessiert sich Schamberger für internationale Fragen: Erst im November vergangenes Jahr war er in Armenien, als Teil einer Delegation, um Kriegsverbrechen zu dokumentieren.

Bundestagswahl 2021: Schamberger (Linke) sagt Mieten-Wahnsinn in München den Kampf an

Im Wahlkampf setzt er aber auch auf andere Themen, wie die sozialen Folgen der Corona*-Krise oder den Mietmarkt* in München*. „Das Recht auf Wohnen ist eine so grundlegende Sache, das sollte nicht auf dem Markt gehandelt werden.“ Sein Ziel: Mietendeckel und die Vergesellschaftung von großen Immobilienkonzernen.

Wenn er für etwas kämpft, dann mit Herzblut und vollem Einsatz: Demos, Kundgebungen, Mahnwachen, Haustürwahlkampf, Infostände. Daneben arbeitet er an der Uni als Dozent. Erst vor Kurzem hat der 35-Jährige seine Dissertation im Fach Kommunikationswissenschaften abgegeben - Magna cum Laude. Seit vergangener Woche ist er offiziell Dr. Kerem Schamberger.

Das Lehren gefällt ihm: „Ich mag es, junge Leute zu ermutigen, selbstständig zu denken.“ Denn das neoliberale Denken sei so stark in den Köpfen der Leute verankert, dass diese sich kaum eine Gesellschaft abseits der Logiken des Profitzwangs vorstellen könnten, sagt Schamberger.

Bundestagswahl 2021: Schamberger (Linke) hofft auf mehr miteinander statt gegeneinander

Und wie sieht seine gesellschaftliche Utopie aus? „Das wäre eine Gesellschaft, in der es keine Konkurrenz gibt, keine Ellenbogen-Gesellschaft. Eine, in der man eine Ausbildung macht und davon leben kann, in der man in Miet-Genossenschaften kollektiv zusammenleben kann.“

Wenn ihm neben seiner politischer Arbeit und dem Wahlkampf Zeit bleibt, geht der Münchner joggen, trifft Freunde - oder er liest. Politisches, auch. Aber am liebsten Stephen King. (leo)

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