Wachstumsschere, Wohnungsbau, Klimakrise

„Die Folge unsozialer Politik“ - Münchner Bundestagskandidat über die Absichten der Linken

Für Bundestagskandidat Christian Schwarzenberger (Die Linke) spielt sozialer Wohnungsbau eine große Rolle
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Für Bundestagskandidat Christian Schwarzenberger (Die Linke) spielt sozialer Wohnungsbau eine große Rolle.

Christian Schwarzenberger kandidiert bei der Bundestagswahl für die Linken. Der Münchner erklärt seine sozialpolitischen Absichten - und wie er sie umsetzen möchte.

München - Als Christian Schwarzenberger vor vier Jahren mit Anwohnern der Adams-Lehmann-Straße (Schwabing) sprach, hat er gespürt, dass ihm das ein Herzensanliegen ist: sich für die Mieter einsetzen. Sozialer Wohnungsbau, aber alle drei Jahre Mieterhöhung um 15 Prozent? „Den Menschen wird der Boden unter den Füßen weggerissen“, sagt Schwarzenberger. Er denkt da etwa an alleinerziehende Mütter oder Senioren, deren Rente kaum zum Leben reicht. „Die Geschichten der Menschen gehen mir nah“, sagt der Bundeskandidat der Linken, der bei der Bundestagswahl* am 26. September um das Direktmandat im Kreis München-Nord* kämpft.

Seit 2018 ist Schwarzenberger in der Bürgerinitiative Ausspekuliert aktiv, die sich für bezahlbaren Wohnraum einsetzt. So unterstützt er eben etwa die Mieter der Dawonia am Ackermannbogen, bekämpft aber zum Beispiel auch Leerstand. Zum Beispiel in der Zietenstraße in Milbertshofen, wo in den vergangenen Jahren immer mehr Lichter erloschen. „Dort standen etwa 50 Wohnungen leer“, erzählt der 33-Jährige. Anwohner hatten ihn darauf aufmerksam gemacht, daraufhin stellte seine Fraktion eine Anfrage bei der Stadt. Seit Herbst 2020 herrscht dort nun wieder Leben.

Bundestagswahl: Schwarzenberger (Die Linke) richtet Fokus auf Sozialpolitik

Schwarzenberger lebt in Schwabing und arbeitet als Mieten- und energiepolitischer Referent der Stadtratsfraktion Die Linke/Die Partei. Geboren und aufgewachsen ist er in Schwandorf als Sohn eines Schlossers und einer Kellnerin. Deshalb wisse er auch um die Sorgen von Menschen mit geringerem Einkommen. „Meine Mutter hat eigentlich immer gearbeitet, teilweise sieben Tage die Woche in zwei Jobs gleichzeitig“, erzählt er. Doch was bleibe, sei voraussichtlich eine Rente unter 800 Euro.

Corona traf Menschen in der Gastronomie besonders hart. „Meine Mutter konnte sich ihre Wohnung selbst im Allgäu nicht mehr leisten und musste zu ihrem Partner ziehen“, so Schwarzenberger. In der Krise hätten Wirtschaftsinteressen oft über dem Gemeinwohl gestanden. Konzerne wie die Lufthansa hätten Milliardenhilfen erhalten, während andere durchs Raster fielen. „Das ist die Folge unsozialer Politik“, findet der Schwabinger. Und dagegen will er vorgehen. Stichwort Umverteilung: Es brauche eine Vermögensabgabe für Reiche, wohingegen Menschen mit kleinem und mittlerem Einkommen entlastet werden sollen.

  • Alter: 33
  • Beruf: Fraktionsreferent
  • Partei: Linke
  • Wahlkreis: München-Nord
  • Familienstand: ledig

Die Schere zwischen Arm und Reich ist ein globales Thema. Als Schwarzenberger im Rahmen seines Studiums der Energie- und Prozesstechnik an der TU ein Jahr in Afrika verbrachte, sah er Villenkolonien direkt neben Slums, also „soziale Ungerechtigkeit wie durch ein Brennglas. Dort sieht man die Folgen unserer Handelspolitik.“ In Afrika wuchs auch der Drang in ihm, politisch aktiv zu werden – zunächst bei der globalisierungskritischen Bewegung Attac und seit 2017 bei der Linken.

Bundestagswahl: Schwarzenberger über Klimaschutz - und überteuerten ÖPNV in München

Ein Thema, das ihm noch am Herzen liegt, ist der Klimaschutz. In Schwarzenbergers Studium lag der Fokus auf erneuerbaren Energien. „In der Hinsicht tun die Stadtwerke zu wenig. Man muss erneuerbare Energien in der Region ausbauen, um Kohle- und Gaskraftwerke abzuschalten“, so der 33-Jährige. Wichtiger als eine CO2-Steuer seien Ausbau und Vergünstigung des öffentlichen Nahverkehrs, sodass etwa Menschen im ländlichen Raum das Auto nicht mehr brauchen.

Seinen Kernthemen soziale Gerechtigkeit, Mieter- und Klimaschutz würde er sich auch in Berlin widmen und sich dort mit Mietergemeinschaften in Verbindung setzen. Sein Lebensmittelpunkt bliebe aber in München. „Ich habe mit vielen Mietern seit Jahren Kontakt, zum Teil sind auch Freundschaften entstanden“, sagt er. Wichtig sei der Zusammenhalt. Der kann dann auch zu Erfolgen führen: „In der Adams-Lehmann-Straße ist es uns inzwischen gemeinsam gelungen, die Mieterhöhungen für zwei Jahre auszusetzen.“

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