Wahlkreis München-Süd

Bundestagswahl München: CSU-Kandidat Michael Kuffer – Kein Mann großer Kompromisse

Der CSU-Abgeordnete Michael Kuffer hält eine Rede im Bundestag
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Der CSU-Abgeordnete Michael Kuffer während einer Rede im Bundestag.

Sein 2017 gewonnenes Bundestagsmandat möchte Michael Kuffer gerne verteidigen. Der CSU-Politiker gilt als Mann klarer Worte. Und polarisiert damit auch.

München – Im Sommer hatte Michael Kuffer einen Unfall mit seiner Piaggio – ein Auto ist in den Roller gerauscht. Zum Glück wurde der Politiker nur leicht verletzt. Der Autofahrer ist nun Mitglied der CSU – Kuffer hat ihn noch am Unfallort angeworben.

Kuffer, 49, Bundestagskandidat der CSU für die Bundestagswahl 2021*, bringt so leicht nichts aus der Fassung. Auch nicht schlechte Umfragewerte. „Politik macht mir keine Sorgen. Das gehört zum Geschäft“, sagt er. Weil seine Piaggio noch in der Werkstatt ist, kommt er mit seiner Ersatz-Vespa zum Termin am Flaucher.

Der Sollner* holte bei der Bundestagswahl 2017 mit 33 Prozent der Erststimmen das Direktmandat im Münchner* Süden. Kuffer muss am 26. September das Direktmandat holen*, um im Bundestag zu bleiben – er hat keinen sicheren Listenplatz. Es wird knapp. „Aber es ist noch alles drin. Die Arbeit am Schreibtisch ist vorbei. Jetzt geht es nur noch um Nahkampf.“

Bundestagswahl 2021: Münchner CSU-Kandidat Kuffer für die „Stärkung der Sicherheitsbehörden“

So kennt man Kuffers Sprache: kämpferisch, kriegerisch. Bereits als Stadtrat polarisierte er, etwa mit Forderungen nach einem bewaffneten kommunalen Ordnungsdienst oder einem Angstraummelder. Gegner werfen ihm vor, selbst Angsträume zu schaffen.

Kuffer ist Sicherheitspolitiker. Er ist Mitglied des Ausschusses für Inneres und Heimat im Bundestag. „Ich stehe für die Stärkung der Sicherheitsbehörden. Für Hilfe in der Not im Bereich Asyl – konsequent. Genauso konsequent für ein Trennen von Asyl und Migration. Mir stellt’s die Haare auf, wenn gesagt wird, wir holen jetzt einfach mal alle raus“, sagt er mit Blick auf Afghanistan.

Der 49-Jährige ist ein eloquenter Redner und streitlustig. „Abteilung Attacke“, „Der Mann mit dem Holzhammer“ – das liest man über ihn. Kuffer nimmt’s als Kompliment. „Man muss in der Politik auch mal hinlangen können. Ich mag es nicht, wenn’s langweilig wird.“ In eine Schublade will er aber nicht gesteckt werden. „Ich kann nicht nur Recht und Ordnung im Trachtenjanker.“ Heute trägt er einen.

  • Name: Michael Kuffer
  • Alter: 49
  • Beruf: Rechtsanwalt
  • Partei: CSU
  • Wahlkreis: München-Süd
  • Familienstand: Vater von vier Kindern

Bundestagswahl 2021: Münchner CSU-Kandidat Kuffer arbeitete früher als Rettungssanitäter

Dann spricht er über seine Zeit als Rettungssanitäter. Und man begreift, woher seine Gelassenheit kommt – und sein Antrieb. „Mich hat dieses Thema Rettungsdienst schon in frühester Jugend wahnsinnig gefesselt. Es war dann auch klar, dass ich nicht in den Betrieb meines Vaters gehe. Eigentlich wollte ich Medizin studieren.“

Bis vor zwei Jahren führte sein Vater den ältesten Betrieb auf der Großmarkthalle, gegründet 1910 von Kuffers Urgroßvater. Aus Medizin wurde Jura. Vor dem Studium arbeitete Kuffer zehn Jahre lang im Rettungsdienst, im Katastrophen- und Zivilschutz. „Ich merke heute, dass mich manche Sachen einholen, je größer der Abstand wird.“ Seine Stimme wird leiser.

Berlin ist in diesem Moment weit weg. Es spricht der vierfache Vater. „Eine Frau hatte auf der Autobahn eine Panne und ist mit ihrem kleinen Sohn über die Straße gerannt. Sie sind von einem Auto erfasst worden. Wir haben sehr gekämpft um den Jungen.“ Seine Stimme bricht. „Ich habe erst später erfahren, dass er es nicht geschafft hat.“ Ihm kommen die Tränen.

Bundestagswahl 2021: CSU-Kandidat Kuffer will in München bezahlbaren Wohnraum und Mobilität schaffen

Kuffer trat 1996 in die CSU ein. „Früher war die CSU ein Lebensgefühl, eine Weltanschauung. Damit kriegst du die Leute nicht mehr. Viele interessieren sich nicht mehr für Politik, außer sie haben ein Problem.“ Neben bezahlbarem Wohnraum* sieht Kuffer in München das Thema Mobilität ganz vorn. „Auch weil das in München ein Schlüssel zu einer guten Klimapolitik wäre. Und natürlich ein wichtiges Thema für uns“, sagt er und schaltet wieder um auf Wahlkampf. „Weil ich glaube, dass die Grünen da nicht besonders gut abschneiden. Gerade wenn man sich anschaut, wie der ÖPNV-Ausbau verschlafen wurde.“

Kuffer ist kein Mann großer Kompromisse. Vor allem, wenn es um die innere Sicherheit geht, zeigt er klare Kante. „Es wäre die Hölle, wenn wir mit den Grünen regieren müssten. Dann sollen sie es lieber alleine machen.“ In der Politik gebe es keine Entscheidungen ohne Bedenken. „Das muss man sich trauen. Dafür muss man Risiken eingehen. Und auch mal Dresche in Kauf nehmen.“ Kuffer kann einstecken. Er weiß, was wirklich wehtut. (Daniela Pohl) *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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