Münchner Kandidatin verspricht „Mehrwert“ für München

Bundestagswahl: SPD-Kandidatin Claudia Tausend genießt den Aufschwung der Partei und hat tausend Pläne

Claudia Tausend sagt über sich: „Ich bin ein echtes Arbeiterkind.“ Seit 1990 ist sie SPD-Mitglied.
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Claudia Tausend sagt über sich: „Ich bin ein echtes Arbeiterkind.“ Seit 1990 ist sie SPD-Mitglied.

Als „echtes Arbeiterkind“ hat die Münchnerin Claudia Tausend im Berlin noch viel vor. Sie möchte am 26. September erneut in den Bundestag einziehen und hat dafür klare „Arbeitsaufträge“ im Gepäck.

München - Kaum hat sie sich hingesetzt, da springt Claudia Tausend schon wieder auf. Kein Aschenbecher auf dem Tisch! Die leidenschaftliche Raucherin braucht jetzt unbedingt eine Zigarette. Wahlkampfzeit ist halt Stress. Gerade kommt sie aus dem Seniorennachmittag der Perlacher AWO, später steht noch eine wichtige Besprechung mit ihrer Unterstützertruppe an. Und am nächsten Tag soll es eine große Radtour durchs Wahlgebiet geben, doch es ist Dauerregen vorhergesagt.

Bundestagswahl München: Claudia Tausend freut sich, denn „man traut der SPD wieder was zu!“

Dabei könnte sich Tausend eigentlich einen relativ entspannten Wahlkampf leisten. Mit Platz 10 auf der Landesliste hat die SPD*-Politikerin beste Chancen, am 26. September erneut in den Bundestag einzuziehen. Zum dritten Mal. Den Stimmkreis* hat sie 2005 vom früheren SPD-Abgeordneten Fritz Schösser geerbt, nach anfänglicher Durststrecke klappte es dann 2013.

  • Name: Claudia Tausend
  • Alter: 57
  • Beruf: Diplom-Geografin
  • Partei: SPD
  • Wahlkreis: München-Ost
  • Familienstand: ledig

„Der Münchner Osten galt immer als schwer gewinnbar“, sagt die Münchner* SPD-Chefin, „das war nie eine Hochburg der SPD.“ Ein Direktmandat sei auch jetzt unrealistisch. In den aktuellen Prognosen liegt die neue Grünen-Kandidatin Vaniessa Rashid hauchdünn vor* dem bisherigen Direktgewinner Wolfgang Stefinger (CSU). Trotzdem genießt Tausend den Aufschwung ihrer Partei. „Man ist plötzlich wieder interessant als Gesprächspartner.“ Auf ihrer Wahlkampftour würden sogar Wünsche laut, denn: „Man traut der SPD wieder was zu!“ Für sie sind Olaf Scholz als Kanzler und die SPD als stärkste Fraktion im Bundestag realistisch: „Es läuft jetzt für die SPD.“

Im Bundestag sind Wohnungsbau, soziales Bodenrecht und Innenstadt-Entwicklung Tausends Schwerpunkte

Ihre Erklärung für den Aufwärtstrend: „Wir haben eine Umbruchssituation in Deutschland.“ Das werde Folgen haben, vor allem in den städtischen Bereichen. Hier kennt sich Tausend gut aus. Mehr als 17 Jahre lang war sie in München Stadträtin, zuletzt als stellvertretende Fraktionschefin und Planungssprecherin. Mit der Wahl in den Bundestag stieg sie im Rathaus aus. Im Bundestag wollte sie genau die Dinge angreifen, „die ich als Stadträtin nicht umsetzen konnte, weil Bundesgesetze entgegenstanden“. Das sei ihr „Mehrwert“ für München als Abgeordnete. Ihre Schwerpunkt-Themen in Berlin heißen Wohnungsbau, soziales Bodenrecht und Innenstadt-Entwicklung.

„Ich glaube, da habe ich zuletzt schon einiges erreicht.“ Gemeint ist das Baulandmobilisierungsgesetz, das kürzlich in Kraft getreten ist. Damit gewinnen Kommunen mit angespanntem Wohnungsmarkt deutlich mehr Einfluss bei Umwandlungen von Miet- in Eigentumswohnungen. Städte wie München könnten so künftig zum Beispiel in Innenstadtlagen ohne Bebauungsplan einen Anteil geförderter Wohnungen vorschreiben und ein Vorkaufsrecht samt Preislimit erhalten. Ohne die Unterstützung von Innen- und Bauminister Horst Seehofer (CSU) wäre das Ganze schwieriger bis unmöglich gewesen, sagt Tausend. „Bei Themen, die vor Ort relevant sind, braucht man alle Kräfte. Das kann man nicht parteipolitisch allein aufziehen.“

Bundestagswahl München: Tausend sieht „Arbeitsaufträge“, die noch zu erledigen sind

Viele Ideen kämen aus München und Hamburg, erzählt die Abgeordnete. Das seien „Arbeitsaufträge“ für sie. Die 57-Jährige will auch deshalb „sehr gerne wieder“ in den Bundestag, weil sie da noch einiges zu erledigen habe. Aber sie sei nicht nur die Interessensvertretung von Großstädten. Sie kenne auch den ländlichen Raum. „Ich bin auf einem Einöd-Bauernhof bei Vilsbiburg aufgewachsen, war dann in Landshut im Internat, bevor ich zum Geografie-Studium nach München gezogen bin.“

Neben Wohnen schätzt die Sozialdemokratin noch Einzelhandel, Autoindus­trie, den Ausbau erneuerbarer Energien und die Folgen des Klimawandels als die großen Themen der Zukunft ein. „Die Menschen fragen sich: Was kommt auf uns zu, was kostet mich das Ganze?“ Die SPD und Olaf Scholz* hätten da klarere Aussagen im Angebot als die Mitbewerber. Das signalisiere Sicherheit und Verlässlichkeit in Zeiten des Wandels. Tausend sieht die Chance für eine Ampel-Koalition – die zuletzt heiß diskutierte Koalition mit der Linken „ist für mich ein Schreckgespenst“. Carmen Ick-Dietl

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