Die Schwarzen sind verschwunden

Münchner Umfrage-Hammer zur Bundestagswahl: Kein Direktmandat für die CSU in der Landeshauptstadt

CSU-Parteizentrale in München: Stand jetzt würde die Union laut einer Umfrage alle Direktmandate verlieren
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CSU-Parteizentrale in München: Stand jetzt würde die Union laut einer Umfrage alle Direktmandate verlieren.

Der Kampf um die Direktmandate in München bei der Bundestagswahl wird spannend. In drei der vier Stimmbezirke zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Grünen, SPD und CSU ab.

München - Da dürften in der Parteizentrale der CSU die Alarmglocken schrillen: Gut vier Wochen vor der Bundestagswahl am 26. September würden die „Schwarzen“ laut aktuellen Umfragen alle vier Direktmandate in München verlieren. Für die CSU käme das einem Desaster gleich. Die aktuelle Verteilung würde lauten: Dreimal Grün, einmal SPD.

Wie Ergebnisse von wahlkreisprognose.de zugrundelegen, schlägt der miese Bundestrend für die Union auch in München voll durch. Und die SPD befindet sich auch in der Landeshauptstadt im Aufwind. Vor wenigen Monaten hätte kaum jemand für möglich gehalten, dass die Sozialdemokraten Chancen auf ein Direktmandat haben würden.

München vor der Bundestagswahl: SPD könnte sich im Norden durchsetzen

Nun liegt im Norden gemäß der Umfrage Florian Post (SPD) mit 27,5 Prozent vor der Grünen Doris Wagner (25 Prozent) und dem CSU-Mann Bernhard Loos (23,5 Prozent) in aussichtsreicher Position. Auch das Meinungsforschungsinstitut INSA sieht aktuell Post vorne. 2017 ging der Sitz relativ klar an Loos, der 32,2 Prozent erreichte. Post kam auf 26 Prozent.

Im Osten und Süden deutet sich ebenfalls ein Kopf-an-Kopf-Rennen an. Beide Stimmbezirke würden laut der Umfrage aktuell an die Grünen gehen – jeweils mit 27,5 Prozent. CSU-Kandidat Wolfgang Stefinger ist im Osten der jungen Vaniessa Rashid mit 27 Prozent allerdings dicht auf den Fersen. Für Claudia Tausend (SPD) weist wahlkreisprognose.de 21,5 Prozent aus. 2017 setzte sich Stefinger noch deutlich mit 36,8 Prozent vor Tausend (21,3 Prozent) durch.

Laut wahlkreisprognose.de würden derzeit drei Grüne und ein SPD-Mann die Direktmandate gewinnen.

München: CSU blüht historisches Debakel - Bald alle Direktmandate weg?

Der Süden scheint sich zu einem spannenden Dreikampf zu entwickeln. Hier führt Jamila Schäfer von den Grünen (27,5 Prozent) vor dem CSU-Bewerber Michael Kuffer (24 Prozent) und dem Sozialdemokraten Sebastian Roloff (23,5 Prozent). Kuffer gewann 2017 noch klar mit 33,0 Prozent das Direktmandat. INSA sieht übrigens Roloff knapp vorne.

Am klarsten scheint die Angelegenheit im Wahlkreis West-Mitte zu sein, auch bei INSA. Der Grüne Dieter Janecek führt hier mit 32,0 Prozent vor dem CSU-Mann Stephan Pilsinger (24 Prozent) und der Sozialdemokratin Seija Knorr-Köning (23 Prozent).

Historisch gesehen könnte sich also für die CSU ein Debakel abzeichnen. Den Süden holte letztmals 1998 mit Christoph Moosbauer ein Sozialdemokrat. Danach siegte viermal in Folge Peter Gauweiler, und zuletzt 2017 Michael Kuffer. Der Osten ging bereits seit 1976 durchgehend an die CSU, ebenso wie der Stimmbezirk West-Mitte.

Münchner Norden: SPD könnte wieder obenauf sein - Grüne vor Premiere

Der Norden war einst eine waschechte SPD-Hochburg. Hier setzten sich die Sozialdemokraten fast genauso oft durch wie die CSU. Das Verhältnis lautet 9:10. Post könnte somit in die Fußstapfen von Axel Berg treten, der dreimal in Folge von 1998 bis 2005 siegreich war, oder von Hans-Jochen Vogel (1976 und 1980) sowie Wenzel Bredl (1969 und 1972).

Die Grünen konnten noch nie ein Direktmandat bei einer Bundestagswahl in München (Parteien im Überblick) gewinnen, deuteten aber schon bei der Landtagswahl 2018 an, dass sich eine Trendwende abzeichnet. Damals holten sie fünf der neun Stimmkreise, die CSU vier.

Währenddessen kann sich Olaf Scholz freuen: Der SPD-Kandidat hat plötzlich gute Chancen, Bundeskanzler zu werden.

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