Kandidat bei der Bundestagswahl

Münchner Wiehle möchte für die AfD wieder in den Bundestag - An der CSU lässt er kein gutes Haar

Kandidat mit Brunnenbuberl: Wolfgang Wiehle am Wiener Platz
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Kandidat mit Brunnenbuberl: Wolfgang Wiehle am Wiener Platz.

Informatiker Wolfgang Wiehle sitzt für die AfD im Berliner Bundestag. Sein politisches Interesse hat eine CSU-Ikone geweckt. Er spricht über den Wechsel der politischen Heimat.

München - Wolfgang Wiehle hat ein Faible für Zahlen. Im Alter von drei Jahren habe er schon bis 1000 zählen können, sagt er. Später studierte er Informatik. Und der 56-Jährige hat eine Leidenschaft für Eisenbahnen, ist bei der AfD im Bundestag auch für derlei Fragen zuständig. Wiehle kandidiert jetzt erneut für das Direktmandat im Münchner Süden*.

Wolfgang Wiehle ist in München* geboren und im Umland aufgewachsen, Gröbenzell, Ottobrunn. „Ich kenne die Stadt-Umland-Fragen aus eigenem Erleben“, sagt er. Das Studium der Informatik in München war naheliegend, sein Vater hatte eine Professur für eben dieses Fach an der Universität der Bundeswehr. „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.“

Wolfgang Wiehle (AfD): Einst CSU-Mitglied, heute für die AfD im Bundestag

Das politische Interesse entfachte Franz Josef Strauß. 1982: Nachrüstungsdebatte; am 5. Juni sprach Strauß auf dem Königsplatz über die Freundschaft zu den USA. „Das war für mich Anlass, zur CSU zu gehen.“ Wiehle machte Parteikarriere, wurde Vorsitzender des politischen Studentenverbandes RCDS, saß im heutigen Bezirksausschuss Sendling-Westpark und von 1994 bis 2002 für die CSU im Münchner Stadtrat.

Sein Thema war schon immer die Verkehrspolitik, Wiehle setzte sich stark für die Untertunnelung des Mittleren Rings ein. Doch 2002 war dann Schluss mit der Politik. Dafür habe es mehrere Gründe gegeben, erinnert er sich. „Nach meinem Verständnis hat sich die CSU in die falsche Richtung entwickelt.“ Er sei ein Euro-Gegner der ersten Stunde, habe bei einem CSU-Parteitag Anfang der 90er gegen den Maastrichter Vertrag gestimmt.

„Ein zweiter Grund war der Skandal über manipulierte Stimmen in der CSU.“ Dieser Münchner CSU-Skandal habe sich bereits 2002 abgezeichnet und führte später zum Rücktritt von Monika Hohlmeier, der Tochter von Strauß, jenes Mannes also, der Wiehle einst zur Politik gebracht hatte. „Ein weiterer Grund war aber die Familie“, sagt Wiehle. 2000 kam sein Sohn zur Welt, 2002 seine Tochter. „Das hatte auch schon etwas mit Zeit zu tun.“

Steckbrief

Name: Wolfgang Wiehle

Alter: 56

Beruf: Bundestagsabgeordneter

Wahlkreis: München-Süd

Partei: AfD

Familienstand: geschieden, zwei Kinder

Bundestagswahl: Wiehle (AfD) mit Fokus auf Verkehr - „Verkehrsmittel selbst aussuchen“

2013 betrat dann die AfD die politische Bühne. Sie habe eine Lücke gefüllt, gegen den Euro, gegen den Ausstieg aus der Kernenergie. „Das war dann für mich der Grund, bei der CSU aus- und bei der AfD einzutreten.“ 2017 zog Wiehle über Liste in den Bundestag ein. „Es war Pionierarbeit, es galt ja, eine neue Fraktion aufzubauen.“

Und für ihn selbst hat es sich ergeben, dass das Themenfeld Verkehr noch nicht so gut besetzt war. Wiehle ist zweiter Sprecher im Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur. Das will er fortführen, er hat den siebten Platz auf der Landesliste und wird daher mit Sicherheit im 20. Bundestag sitzen. „Ich werde alles dafür tun, damit der Bürger sich selbst ein Verkehrsmittel aussuchen kann“, sagt er. Er vermutet nämlich, dass das Autofahren unerschwinglich wird, wenn alle Verbote so kommen. „Und dann wird es Leute geben, die sich das Auto nicht mehr leisten können.“ Das sei auch für den Bund schwierig. „Wenn die Steuern für das Mineralöl wegfallen, fehlen über 40 Milliarden Euro“, sagt er. Man mag es ihm glauben, mit Zahlen kennt er sich ja aus.

Derweil hat die AfD sich längst als Konstante im Bundestag etabliert und gelernt Anforderungen zu stellen – in einem Rechtsstreit will sie ihren Anspruch auf ein Amt durchsetzen.

Alle Infos zur Bundestagswahl 2021 in München: Den Zuschnitt der Wahlkreise, die Parteien, Kandidaten und Ergebnisse, finden Sie hier*. *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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