Bundeswehrbrief irritiert tausende Münchner

München - Ein Brief vom Kreisverwaltungsreferat sorgt in München für viel Verwirrung. Alle jungen Männer, die in diesem oder nächsten Jahr volljährig werden, erhalten ein schockierendes Schreiben.

Der Betreff des Briefs lautet Erfassung von Wehrpflichtigen. Für viele ein Schock. Auch für Ju-Ho Joung und seine Eltern: Gerade hatten sie sich mit ihrem Sohn darüber gefreut, dass sich die Bundesregierung für eine Aussetzung der Wehrpflicht entschieden hat – und dann kam dieser Brief.

„Schon die ersten Zeilen haben mir Angst gemacht“, sagt der 17-Jährige. Da steht: Nach §1 Wehrpflichtgesetz sind alle Männer, die Deutsche im Sinne des Grundgesetzes sind und ihren ständigen Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland haben, vom vollendeten 18. Lebensjahr an wehrpflichtig.

Auch wenn es so klingt, als ob die Wehrpflicht weiter bestünde, sollten sich die Adressaten keine Sorgen machen. Sie müssen selbstverständlich nicht zur Armee, die letzten Wehrpflichtigen haben am 1. Januar 2011 ihren Dienst angetreten. „Allerdings gilt das bestehende Wehrpflichtgesetz noch mindestens bis zum 1. Juli, aber es wird kein Mann mehr zwangsweise verpflichtet“, erklärt eine Sprecherin der Wehrbereichsverwaltung Süd.

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Das Erfassungsschreiben wird nur versandt, um die jungen Männer darüber zu informieren, dass das KVR ihre Daten an das Kreiswehrersatzamt weitergeleitet hat. An dem Verfahren wird sich wohl auch mit neuen Wehrpflichtgesetz nichts ändern. Im Gesetzesentwurf ist das Ganze in §58 geregelt. „Wir werden weiterhin die Wehrpflichtigen in der Stadt erfassen und die entsprechenden Daten an das Kreiswehrersatzamt weiterleiten. Was es allerdings künftig nicht mehr geben wird, ist die Einberufung“, erklärt KVR-Sprecherin Daniela Schlegel. Die Behörde habe mit Irritationen gerechnet. Darum gebe es auf der Internetseite der Stadt www.muenchen.de weitere Informationen.

Was allerdings nicht dort steht: Was geschieht beim Kreiswehrersatzamt mit den Daten der jungen Männer? „Das Amt fragt die Betreffenden, ob sie sich vielleicht freiwillig bei der Bundeswehr verpflichten lassen wollen“, erklärt eine Sprecherin der Wehrbereichsverwaltung Süd. Bei Interesse kann er für sechs bis 23 Monate seinen Wehrdienst ableisten. Die Daten derjenigen, die sich nicht auf die Anfrage melden, werden spätestens nach einem Jahr beim Kreiswehrersatzamt gelöscht.

Dazu wird wohl auch Ju-Ho Joung gehören. Er will nach der Schule nicht zur Bundeswehr, sondern lieber ein Studium beginnen.

Tanja Wolff

Rubriklistenbild: © dpa

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