"Es war ein Versehen"

Flüchtlingsbus als "Gauditram"? Was hinter diesem Foto steckt

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Auf dem Bus, der Flüchtlinge zur Erstaufnahmestelle in der Baierbrunner Straße transportiert, steht "Gauditram".

München - Auf einem Foto bei Facebook sieht man einen Bus, der Flüchtlinge zur Erstaufnahmestelle in der Baierbrunner Straße bringt. Oben an der Anzeige steht "Gauditram". Ein schlechter Scherz? Wir haben nachgefragt.

Wenn an diesem Freitagnachmittag das Telefon in seinem Büro klingelt, dann weiß Martin Christoph schon weshalb. Schließlich haben schon die Regierung von Oberbayern, die MVG und sogar Oberbürgermeister Dieter Reiter angerufen und nach einem Foto gefragt, dass derzeit auf Facebook kursiert - und sein Unternehmen in einem schlechten Licht dastehen lässt. "Sie rufen an wegen der Gauditram", sagt Christoph ein wenig leidend. Er ist Betriebsleiter beim Busunternehmen "Autobus Oberbayern".

"Münchner Zustände" heißt die Facebook-Seite, auf der das Foto gepostet wurde, wegen dem sich Christoph seit zwei Tagen ständig erklären muss. Darauf sieht man einen blauen Bus - es ist dasselbe Modell wie ein MVG-Linienbus -, den die Regierung von Oberbayern von "Autobus Oberbayern" für den Transport von Flüchtlingen zur Erstaufnahmestelle in der Baierbrunner Straße gemietet hat. Oberhalb der Windschutzscheibe, wo normalerweise die Buslinie angezeigt wird, steht: "X Gauditram".

Das Foto hat freilich für Empörung gesorgt im Internet, aber auch bei den Behörden. Ein Bus, der traumatisierte Menschen aus Krisenländern herumfährt, da scheint der Schriftzug "Gauditram" mindestens unglücklich. Doch was steckt hinter diesem Foto? Ein schlechter Scherz?

Autobus Oberbayern-Betriebsleiter Christoph: "Das Ganze ist ein Versehen gewesen"

Christoph hat den Bus auf dem Foto bereits inspiziert und den Schriftzug selbst gesehen. Er hat auch den Fahrer zur Rede gestellt, der den Bus gefahren hat und kann die Sache deshalb aufklären: "Das Ganze ist ein Versehen gewesen", erklärt Christoph auf Anfrage unserer Onlineredaktion. Demnach stünde normalerweise "Shuttlebus" an der Stelle. Doch der Busfahrer, der erst seit kurzem für das Busunternehmen arbeite, habe nicht gewusst, wie man das eingibt. Also habe er rumprobiert und sei aus Versehen auf den vorgefertigten Schriftzug "Gauditram" gekommen. "Er wollt das dann löschen. Das sieht man an dem X, das davor steht." Doch der Löschvorgang habe nicht richtig funktioniert.

Der Busfahrer kommt aus Bosnien und hat selbst Krieg erlebt

Christoph nimmt seinen Fahrer in Schutz. "Der Mann kommt aus Bosnien. Er hat in seiner Heimat selbst Krieg erlebt. Er steht in keinem Verdacht, ein rassistisches Motiv gehabt zu haben." Ohnehin würde "Autobus Oberbayern", das insgesamt drei Busse für Flüchtlingstransporte bereit stellt, für diese Linie nur Fahrer einsetzen, die mit Flüchtlingen umgehen können. "Es war ein Fehler. Und das passiert nun einmal", sagt Christoph und fügt an: "Und dafür entlasse ich den Mann sicher nicht."

rat

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