Kein Personal für die Abendstunden

Erfolgskonzept Begleitservice stößt an seine Grenzen

Der Bus- und Bahnbegleitservice in München läuft gut, stößt aber inzwischen an seine Kapazitätsgrenzen. Für die Abendstunden gibt es bislang kein Personal.

München - Der städtische Bus- und Bahnbegleitservice stößt an seine Kapazitätsgrenzen. Dies geht aus einem aktuellen Lagebericht hervor, der am Dienstag dem Stadtrat präsentiert wird. Eine Ausdehnung des Dienstes in die Abendstunden sei derzeit nicht möglich, heißt es. Mit dem Projekt werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Zum einen erhalten mobilitätseingeschränkte Personen Hilfe im Alltag, zum anderen können Langzeitarbeitslose wieder eine sinnvolle Beschäftigung finden.

Betrieben wird der für Kunden kostenlose Service vom Katholischen Männerfürsorgeverein. Das Projekt wird von der Stadt bis zum 31. Dezember 2019 gefördert. Eine Summe von 1,25 Millionen Euro steht dafür zur Verfügung. Derzeit sind 15 Begleiter aktiv, etwa 500 Menschen sind in der Kundenkartei registriert und nehmen den Service wochentags in der Zeit von 8 bis 18 Uhr in Anspruch. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im Jahr 2017 konnten 4706 Begleitfahrten durchgeführt werden, 1260 mehr als noch 2016.

Die Auslastung ist also sehr gut. Viele behinderte Menschen sind froh, wenn sie Unterstützung beim Nutzen öffentlicher Verkehrsmittel erhalten, um zum Arzt zu kommen. Außerdem sind Begleitungen zur Therapie, zu Behördengängen oder zum Sport möglich. Körperbehinderte Kunden stellen laut Wirtschaftsreferat – federführend bei diesem Projekt – nahezu zwei Drittel der Klientel dar. Jede vierte Fahrt wird von blinden beziehungsweise sehbehinderten Personen in Anspruch genommen. Doch mittlerweile, so das Wirtschaftsreferat, seien die Kapazitätsgrenzen erreicht.

Die Aufstockung des Begleiterstamms auf 15 Arbeitskräfte seit Mai 2017 habe zwar viel bewirkt. So könnten 90 bis 95 Prozent der Begleitdienste durchgeführt werden, und demnächst sollen weitere vier Helfer hinzukommen. Aber die geplante Ausdehnung des Service bis 22 Uhr sei nicht möglich gewesen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Laut Wirtschaftsreferat leiden mehr als die Hälfte der aktuellen Begleiter unter gravierenden chronischen Krankheiten. Die körperliche und psychische Belastungsfähigkeit sei eingeschränkt. Viele der vom Jobcenter zugewiesenen Personen hätten auch lange nicht mehr in einem Arbeitsverhältnis gestanden. Und weibliche Begleiterinnen haben nach Auskunft des Wirtschaftsreferats besonders im Winter Angst vor Abenddiensten.

Schließlich wollte die Stadt bei ihrer Suche nach neuen Begleitern bei Studenten fündig werden. Doch auch das klappte nicht. Diese hätten zu hohe Honorare gefordert und auf große zeitliche Flexibilität gepocht. Fazit: Keiner der zehn potenziellen Bewerber konnte übernommen werden. Wolfgang Krönner, Leiter des Bus- und Bahnbegleitservices, räumt ein, die Akquise gestalte sich schwierig. Dennoch betont er: „Wir haben das Ziel nicht aufgegeben, einen abendlichen Dienst anzubieten. Derzeit sind wir dazu aber nicht in der Lage.“

So kann der Begleitservice genutzt werden

Der Begleitservice kann Montag bis Freitag von 9 bis 16 Uhr angefragt werden (Telefon: 089/ 544 91 89 20). Die Anfrage nach einer Begleitung ist auch per E-Mail möglich (zum Beispiel für Hörgeschädigte) an: bbs@kmfv.de. Zum vereinbarten Termin werden die Kunden an ihrer Wohnungstür abgeholt und zu ihrem Fahrtziel gebracht. Aus rechtlichen Gründen können Tätigkeiten wie Einkaufshilfen oder pflegerische Leistungen nicht übernommen werden.

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesen

TU-Warnung kursiert im Netz - Münchner Polizei ermittelt und beruhigt
TU-Warnung kursiert im Netz - Münchner Polizei ermittelt und beruhigt
Die Münchner und ihre Autos: Die Trends in den Stadtteilen 
Die Münchner und ihre Autos: Die Trends in den Stadtteilen 
Schauspieler sicher: „Der Steckdosen-Schatz gehörte meinem Freund“
Schauspieler sicher: „Der Steckdosen-Schatz gehörte meinem Freund“

Kommentare