„Patienten in große Gefahr gebracht“

Busen-Doc geht ins Gefängnis! Drei Jahre Haft für Schönheitschirurg

Verurteilt wegen gefährlicher Körperverletzung: Chirurg Thomas S. (49).
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Thomas S. (49) muss ins Gefängnis.

Er hatte sieben Patienten operiert, obwohl das Gesundheitsamt seine Praxis längst geschlossen hatte. Deshalb schickt das Amtsgericht den Chirurgen Thomas S. (49) nun ins Gefängnis.

München - Im Amtsgericht reagierte Thomas S. gestern ungehalten. „Ein Betrug“ sei sein Prozess gewesen, polterte er. „Verlogen“ nannte er das Urteil von Richterin Susanne Rainer. Sie hatte den bekannten Schönheitschirurgen soeben zu drei Jahren Haft verurteilt, weil er sechs Frauen und einen Mann operierte, obwohl das Gesundheitsamt seine Praxis zuvor geschlossen hatte. 

Gravierende Hygienemängel waren der Grund. Die Regierung von Oberbayern entzog dem Chirurgen im Dezember 2015 deshalb auch seine ärztliche Zulassung. Trotzdem setzte Thomas S. laut Urteil die Arbeit in seiner Bogenhausener Praxis fort – was ihn nun ins Gefängnis bringt.

„Rücksichtslos“

Staatsanwältin Johanna Heidrich sah bei den illegalen Operationen sogar abstrakte Lebensgefahr für die Patienten. Denn neben den nachgewiesenen Hygiene-Mängeln hatte S. ohne begleitenden Anästhesisten operiert. Dazu kommt: Laut Urteil hatte er die Patienten weder ordentlich aufgeklärt noch deren Einwilligung vorschriftsgemäß eingeholt. Der Chirurg hatte das überwiegend und lange Zeit bestritten.

„Durch Ihr selbstherrliches Verhalten haben Sie Patienten in große Gefahr gebracht“, rügte Staatsanwältin Heidrich, die sogar dreieinhalb Jahre Haft beantragt hatte. „Rücksichtslos“ nannte sie das Verhalten des Chirurgen. „Junge Frauen haben sich Ihnen anvertraut und viel Geld bezahlt. Das war Ihnen egal.“

Mehrere Patienten beklagten sich nach den Eingriffen von Thomas S. über Ärzte-Pfusch. Insgesamt 14 Frauen und Männer hatten ihn auch am Landgericht persönlich verklagt, meist ging es um Schmerzensgeld. Eine Münchnerin erlebte nach einer OP den reinsten Horror, wie tz.de 2016 berichtete. Aktuell laufen noch zwei Prozesse an der Arzthaftungskammer. Am Amtsgericht wurde Thomas S. erstmals strafrechtlich belangt – und verlor den Prozess auch hier.

Bereits seit 2005 lag der Chirurg im Streit mit der Stadt, erklärte Verteidigerin Ricarda Lang, die Freispruch für Thomas S. gefordert hatte. Angeblich habe er nichts von einer Unterlassungsanordnung durch das Gesundheitsamt gewusst. „Wer so viele Bescheide und Post bekommt, kann schon mal durcheinanderkommen.“ Sie hatte Thomas S. im Prozess als hochqualifizierten Mediziner dargestellt. Tatsächlich konnte S. in seiner Praxis nicht mal eine medizinische Notfallversorgung gewährleisten und hatte auch keine Haftpflichtversicherung.

„Der Angeklagte ist absolut uneinsichtig“, sagte die Richterin. „Das ist schon wirklich bemerkenswert.“ Thomas S. habe gewusst, dass er nicht operieren durfte und sich einfach darüber hinweggesetzt. Rechtlich gelten die Eingriffe daher als gefährliche Körperverletzung. Gegen Thomas S. verhängte die Richterin auch drei Jahre Berufsverbot.

Damit hat er wohl auch keine Chancen mehr, seine Zulassung wiederzuerlangen. Am Verwaltungsgerichtshof hat er einen entsprechenden Prozess angestrengt.

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Andreas Thieme

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