Gastronomie-Sterben nach der Pandemie

Corona-Lockdown in München: Café-Inhaberinnen greifen zu drastischem Schritt - „Mir platzt gleich der Kragen“

Schreiben gerade so schwarze Zahlen: Inhaberin Helena Hellmann (re.) mit ihrer Schwester Arabella vor dem Café Mucki & Floyd.
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Helena Hellmann (re.) und Schwester ­Arabella im Sommer 2020 vor ihrem Café Mucki & Floyd. Heute ist ihre Verzweiflung groß.

Jedes dritte Wirtshaus in München steht vor dem Aus, weil die versprochenen Hilfen vom Staat häufig noch ausbleiben. Zwei Wirtinnen machten jetzt auf besondere Weise darauf aufmerksam.

München - Genau 24.409 Euro und 61 Cent im Minus. Vor ein paar Monaten haben Helena und Arabella Hellmann all ihren Mut gepackt, ihre Schulden auf eine Schiefertafel geschrieben und auf die Straße gehängt. Die beiden sind Inhaberinnen des Café Mucki & Floyd und wollten mit ihrem drastischen Schritt auf die große Verzweiflung in Münchens Gastroszene aufmerksam machen. Heute ist es noch schlimmer. Seit Monaten warten viele verzweifelte Gastronomen in München auf die versprochenen Corona-Hilfen. Statt orangefarbenem Aperol Spritz gibt‘s rote Zahlen.

Wie viele andere Gastronomen fühlen sich die Hellmanns im Stich gelassen – von der Stadt München und vom Bund. Auf T-Online.de klagen die beiden Inhaberinnen des Café Mucki & Floyd über nur schleppend ausgezahlte Hilfen. Für manche kam es sogar noch dicker, sie hätten bis jetzt noch gar nichts bekommen. Neben den seit Beginn der Corona-Pandemie angehäuften Schulden macht vor allem die Perspektivlosigkeit den beiden Café-Betreiberinnen zu schaffen.

Corona-Lockdown: Café-Inhaberinnen fühlen sich im Stich gelassen

„Heute stellt man sich manchmal die Frage, warum man morgens überhaupt aufsteht, um weiterzuarbeiten“, sagt Arabella Hellmann bei T-Online.de. Der erste Lockdown sei wenigstens zeitlich begrenzt gewesen, heute sei sie nur noch hoffnungslos, erklärt sie. Seit Anfang November ist das Café Mucki & Floyd jetzt geschlossen – zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres.

Als die beiden Schwestern ihr Café vergangenes Jahr wieder aufsperren durften, konnten sie zwar vorübergehend die laufenden Kosten decken, hatten dafür ganz andere Probleme. Sie lebten in ständiger Angst, gegen Corona-Regeln zu verstoßen und deshalb trotz ihrer prekären Lage zur Kasse gebeten zu werden. „Es wirkt so, als würden die Beamten bei jedem kleinsten Verstoß auf der Matte stehen, einem aber nicht helfen wollen“, sagte Helena „Mucki” Hellmann damals zur tz.

Corona-Lockdown: Schulden werden immer mehr - „Mir platzt gleich der Kragen“

Wie drastisch die Lage der Münchner Gastronomen wirklich ist, macht jetzt Münchens Dehoga-Vorsitzender Christian Schottenhammel bei T-Online.de deutlich: Es sei möglich, dass mindestens 30 Prozent der gastronomischen Betriebe die Coronakrise nicht überleben. „Spätestens wenn die gestundeten Mieten, Pachten und Krankenversicherungsbeiträge eingefordert werden, wird es viele treffen“, erklärt er. Für die Gastronomen, aber auch für München und sein Flair wäre das natürlich fatal.

Angela Inselkammer, Dehoga-Präsidentin in Bayern, setzt noch einen drauf: „Mir platzt gleich der Kragen!“ So deutlich machte sie sich vor Kurzem in der ARD bei „Anne Will“ Luft. Sie ist Chefin der Brauerei Ayinger und betreibt in München zwei Wirtshäuser, eins davon am Marienplatz. Ihre Wut und ihre maßlose Enttäuschung hörte zwar ein Millionenpublikum, die Hilferufe aus der Münchner Gastroszene blieben bisher jedoch unbeantwortet.

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