Weniger Sozialwohnungen - mehr Obdachlose

Angriff auf Seehofer: Caritasverband wütend wegen Wohnmarktsituation

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Kampagne für Wohnraum: Caritas-Chef ­Georg Falterbaum fordert eine Reaktion der Politik.

Die Wohnungsmarktsituation in München dramatisiert sich mehr und mehr. Die Zahl der Obdachlosen steigt. Der Caritasverband geht wegen der neuesten Zahlen auf Horst Seehofer los.

München - Er versteht sich als Anwalt der Armen, als Stifter von Solidarität: Der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising setzt sich für soziales Miteinander ein. Dafür, dass jeder Mensch einen Platz in der Gesellschaft findet. Eng wird’s momentan allerdings auf dem Wohnungsmarkt - besonders bei uns in München.

Während die Einwohnerzahl in der Landeshauptstadt stetig steigt, „wird seit Jahren viel zu wenig gebaut“, mahnt Caritas-Direktor Georg Falterbaum. Nur etwa ein Drittel der benötigten Wohnungen werde auch tatsächlich fertiggestellt. Die prozentual größte Lücke klafft bei den Sozialwohnungen. Denn: Gab es 1990 noch 112.000 Sozialwohnungen in der Stadt, waren es 2016 nur noch 40.871 - ein Minus von 64 Prozent.

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Prozentual weniger Sozialwohnungen als in Berlin oder Hamburg

Falterbaum nennt diese Entwicklung „ein Musterbeispiel für den Rückzug des Staates aus seiner Verantwortung“. Hinzu komme, dass die Landeshauptstadt im Vergleich mit anderen deutschen Großstädten sehr schlecht abschneidet: Pro 1000 Einwohner verfügt München derzeit lediglich über 28 Sozialwohnungen. In Berlin seien es 33, in Hamburg 45.

Mit der Bevölkerung steigt auch die Zahl der Obdachlosen - „ganz automatisch.“ In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Betroffenen jedoch verdreifacht, von 2822 auf knapp 9000. „Wir würden es sehr begrüßen“, so Falterbaum, „wenn Bundesinnenminister Horst Seehofer wenigstens hin und wieder von seinem Leib- und Magenthema ließe und sich stattdessen seinem anderen Aufgabenbereich, dem Bauministerium, zuwenden würde.“

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sb

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