Lange Wartezeiten bei Bürgerbüros

KVR-Chaos: Ihr rennen die Münchner jetzt den Kiosk ein

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Monika Kufner in ihrem Kiosk gleich beim KVR.

München - Lange Wartezeiten und IT-Panne: Beim KVR herrscht Chaos. Stundenlang warten heißt es bei den Bürgerbüros - viele entnervte Kunden kommen in den Kiosk von Monika Kufner.

Seit Wochen geht es im KVR in der Ruppertstraße drunter und drüber. Ständige EDV-Probleme und chronische Unterbesetzungführen zu endlos langen Schlangen  - und lassen den kleinen Laden von Monika Kufner brummen.

Der ist nämlich genau auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Klar: Es sind einfach viele Leute da - und sie sind lang da. Die Wartenummern-Ausgaben schließen (wie am Freitag) zum Teil schon um 10.30 Uhr.

Wer Glück hat, und überhaupt noch eine Nummer ergattert, muss oft mehr als 150 anderen Kunden den Vortritt lassen.

Mehrere Stunden Wartezeit sind keine Seltenheit. Um sich die Zeit erträglicher zu gestalten, wechseln viele genervte Kunden die Straßenseite und statten Monika Kufners Laden einen Besuch ab.

Die gelernte Anwaltsgehilfin führt den kleinen Laden schon seit zehn Jahren. „Größer als in den letzten Wochen, war der Stress noch nie“, sagt die 56-Jährige.

Nebenbei kopiert sie unzählige Anträge und Pässe zweier junger Polen, verkauft einer gestressten Engländerin Zigaretten und berät eine Iranerin beim Kauf einer SIM-Karte. Alles im Akkord und auf Englisch.

Eine Hilfe einzustellen, rentiert sich aber nicht: „Der Laden ist klein, da würden wir uns nur auf den Füßen stehen und es würde nicht schneller gehen.“ Trotz aller Hektik strahlt Kufner Ruhe aus.

Angesprochen darauf, wie sie den Stress aushält, erzählt sie mit einem Schmunzeln: „Ganz ehrlich, so war ich nicht immer. Wenn früher angespannte Kunden hereingekommen sind und patzig waren, habe ich die schon mal freundlich darauf hingewiesen, wo die Tür ist.“

Heute empfiehlt sie lieber mal „einen Schnaps oder ein Zigaretterl“. Vom Chaos im KVR profitiert Kufner: Sie hat deutlich mehr Kunden - und auch mehr in der Kasse. Wie viel genau, das kann sie noch nicht sagen.

Andererseits bringt ihr das Chaos aber auch vor allem eins: viel Stress. Der Job macht ihr sichtlich Spaß, wird aber von Jahr zu Jahr anstrengender.

Und deswegen sperrt Kufner ab 24. August für drei Wochen zu und macht Urlaub an der Nordsee: „Dann bin ich ganz froh, wenn ich keinen, vor allem aber nicht das KVR sehen muss.“

Und wann wird es besser?

IT-Totalausfall: Alle Bügerbüros der Stadt waren am Mittwoch dicht. Betroffen von der Panne: Rund 2500 Münchner, die etwa einen neuen Pass gebraucht hätten.

Die nächsten Tage war der Ausfall zwar behoben. Doch Entspannung: Fehlanzeige! Denn die Münchner mussten bei den Bürgerbüros immer noch - oft stundenlang - warten.

Weil der Andrang derzeit so groß ist, hatten die Bürgerbüros zuletzt schon an Dienstagnachmittagen „aufgrund von Überfüllung“ geschlossen, so das KVR.

Wartenummern-Ausgaben machen derzeit vorzeitig zu, weil das Personal nicht ausreicht. Deswegen hat der Stadtrat vor zwei Wochen 70 neue Stellen genehmigt.

Doch: Es dürfte noch bis zum Frühjahr dauern, bis die neuen Mitarbeiter einsatzbereit sind. KVR-Sprecherin Daniela Schlegel. „Die Kollegen müssen jetzt gefunden und eingelernt werden.“

Severin Schötz/wei

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