Charles Schumann: Meine Zukunftspläne

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Charles Schumann

München - Nach einer rauschenden Jubiläumsfeier in "Schumann's Bar" hat Gastro-Ikone Charles Schumann sich zu seinen Zukunftsplänen geäußert.

Der Mann hat Disziplin, keine Frage. Wenige Stunden, nachdem er die letzten Gäste am frühen Dienstagmorgen aus seiner Tagesbar verabschiedet hat, steht Charles Schumann wie aus dem Ei gepellt wieder in der Bar, die in der Nacht zuvor mit einer rauschenden Party das zehnjährige Bestehen feierte. „Es war eines der schönsten Feste, auf denen ich war“, sagt Schumann, „weil alles gepasst hat: keine Aggression, das Wetter hat mitgespielt, die richtige Mischung aus Jung und Alt – das ist schon eine Kunst.“

Eine Kunst , an der der Gastronom seit 30 Jahren feilt. „Früher, in der Bar an der Maximilianstraße, sagte ich immer, wenn nur an einem Tag in der Woche die Mischung an Gästen stimmt, ist das großartig.“ Montagabend ist ihm das Stück gelungen. Es war eine Art Münchner Theater , mit der Maffeistraße als Kulisse. Mit kunstvoller Beleuchtung durch die untergehende Sonne, mit fantastischen (Selbst-)Darstellern und wiederkehrendem Suspense, wenn die Trambahn sich alle zehn Minuten an den zur Seite springenden Festgästen vor dem Lokal vorbeischob.

Viele Stammgäste aus drei Dekaden Schumann’s Bar waren dabei, darunter der Maler Max Seiz, Wirtin Birgit Netzle (Asam-Schlössl), Film-Produzent Thomas Friedl (UFA Cinema), der bei Schumann seine Hochzeit feierte. Auch Innegrit Volkhardt, Chefin des Hotels Bayerischer Hof schaute zum Gratulieren vorbei. Und verriet: „Was den Charles außergewöhnlich macht, ist, dass er sich und seinen Freunden stets treu bleibt.“ Und das bald 70 Jahre lang. Seinen eigenen runden Geburtstag im September will Schumann allerdings nicht feiern. „Da setze ich mich ins Auto und fahre zwei Wochen in den Süden.“

Schumann ist begeisterter Surfer und hat oft damit kokettiert, „den Krempel“ in München hinzuwerfen und ein Hotel am Meer zu eröffnen. „Den Traum hatten einige von uns, aber irgendwie hat uns das hier nicht losgelassen.“ Kürzertreten kann er aber auch nicht, denn: „Wie ich das Geschäft betreibe, ist sicher nicht richtig, aber ich kann’s nicht anders als mit hundert Prozent Einsatz.“ Wie lange er das noch machen will? „Weiß ich doch jetzt noch nicht. Aber wenn ich merke, dass die Kräfte nachlassen, werde ich kein Problem damit haben, aufzuhören.“ Sein Sohn Marvin (24) der in der Nacht zuvor in der Tagesbar als DJ auflegte, kommt als Nachfolger eher nicht infrage. „Sein Ding ist Musik und Schreiben, und das ist auch okay“, sagt der Vater. „Es muss nicht jeder Schumann 16 Stunden am Tag hier stehen.“ Was aber nicht heißt, dass Charles Schumann seinen Berufsweg bereut, schon gar nicht seine Model-Karriere für Hugo Boss und Baldessarini. „Das war wichtig, weil wir damit einer der wenigen Gastro-Betriebe sind, die ohne eigenes Werbebudget auskommen.“ Und grinsend fügt er hinzu: „Ich bin das älteste Auslauf-Model.“

Thomas Oßwald

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