Debatte über Erinnerungskultur

Stolpersteine: Kontroverse Positionen bei Anhörung

München - Stolpersteine zum Gedenken an NS-Opfer sind in München verboten. Darüber streitet die Stadt jetzt erneut. Bei einer Anhörung im Stadtrat gab es gegensätzliche Positionen.

München ringt um den richtigen Umgang mit „Stolpersteinen“. "Stolpersteine" sind kleine, in den Boden eingelassene Gedenktafeln, die an den letzten Wohnort von Opfern des Nationalsozialismus erinnern sollen.

Bislang gibt es in München 27 „Stolpersteine“ - allerdings auf privaten Grundstücken. Zum Vergleich: Berlin hat rund 6.000. Auf öffentlichen Grundstücken dürfen die Steine in München nicht verlegt werden. Auch im direkten Umfeld der Landeshauptstadt - zum Beispiel in Dachau und Bad Tölz - ist das anders.

Diese Regelung steht jetzt zur Diskussion. In einer öffentlichen Anhörung ließ der Stadtrat am Freitag Befürworter und Gegner des Erinnerungsprojektes zu Wort kommen.

 „Erinnerung ist eine Herausforderung, die wir annehmen müssen“ sagte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). Den Wunsch, sich der Erinnerung zu stellen, habe jeder in der Stadt. Die Frage sei nur, wie. In anderen Städten seien die „Stolpersteine“ eine „gängige Praxis der Erinnerung“.

Kontroverse Positionen

Bei der Debatte zeigte sich, dass bei der Frage, wie eine würdige Erinnerungskultur in München aussieht soll, die Meinungen stark auseinander gehen.

„Jeder Stein macht uns klar, wie verletzbar unsere Zivilisation ist“, sagte Terry Swartzberg von der Initiative „Stolpersteine für München“.

 Auch der Holocaust-Überlebende Ernst Grube von der Lagergemeinschaft Dachau sprach sich bei der Anhörung dafür aus, dass „Stolpersteine“ auf öffentlichem Grund verlegt werden. „Nichts erinnert an die damaligen jüdischen Bewohner“, sagte Grube über die Situation in München. „Die „Stolpersteine“ sind eine Möglichkeit, dieses Vergessen aufzubrechen.“ Die Steine, „so klein sie sind“, bringen seiner Ansicht nach Informationen und Denkanstöße. „Dass unübersehbar wird, was geschehen ist und nie wieder geschehen darf.“

Klar gegen das Projekt hatte sich bereits im Voraus die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde von München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, aus gesprochen. Zur Anhörung selbst ist sie nicht gekommen.  Die Namen der Opfer auf den „Stolpersteinen“ würden „zwangsläufig wieder mit Füßen getreten“, ließ sie sich zitieren. „Auf dem Boden sind die Opfer wieder schutzlos - wie einst.“

Verbot der Stolpersteine ist weiterhin gültig

Bislang ist der Münchner Stadtratsbeschluss von 2004, der Stolpersteine verbietet, weiter gültig. Eine erneute Abstimmung über das Thema ist bis jetzt nicht vorgesehen. Möglich ist aber, dass eine der Fraktionen einen Antrag stellt, noch einmal neu über den Umgang mit den „Stolpersteinen“ zu entscheiden.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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