Gefeuert! Da wollte er die Chefin töten

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Messerstecher Thomas S.: „Fühlte mich erniedrigt“.

München - Ein 35-jähriger Mann hat am Montag vor dem Münchner Schwurgericht zugegeben, seine Chefin nach einer Abmahnung “aus Hass“ niedergestochen zu haben.

„Ich kann nicht schneller arbeiten!“, tobte Thomas S. (35). Er war am 19. April 2010 in einem Event-Zelt auf der Baumaschinen-Messe Bauma als Spüler eingesetzt. Es herrschte Stoßzeit, seine volle Leistung war gefordert. Er aber stritt sich lieber lautstark mit seinen Kollegen. Schließlich sah seine Chefin Bettina K. (56) nach dem Rechten. Thomas S. zeigte sich nicht einsichtig, schrie weiter herum. Als sie ihn deshalb feuerte, tickte er völlig aus: Er schnappte sich ein Küchenmesser und stürzte sich damit auf die Frau.

„Ich fühlte mich erniedrig“, sagt der Angeklagte vor dem Schwurgericht, wo er sich wegen versuchten Mordes verantworten muss. Er gibt zu, dass er mit dem Messer auf Bettina K. losging, aber: „Das habe ich im Affekt gemacht.“ Er habe sie zu Boden gestoßen. „Die erste Schnittwunde habe ich ihr am Hinterkopf verpasst.“ Schnitte? Richter Michael Höhne: „War es nicht eher so, dass Sie mit Wucht auf Ihr Opfer eingestochen haben?“ „Ja“, räumt der Angeklagte ein, „es war schon eine Wucht da.“

Nachdem der Täter mindestens drei Stiche gesetzt hatte, konnten Zeugen den Messerstecher von seinem Opfer wegzerren. „Ohne das Eingreifen der Zeugen hätte er dies bis zum sicheren Tod der Geschädigten getan“, stellt Staatsanwältin Elisabeth Ehrl in der Anklage fest.

Die Stichwunden an Nacken, Gesicht und Händen seien weitgehend verheilt, sagt Rechtsanwalt Berthold Braunger, der Bettina K. als Nebenkläger vor Gericht vertritt. „Aber sie hat noch schwer mit dem Vorfall zu kämpfen. Sie ist nach wie vor in psychologischer Behandlung.“

Und wie tickt der Angeklagte? Er leidet nach Ansicht von Experten unter einer hebephrenen Schizophrenie. Dabei ist er ein intelligenter Mensch, der ein ordentliches Abitur hingelegt hat. Er ist ausgebildeter Fremdsprachenkorrespondent und Kommunikationswirt. Aber beruflich hatte er immer Probleme, egal ob er auf Kreuzfahrtschiffen anheuerte, bei einer Werbefirma in Kapstadt oder bei einem Kosmetik-Unternehmen in Spanien arbeitete. Es gab ständig Ärger, immer wieder wurde er gewalttätig. Thomas S. wird vermutlich in der Psychiatrie eingesperrt, denn er gilt als Gefahr für die Allgemeinheit. Der Prozess geht weiter.

Eberhard Unfried

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