Mit China-OP: Ärzte heilen Katharina (7)

+
Menschliche Medizin: Professor Rüdiger Lange (links) und Privatdozent Dr. Christian Schreiber lassen ihre kleine Patientin Katharina (7) hochleben, weil sie die Behandlung am Deutschen Herzzentrum so tapfer durchgestanden hat

München - Eine spektakuläre Medizin-Premiere in München macht Hoffnung für herzkranke Patienten: Im Deutschen Herzzentrum haben Chirurgen jetzt erstmals eine spezielle Operationsmethode angewandt, die von chinesischen Ärzten entwickelt worden ist.

In China ist deutsches Knowhow heiß begehrt, wir liefern Autos, moderne Maschinen und innovative Technologien an das 1,3-Milliarden-Volk. Neuerdings läuft der Wissenstransfer aber auch in die entgegengesetzte Richtung, das zeigt ein aktuelles Beispiel aus dem Bereich der Spitzenmedizin: Im Deutschen Herzzentrum haben die Chirurgen jetzt erstmals eine spezielle Operationsmethode angewandt, die von chinesischen Ärzten entwickelt worden ist. Damit konnte das Münchner Ärzte-Team um den stellvertretenden Klinikdirektor Privatdozent Dr. Christian Schreiber einem schwerkranken Mädchen aus Drachselsried in Niederbayern helfen.

Die spektakuläre Premiere macht zugleich vielen Patienten mit angeborenen Herzfehlern Mut. Katharina war zwei Jahre alt, als die Kardiologen eine Schock-Diagnose stellten: Ventrikelseptumdefekt (VSD), Aus dem Fachchinesisch übersetzt bedeutet das: Löcher zwischen den Herzkammern. Sie gehören zu den häufigsten angeborenen Herzfehlern und können zu schlimmen Komplikationen führen. Den alleinerziehenden Vater Georg Dangl (45) quälte die Sorge um seinen Sonnenschein beinahe Tag und Nacht: „Die Angst um Katharina war grausam.“

Nach einem jahrelangen Ärzte-Marathon ist das tapfere Mädchen jetzt endlich die Gefahr los – und ihr Papa den Albtraum: „Ich bin so glücklich, dass ihr noch größere Schmerzen erspart geblieben sind.“ Ohne die China-Methode hätten die Ärzte Katharina nach „Goldstandard“ operieren müssen. Darunter versteht man eine strapaziöse Operation am offenen Herzen, das Mädchen hätte an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werden müssen. Mit der neuen Technik aus dem Reich der Mitte konnte Chirurg Schreiber die inzwischen Siebenjährige viel schonender operieren – es war nur ein recht kleiner Schnitt am Brustkorb nötig (siehe Artikel unten). Um die OP-Methode zu erlernen, war Schreiber mehrfach nach China gereist, hatte Kollegen in Peking und Shanghai über die Schulter geschaut. „Dort sind bereits etwa 2000 Patienten auf diese Art operiert worden. Wir haben das Verfahren jetzt erstmals außerhalb Chinas angewandt“, berichtet Schreiber. Mit Erfolg, wie auch die kleine Patientin bestätigt: „Mir geht es super.“

Andreas Beez

So funktioniert die OP

In der tz erklärt Dr. Christian Schreiber , wie die China-Methode funktioniert – und warum viele VSD-Patienten von diesem gewaltigen medizinischen Fortschritt so stark profitieren können. Der Top-Chirurg zur tz: „Dieses Verfahren ist sehr schonend, weil dabei nur ein kleiner Schnitt am unteren Brustkorb erforderlich ist. Wir können außerdem darauf verzichten, den Patienten an die Herz-Lungen-Maschine anzuschließen.

So wirkt der Eingriff weniger traumatisch – das bedeutet: Der Patient erholt sich in der Regel schneller als nach einer OP mit der herkömmlichen Methode. Er darf auch schneller wieder nach Hause.“ Bei dem Eingriff verwenden die Operateure einen speziellen Draht. Damit schieben sie eine Art geschlossenen Schirm ins schlagende Herz – der Vorgang wird mit dem Ultraschallgerät genauestens kontrolliert. Sobald sich der Schirm in der richtigen Position befindet, entfalten ihn die Chirurgen mit präzisen Handgriffen.Der geöffnete Schirm verschließt die Löcher zwischen den Herzkammern. Nachdem der Mini-Schirm aufgespannt ist, wird seine Lage noch einmal akrbisch überprüft.

Auch interessant

Kommentare