Mehr Geld für alle bei BMW

München - Der BMW-Erfolg lässt nicht nur bei den glorreichen Sieben aus der Vorstandsetage die Kasse klingeln, sondern auch bei ihrem Indianern: Heuer gibt’s mehr Geld für alle!

Gut, dass die BMW-Chefs so PS-starke Autos fahren, denn momentan können sie vor Kraft kaum laufen. Voller Stolz präsentierte der Vorstand der weißblauen Aktiengesellschaft am Dienstag die Bilanz fürs Geschäftsjahr 2011 – es geht als das erfolgreichste in die Unternehmensgeschichte ein. Und eins strich Konzernchef Dr. Norbert Reithofer vor Journalisten aus 26 Ländern immer wieder heraus: BMW will die Überholspur auf Dauer pachten: „Wir streben 2012 neue Bestmarken beim Absatz und beim Ergebnis vor Steuern an.“

Was für die Konkurrenz ambitioniert, vielleicht sogar etwas arrogant klingt, beschert den BMW-Mitarbeitern zusätzliche Motivation: Denn der Erfolg lässt nicht nur bei den glorreichen Sieben aus der Vorstandsetage die Kasse klingeln, sondern auch bei ihrem Indianern: Heuer gibt’s mehr Geld für alle!

Reithofer: „Alle festangestellten Mitarbeiter am Standort Deutschland erhalten für 2011 eine Erfolgsbeteiligung, die über dem Höchstwert von 2010 liegt.“ Wie viel genau BMW heuer locker macht, ließ sich der VorstandsChef am Dienstag nicht entlocken. Schließlich wollte er seinem Arbeitsdirektor nicht den Auftritt als Weihnachtsmann vermasseln. Der ist für heute anberaumt: In Betriebsversammlungen wird Harald Krüger die BMWler über die Höhe ihres noch besseren Bonus’ informieren.

Die Mitarbeiter können sich schon mal die Hände reiben. 2010 bekamen sie im Durchschnitt rund 5840 Euro – statistisch gesehen fast 1,6 Monatsgehälter. Die Sonderleistung ist freilich nicht immer garantiert. So hatte es 2009 keinen Bonus gegeben.

Das Prämiensystem ist nach verschiedenen Lohngruppen gestaffelt. Einzelheiten dazu teilte BMW am Dienstag nicht mit.

Bekannt ist dagegen, dass die BMWler ohnehin gut verdienen. Ihr Arbeitgeber überweist Urlaubs- und Weihnachtsgeld, das jeweils etwa im Bereich eines Monatslohns liegt. Rechnet man den Bonus dazu, zahlt BMW praktisch sogar mehr als 15 Monatsgehälter.

Neben dem materiellen Zuckerl gab’s vom Oberboss auch Streicheleinheiten für die Seele. Reithofer: „Unseren Erfolg im Geschäftsjahr 2011 verdanken wir dem Leistungswillen unserer Mitarbeiter!“

Inzwischen stehen bei BMW weltweit erstmals über 100 000 Menschen in Lohn und Brot. In diesem Jahr sollen weitere 4000 dazukommen.

Von der glänzenden Bilanz profitieren auch die Aktionäre. Der Vorstand will 2,30 Euro pro Stammaktie und 2,32 pro Vorzugsaktie ausschütten. „Das ist die höchste Dividende, die wir je gezahlt haben“, erklärte Reithofer. BMW-Papiere wirken also attraktiv – insbesondere für Anleger, die auf unternehmerische Verantwortung in der Heimat Wert legen. „Deutschland bleibt das Rückgrat unserer Produktion“, versicherte Reithofer. „Wir verlagern keine Arbeitsplätze ins Ausland. 2011 und 2012 investieren wir zwei Milliarden Euro in unsere deutschen Werke.“

Von der Finanzspritze hat der Heimatstandort einen ordentlichen Schuss abbekommen. Allein ins Münchner Stammwerk pumpte BMW seit 2009 rund 400 Millionen Euro, etwa in eine Großpresse und in den Karosseriebau. Hier laufen die Autos der 3er-Reihe vom Band: „Am Standort arbeiten circa 9000 Menschen, darunter 700 Azubis“, berichtet Julian Friedrich, BMW-Sprecher fürs Werk München.

Sie sollen in diesem Jahr mindestens 200 000 3er-Karossen bauen. Noch ein ambitioniertes Ziel – aber die BMWler glauben dran, schließlich hatten sie 2007 schon mal 207 000 Autos geschafft. Friedrich: „Wir gehen davon aus, dass wir die 200 000er Marke heuer wieder knacken werden.“

Andreas Beez

BMW wird 100: Der Vollgas-Plan fürs Jubiläum

BMW rüstet sich bereits für die nächste Jubelfeier: 2016 wird der bayerische Weltkonzern 100 Jahre alt. „Für unser Unternehmen ein historischer Meilenstein“, bestätigte Vorstandschef Dr. Norbert Reithofer. Und damit es sich zum Jubiläum in Glanz und Gloria präsentieren kann, haben die Bosse einen ehrgeizigen Vollgas-Plan vorgegeben: 2016 will BMW weltweit zwei Millionen Fahrzeuge absetzen – also noch einmal 600 000 mehr als im vergangenen Rekord-Jahr 2011.

Das könne nur gelingen, wenn BMW auch in Zukunft attraktive Premium-Modelle anbiete. Dazu investiert das Unternehmen kräftig in Forschung und Entwicklung: „2011 haben wir dafür 3,6 Milliarden Euro aufgewandt“, rechnete Finanz-Vorstand Dr. Friedrich Eichiner vor.

Im Kampf um die Käufer will sich BMW nicht nur auf die Wachstumsmärkte in Asien und Amerika konzentieren. „Wir wollen eine ausgewogene Weltverteilung, dass macht uns krisensicherer“, sagte Reithofer.

In Europa konnte BMW 2011 immerhin 858 000 Autos an den Fahrer bringen – ein Plus von 8,5 Prozent. 285 000 verkauften die Münchner in Deutschland.

Allerdings haben sich die weitaus attraktiveren Wachstumsraten 2011 erneut in der Ferne herauskristallisiert: nämlich in China, wo BMW im letzten Jahr ein Absatzplus von fast 38 Prozent auf 233 000 Karossen verzeichnete. Auch in Nordamerika machte BMW gute Geschäfte, legte 14,4 Prozent zu und verkaufte damit rund 341 000 Fahrzeuge.

Auch andere hoffnungsvolle Märkte will BMW demnächst verstärkt beackern. Reithofer nannte am Dienstag bei der Bilanzpressekonferenz unter anderem Indien, Südafrika, die Türkei, Südkorea, Russland und Brasilien. In dem südamerikanischen Land sucht BMW seit geraumer Zeit einen Standort für ein Werk: „Wir führen intensive Verhandlungen mit der Regierung, die aber noch nicht ab­geschlossen sind“, berichtete Produktionsvorstand Frank-Peter Arndt. Auch in Russland habe man bereits vorbereitende Gespräche über einen BMW-Standort geführt, unter anderem mit Präsident Wladimir Putin.

Das Fazit von BMW-Boss Reithofer: „Wir verfolgen weiterhin unsere Strategie, langfristig und global zu denken und zu handeln.“

Andreas Beez

Rubriklistenbild: © dapd

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