Orienthelfer reist wieder in den Libanon

Springers Hilferuf aus dem Krisengebiet

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Seit 2012 hilft Christian Springer den syrischen Flüchtenden.

Die Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien scheinen Europa zu überfordern. Kabarettist Christian „Fonsi“ Springer weiß genau, wie es in den Flüchtlingslagern aussieht, er versucht im Libanon die Not zu lindern. Springer erklärt, wieso wir uns der Hilfe für die Menschen aus den Kriegsgebieten nicht verschließen dürfen.

Die Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien scheinen Europa zu überfordern. Die Menschen brechen derzeit in ihren Flüchtlingslagern rund um Syrien auf. Kabarettist Christian „Fonsi“ Springer weiß genau, wie es in diesen Lagern aussieht, er versucht im Libanon die Not zu lindern. Springer erklärt, wieso wir uns der Hilfe für die Menschen aus den Kriegsgebieten nicht verschließen dürfen.

Servus Herr Springer, wann waren Sie das letzte mal bei den Syrien-Flüchtlingen im Libanon?

Christian Springer: Ich kam Sonntag vergangener Woche zurück und fliege in fünf Tagen wieder hin. Die Lage ist dramatisch. Pro Flüchtling zahlt die UNO derzeit Essens-Gutscheine im Wert von 13,50 US-Dollar im Monat, und das bei Preisniveau wie bei uns. Die Menschen müssen aber 50 bis 100 US-Dollar Miete für ihre Behausungen bezahlen, denn selbst für die gespendeten Zelte kassieren die Landlords Miete für das Grundstück. Woher sollen sie das Geld nehmen, die Menschen dürfen als Ausländer ja nicht arbeiten.

Es würde ja nicht verwundern, wenn all diese Menschen jetzt versuchen, nach Deutschland aufzubrechen.

Springer: Ich kenne sehr, sehr viele Menschen dort, 99,9 Prozent von ihnen möchten wieder in ihre Heimat zurück und sie wieder aufbauen, selbst wenn dort alles zerstört ist. Und die meisten könne sich die Reise nach Deutschland gar nicht leisten.

Aber es sind doch Hunderttausende auf dem Weg nach Deutschland...

Springer: Ja, da stimmt, das sind dann aber trotzdem höchstens drei Prozent der Menschen, die aus Syrien geflohen sind.

Müssten sich Europa nicht mehr engagieren, um in den Nachbarländern Syriens zu helfen, wo Millionen von Flüchtlingen unter erbärmlichen Zuständen hausen?

Springer: Wenn man sich überlegt, wie viel Geld Europa für die Sicherung seiner Grenzen vor Flüchtlingen ausgibt und weiß, dass die Flüchtenden in den vergangenen Jahren 40 Milliarden Euro für Schlepper bezahlt haben, um diese Kontrollen zu umgehen, kann man sich ausmalen, was man mit dem Geld vor Ort an Hilfe hätte anbieten können, um die Verhältnisse so zu gestalten, das die Menschen dorrt bleiben können.

Wie sieht es mit der Hilfe der arabischen Nachbarn aus?

Springer: Tatsächlich engagiert sich Saudi-Arabien enorm mit dem Bau von Schulen, die Saudis haben im Grenzgebet zu Syrien im Libanon schon 45 solche Schulen errichtet. Sie könne sich vorstellen, was dort für eine Art von Islam gelehrt wird. Die Syrer sind im allgemeinen bislang tolerante, weltoffene Muslime. Und auch der IS in Syrien gibt sich sozial und verteilt in Syrien Brot und Lebensmittel. Wenn wir nicht helfen, das tun das andere. Und was das für Folgen haben könnte, brauche ich nicht weiter auszumalen.

Und wer hilft den Ländern am Balkan, die die Flüchtenden passieren?

Springer: Die Bilder aus Ungarn sind schrecklich. Die EU muss diesen Staaten auf die Finger klopfen, was die Menschenrechte betrifft. Sie muss die Staaten aber auch bei der Versorgung der Flüchtlinge unterstützen. Diese Staaten drohen in den Rechtsextremismus abzudriften.

Was sagen Sie zu der Wiedereinführung unserer Grenzkontrollen?

Springer: Da sind jetzt Tausende Polizisten im Einsatz, diese Menschen hätten woanders helfen können. Und ich war selbst am Hauptbahnhof und habe gesehen: Die Behörden und die Freiwilligen Helfer hatten es gut im Griff, die Menschen zu versorgen.

Die Staatsregierung argumentiert ja damit, dass die Flüchtlinge uns viel Geld kosten.

Springer: 2014 hat die gesamte Flüchtlingskrise jeden bayerischen Bürger 2,60 Euro im Monat gekostet, das ist weniger, als man für einen Big Mac ausgibt. Wen Bayern deswegen jetzt untergeht, hat die Regierung etwas falsch gemacht und sollte ausgewechselt werden.

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