tz-Interview

Stückl: "Da muss man einen Biologen fragen..."

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Volkstheater-Intendant Christian Stückl.

München - Im Interview mit der "tz" spricht Volkstheater-Intendant Christian Stückl über seinen neuen „Sommernachtstraum“

Der Inhalt von Shakespeares Sommernachtstraum würde die Seite sprengen. Unser Volkstheater-Intendant Christian Stückl versucht’s auch nicht. Auch wenn er den Stoff in- und auswendig kennt. „Momentan“, sagt er, „lebe ich das Stück. Da bleibt kein Raum für anderes.“ Kein Wunder: Morgen hat das Stück mit der Musik Henry Purcells im Passionstheater Oberammergau Premiere. Stückl, Chef der Passionsspiele, hat inszeniert und schlüpft jetzt, weil ein Darsteller ausgefallen ist, selbst in die Rolle des Elfenkönigs Oberon. Ein Gespräch über Liebe und Esel.

Herr Stückl, im Internet schrieb ein junger Mensch: „Ich habe den Sommernachtstraum gelesen und verstehe nichts. Wer kann mir helfen?“ – Geantwortet hat kein Einziger …

Christian Stückl: Das ging mir mit 18 auch nicht anders. Ich dachte mir nur: Wie hat sich das Dingl bloß so lange gehalten?! Ich habe das Stück dann etwas später kapiert, als ich auf einem Faschingsball einen Bekannten hinter einer Maske erkannt habe. Ich dachte mir: Mensch, der ist doch verheiratet – der hat doch mit seiner Begleiterin überhaupt nix zu tun!

Der Mensch muss seine wahren Gefühle verstecken?

Stückl: Das geht schon bei der Hochzeitsszene los. Man spürt: Nach außen heiratet das Paar, aber nach innen stimmt’s nicht. Später dann die unglaublichen Verwicklungen, kurz: Das ist alles eine Riesen-Beziehungskiste mit Neid, Eifersucht, Zauberkräften – vielleicht auch Drogen –, die machen, dass man sich in einen Esel verliebt.

Ist das nicht immer so?

Stückl: Das kann schon passieren, dass man in der Früh aufwacht und sich fragt: Öha, wo bin ich denn da eingeschlafen? Grundsätzlich kann es sein, dass man sich immer wieder in die gleichen Esel – in das gleiche Muster – verliebt.

Ist der Mensch also nicht wirklich lernfähig?

Stückl: Das hat leider mit Lernfähigkeit nichts zu tun. Wie und warum diese Schmetterlinge im Bauch grad wieder losfliegen – ich muss grad lachen …

Warum?

Stückl: Weil ich derzeit gerade wieder mitkriege, wie einen 80-Jährigen Amors Pfeil trifft …

Passiert das grundsätzlich häufiger Männern als Frauen so, dass sie sich in jüngere Menschen verlieben?

Stückl: Prozentual vielleicht etwas mehr, aber es gibt auf der Welt alles.

Die Nacht ist im „Sommernachtstraum“ äußerst wichtig. Weil sich’s im Dunkeln besser Munkeln lässt?

Stückl: Die Nacht ist einfach etwas anderes. Am Abend zieht man sich anders an, geht weg, zieht durch Kneipen. Da treibt den Menschen irgend etwas an.

Und was?

Stückl: Das muss man einen Biologen fragen, was da mit den Hormonen los ist …

Geht der Sommernachtstraum mit jungen Schauspielern leichter?

Stückl: Shakespeare hat das ja für junge Schauspieler geschrieben – gut, bei mir gibt es in der Inszenierung auch ein paar mittelalterliche, aber das ist in Ordnung. Gefeit ist niemand.

Ist der Schluss ein Happy-End oder todtraurig?

Stückl: Ich finde ihn nicht todtraurig. Wir verlieben uns nunmal dämlich, wir verlieben uns verquer. Shakespeare macht normalerweise auch keine richtigen Stück-Schlüsse. Essenz: Morgen geht’s wieder von vorne los. So wie bei Ein Mops kam in die Küche. Wir mögen heiraten, aber dann geht’s doch wieder quer naus.

Kann man ein ganzes Leben lang als Paar glücklich sein?

Stückl: Ich kenne Paare, die Jahrzehnte zusammen sind und sich immer noch gern haben. Aber das ist Arbeit. Das, was man beim Verlieben als junger Mensch fühlt, hat keine Haltbarkeit fürs ganze Leben.

Ist also das Stück nicht für junge Leute deprimierend?

Stückl: Warum? Mit 14 hat man Schmetterlinge im Bauch, wenn man sich in ein Madl verliebt. Aber das andere, denkt man sich, ist auch ganz schön. Die Verwirrung ist allerdings wohl größer als im Alter.

Warum Shakespeare?

Stückl: Weil er die unglaubliche Gabe hatte, Menschen genau zu beobachten. Er sagt: Der Mensch denkt immer, dass er alles im Griff hat – aber wir haben nichts im Griff.

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Interview: Matthias Bieber

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