Diese Eindrücke gewann der OB in der Olympiastadt –auch für Olympia in München

Christian Ude erzählt: „So war‘s in Peking“

Michael Vesper zeigte OB Ude das Olympiadorf in Peking.

München - Er war vier Tage lang in Peking, am Mittwoch ist er zurückgekehrt – mit zig Eindrücken von der Olympiastadt und Ideen für Olympia 2018 in München.

Für die tz hat OB Christian Ude seine Erlebnisse geschildert:

Die erste Neuerung hatte mich schon sofort nach der Landung überrascht: Das neue Terminal 3. Vom Satellit führt ein fast lautloser Shuttlezug zu einer eleganten Halle mit unglaublicher Spannweite. Sie wurde knapp vor den Spielen fertig – und wird für das Reich der Mitte ein gigantisches und sympathisches „Tor zur Welt“.

Auch drei U-Bahn-Linien gibt es jetzt, die Bahnhöfe weisen ein fast verspieltes Design auf. Vor Olympia hatte man es in der 16-Millionen-Metropole beim Übergang vom Fahrrad- zum Auto-Zeitalter sträflich versäumt, ein U-Bahn-System zu schaffen. Jetzt ist ein Anfang gemacht, die Verkehrsflut umweltverträglich zu bewältigen. Der Autoverkehr funktioniert ja derzeit nur deshalb, weil für die Hälfte der Fahrzeuge ein rigides Fahrverbot gilt. Eine neue Erfahrung auch für die Bevölkerung: Man muss den Autoverkehr reduzieren, wenn er nicht völlig zum Erliegen kommen soll. Die Fahrverbote werden nach den Spielen wieder aufgehoben – die neuen Erkenntnisse wird man nicht so schnell verdrängen können. Auch den Zusammenhang zwischen Verkehrschaos und Luftverpestung wird niemand mehr leugnen können.

Dies alles sind keine großen Themen der aktuellen Berichterstattung, aber mich als Kommunalpolitiker interessiert nun einmal besonders, was die Stadt und ihre Menschen von den Spielen haben – und zwar auf Dauer.

Deshalb suche ich nicht nur die olympischen Spielstätten auf – obwohl sie schon eindrucksvoll sind. Nach München (!) hat ja jetzt auch Peking ein Stadion der Architekten Herzog und de Meuron. Im November sahen wir hier noch eine Großbaustelle in staubiger Umgebung – jetzt ist ein weltberühmtes „Vogelnest“ im Grünen zu bewundern. In abendlicher Beleuchtung wirkt es wie ein magischer Ort.

Aber wie wohnen die Athleten? Michael Vesper, der Chef der deutschen Mission, ermöglicht mir einen Spaziergang durch den hermetisch abgeriegelten Teil des Dorfes. Die meisten Wohnungen der Anlage, erzählt er im Haus der deutschen Mannschaft, sind schon verkauft, für hier sagenhafte 2000 bis 3000 Euro pro Quadratmeter. Keine neuer Heimat für arme Leute also, eher für die „neuen Reichen“. Aber das Dorf setzt Maßstäbe, wie neue Quartiere aussehen können, in ganz China: Nicht monotone Hochhäuser sind das künftige Leitbild, sondern durchdachte lebendige Siedlungen mit Gebäuden in verträglicher Höhe, mit Grünanlagen und Spielflächen dazwischen. Sabine Zöll vom DOSB hat schon bei acht olympischen Spielen die deutschen Sportler betreut und „noch nie ein so großzügiges und schön gestaltetes Dorf“ erlebt.

Während man sich das künftige Leben in diesem Dorf plastisch vorstellen kann, wird man sich das frühere Leben in vielen ebenerdigen Hutong-Quartieren, die den neuen Bauten an vielen Orten der Innenstadt weichen mussten, bald nicht mehr vorstellen können. Die Bewohner sind vertrieben, die Spuren verwischt. Sie haben jetzt am Stadtrand meist mehr Platz, bessere hygienische Bedingungen, aber die sozialen Bezüge der Nachbarschaft, das Treiben auf der Straße, all dies ist Vergangenheit. Seltsamerweise muss man ausgerechnet unter einem kommunistischen Regime noch für den Gedanken werben, dass nicht nur die Interessen der Investoren, sondern auch die sozialen Bedürfnisse der Anwohner zählen sollten.

Quelle: tz

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