Nach 21 Jahren als OB

Christian Ude sagt Servus: Bilder aus seiner Amtszeit

München - Für die tz öffnen der scheidende OB Christian Ude und die Noch-First Lady der Stadt ihr privates Fotoalbum. Lesen Sie das große Bilderbuch-Finale zu 21 Jahren OB Ude.

Am Mittwoch geht eine Ära zu Ende: Knapp 21 Jahre nach seinem Amtsantritt als Oberbürgermeister leistet Christian Ude (66) seinen letzten Dienst-Tag im Rathaus ab, bevor am Freitag sein Wunsch-Nachfolger Dieter Reiter (55, SPD) sowie die Mitglieder des neuen Stadtrates vereidigt werden.

Am 12. September 1993 hatte Ude die OB-Wahl denkbar knapp gegen seinen Kontrahenten Peter Gauweiler von der CSU gewonnen. 1999, 2002 und 2008 wurde er mit wachsender Mehrheit, zuletzt sogar mit 66,8 Prozent von den Münchnern gewählt. Nach vier Amtszeiten ist jetzt aber Schluss – auch weil ihm das Gesetz für kommunale Wahlbeamte einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, das Bürgermeister über 66 Jahren nicht mehr antreten lässt. Gestern Abend wollte Ude in seiner letzten Amtshandlung im Aufsichtsrat die Rettung der städtischen Klinken politisch auf den Weg bringen, heute wird nur noch Abschied gefeiert.

Christian Ude freut sich auf Freiheit, "morgens auszuschlafen"

Von Wehmut aber keine Spur: „Ich bin erwartungsfroh, da ich bald die Freiheit habe, morgens auszuschlafen, bei schönem Wetter aufs Radl zu steigen und mit der Frau ins Kino zu gehen.“ Natürlich will er die Zeit als Oberbürgermeister nicht missen: „Ich denke mit großer Zufriedenheit und Dankbarkeit zurück, doch ich bin auch froh, dass ich nicht mehr diesen Terminstress habe.“

So ganz ohne Termine geht es künftig natürlich auch nicht: Vorträge in China, politische Beratung in Istanbul und eine Kolumne warten auf den Alt-Ob in spe.

Seine Zeit als OB begleitete seine Ehefrau und Fotografin Edith von Welser-Ude auf vielen öffentlichen Terminen. Für die tz öffneten die Noch-First Lady der Stadt und ihr Ehemann jetzt ihr privates Fotoalbum. Lesen Sie das große Bilderbuch-Finale zu 21 Jahren OB Ude:

Einblicke in Christian Udes Leben

Weihnachten bei den Udes: der kleine Christian mit seinen Eltern Karl und Renée und seiner Schwester Karin. © Marcus Schlaf
Erster Schultag: Christian mit Schultüte. © MM-Archiv
Mit Rollkragen und Lockenkopf: Ude 1978. © MM-Archiv
Antrittsrede: Ude spricht nach seiner Wahl zum OB 1993 u.a. vor dem unterlegenen CSU-Konkurrenten Peter Gauweiler (r.) und Vorgänger Georg Kronawitter. © H. Gebhardt
Gehversuche im Internet: Der OB begutachtet Anfang 1997 die Website der Stadt. © Marcus Schlaf
Als Karl Valentin: Ude im Jahr 1998. © MM-Archiv
Mitfahrer: Ude auf der privaten Honda Gold Wing seines früheren Chauffeurs Manfred Haugg. © privat
Ude, der Sechzger: Der OB mit seiner Frau und Torwart- Legende Petar Radenkovic. © fkn
Ude, der Sechzger: Der OB mit Torwart- Legende Petar Radenkovic. © Archiv
Mit seinen Vorgängern: Ude mit Georg Kronawitter (l.) und Hans-Jochen Vogel (alle SPD) im Jahr 2011. © Klaus Haag
Auf der bundespolitischen Bühne: Ude als Städtetags-Präsident mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). © dpa
1994 übernahm Ude erstmals die Schirmherrschaft für die Schwulenparade CSD, ab 1996 nahm er dort selbst als Redner teil und marschierte mit. © fkn
Im Juni 1996 beschlossen die Münchner mit einem CSU-initiierten Bürgerbegehren den Bau dreier Ringtunnels. 2002 eröffneten Ude mit Kultusministerin Monika Hohlmeier und Baureferent Horst Hafner als erstes den Petuel-Tunnel. © Bodmer
In der Nacht zum 27. November 1999 brannte der Salvatorkeller auf dem Nockherberg nieder, Ude begutachtet am Morgen danach vom Dach des Paulaner-Hochhauses das Ausmaß der Zerstörung. „Das war eines der wenigen Fälle, in dem ich in die Feuerwehruniform des Oberbürgermeisters geschlüpft bin.“ © fkn
Das Ehepaar Ude sagt Servus: Der Oberbürgermeister mit seiner Frau Edith von Welser-Ude in einer Kutsche beim traditionellen Schützen- und Trachtenzug zur Wiesn 2011. © Marcus Schlaf
Das erste Anzapf-Ritual Udes bei der Wiesn war 1993 ein Desaster: Nach dem sechsten Schlag tönte es „Aufhören, Aufhören!“ im Zelt. Ude nahm sich Nachhilfestunden beim Paulaner-Schank­kellner Helmut Huber. Und seit 2005 schaffte es Ude meistens mit nur zwei Schlägen. © dpa
Bei der Leichtathletik-EM 2002 gab Ude den Startschuss für den Martathon der Frauen am Max-Joseph-Platz. Ude: „Das ist für einen Macho auch ein interessantes Erlebnis, dass alle Frauen wegrennen, wenn er in die Luft schießt.“ Sein Sport? „Schwimmen und Radeln.“ © fkn
Der 1997 verstorbene Helmut Fischer, dessen Spatzl Utta Fischer, Christian Ude sowie dessen Ehefrau Edith von Welser-Ude waren Nachbarn und dicke Freunde. Ude: „Wir trafen uns regelmäßig zum Frühschoppen im Café Münchner Freiheit in Schwabing.“ Vor dem Café schaut nun ein bronzener „Monaco Franze“ den Münchnern in die Augen, die hier vorbeikommen. ­Utta Fischer verstarb 2012. © fkn
Fingerzeig: mit Andenken in seiner Wohnung. © Klaus Haag
Im März 2003 trug sich der Dalai Lama ins Goldene Buch der Stadt ein. Ude: „Die chinesische Generalkonsulin beschwerte sich danach, wir hätten eine Milliarde Chinesen beleidigt. Dabei war das kein Staatsakt, auch Popsänger sind im Goldenen Buch verewigt.“ © fkn
Am 9. November 2006 eröffneten Ude, Bundespräsident Horst Köhler und die Zentralratspräsidentin der Juden, Charlotte Knobloch, die neue Synagoge (Jakobsplatz). © fkn
2003 besetzte Stadtrat Bernhard Fricke einen Baum, der der Schrannenhalle weichen musste. Damit rang er Ude das Versprechen von Ersatzpflanzungen ab. © Kurzendörfer
Im Oktober 2008 trafen auf dem Marienplatz zwei große Tiere aufeinander: Flusspferd Hannibal, das für einen Zirkus warb, und das Stadtoberhaupt, das das Hippo mit einem Krautkopf fütterte. Ude: „Nach der Veranstaltung wurde uns klar, dass die Sache nicht genehmigt war und so ein Flusspferd ganz schön gefährlich sein kann.“ © fkn
Für ein Interview traf sich Ude vor dessen Papstwahl mit Joseph Ratzinger auf dem Dach der Glaubenskongregation, der Ratzinger 1982 bis 2005 vorstand. Ude: „Für einen Protestanten war es schon ein erhebendes Gefühl, der Heiligen Inquisition aufs Dach zu steigen, die dort einst logierte.“ © fkn
Eine heiße Umarmung mit Schauspielerin Iris Berben – da zückte Edith von Welser-Ude sofort den Fotoapparat: „Meine Frau und ich sind ja mit vielen Schauspielerinnen befreundet, etwa mit Michaela May oder Gisela Schneeberger.“ © fkn
Gescheiterte Bewerbung für Olympia 2018: Ude mit Thomas Bach (damals DOSB-Chef), Ex-Eisläuferin Kati Witt und Garmisch-Partenkirchens Bgm. Thomas Schmid (v. l.). © Marcus Schlaf
Am 15. September 2013 musste Ude seine einzige große Niederlage einstecken: Bei der Landtagswahl schaffte der OB mit seiner SPD nur magere 20,6 Prozent. © dpa
Niederlage am Karriereende: 2013 wollte Ude Ministerpräsident werden, unterlag aber Horst Seehofer und der CSU. © dpa
Mit seinem Nachfolger: Christian Ude und Dieter Reiter (SPD) im Rathaus. © David Constanzo

Abschied auf dem Marienplatz

OB Christian Ude will sich nach seinen 21 Jahren im Rathaus von den Münchnern verabschieden – und zwar persönlich. Am heutigen Mittwoch, seinem offiziell letzten Arbeitstag, gleich nach dem Glockenspiel, verlässt er um 12.15 Uhr sein Amtszimmer Richtung Marienplatz. Dort können ihn die Bürger treffen und ein persönliches Geschenk des OB bekommen – Tassen mit Ude-Karikaturen. Dazu gibt es eine Broschüre, in der er Bilanz zieht, und musikalische Unterhaltung. Schon am Morgen um 8 Uhr bekommt er daheim am Kaiserplatz ein Abschiedsständchen griechischer Künstler, das Erzpriester Apostolos Malamoussis begleitet.

Johannes Welte

Rubriklistenbild: © dpa

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