Eklat: Ude verweigert Foto mit neuer Ausländerbeirats-Chefin

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Nükhet Kivran ist Münchens neue Ausländerbeirats-Vorsitzende. OB Ude ist von der Zusammensetzung des neuen Vorstands enttäuscht.

München - Der Ausländerbeirat hat eine neue Vorsitzende: Nükhet Kivran. Doch Münchens Oberbürgermeister Christian Ude zeigte sich enttäuscht und weigerte sich offen, mit Nükhet Kivran fotografiert zu werden.

Nükhet Kivran setzte sich bei der Wahl knapp gegen den langjährigen Chef Cumali Naz durch. Doch dem neuen Beirat war kein guter Start vergönnt. OB Christian Ude äußerte sich tief enttäuscht über die Zusammensetzung des neuen Vorstands.

Als die Fotografen kamen, offenbarten sich die Emotionen: Wie der Münchner Merkur berichtet, weigerte sich Ude offen, mit Nükhet Kivran fotografiert zu werden. Kivran, die verdutzt daneben stand, gefror das Lächeln auf den Lippen. Spätestens jetzt war klar: Der Ausländerbeirat kommt aus den Negativ-Schlagzeilen nicht heraus.

Was war geschehen? In seiner konstituierenden Sitzung hatte das Gremium einen neuen Vorstand gewählt. In einer Kampfabstimmung hatte sich die 46-Jährige Kivran mit dem hauchdünnen Vorsprung von einer Stimme gegen den langjährigen Lenker des Beirats, Cumali Naz, durchgesetzt. Zu Stellvertretern wurden Serdar Kilitci und Admir Ramic gewählt.

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Als Ude dieses Ergebnis erfuhr, reagierte er gegenüber der Presse tief enttäuscht. „Die Weisheit, dass der Ausländerbeirat von der Vielfalt lebt, hat sich noch nicht durchgesetzt.“ Ude bemängelte, dass „einer Gruppe ein Durchmarsch“ geglückt sei, und der Vorstand nun nur eine Region der Welt repräsentiere und nicht die „Vielfalt der Länder und Religionen“. Kivran und Kilitci sind türkischer Herkunft, Ramic stammt aus Bosnien und ist muslimischen Glaubens.

Ude deutete zudem Konsequenzen aus dem Ergebnis an. Es könne bedeuten, „dass man in Zukunft weniger vom Ausländerbeirat hören wird“. Man müsse nun auch über andere Wege nachdenken, wie die Vielfalt in der Stadt zum Ausdruck kommen kann.

Udes Kritik ist ein neuer Höhepunkt in einer langen Geschichte der Querelen um den Ausländerbeirat. Das Gremium, das die Belange der Migranten in München vertreten soll, steht seit Jahren wegen der geringen Wahlbeteiligung in der Kritik. Nur 6,24 Prozent der ausländischen Bevölkerung gaben im November ihre Stimme ab, als der Beirat neu gewählt wurde. Die neue Vorsitzende Kivran zeigte sich „negativ überrascht“ über Udes Kritik. Der Vorstand sei demokratisch gewählt, man müsse ihm doch eine Chance geben. Das sollte auch Oberbürgermeister Christian Ude tun.

Johannes Patzig

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