Schadensersatz-Prozess um Modellautos

Bekommt Dreifachmörder 17.625 Euro von Haderthauer?

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In der Kritik: Christine und Hubert Haderthauer.

München - Persönlich musste Hubert Haderthauer (57) nicht vor dem Landgericht erscheinen. Aber der Psychiater hätte ohnehin nicht viel ausrichten können im Schadensersatz-Prozess, der seit Dienstag gegen ihn läuft.

Dreifachmörder Roland S., mit dem Haderthauer einst Geschäfte gemacht hatte, hat ihn verklagt und fordert 17.625 Euro. Beide streiten um das Miniaturmodell eines Rolls Royce, das S. Anfang der Siebziger Jahre in der Psychiatrie gebaut hat – und behaupten jeweils, der Eigentümer gewesen zu sein. Nach der Verhandlung ließ das Landgericht gestern bereits durchblicken: Roland S. wird mit seiner Klage wohl Erfolg haben. Was für Haderthauer bedeuten würde: Er muss zahlen.

Ein weiteres Kapitel in der Modellauto-Affäre: Bereits im September war Ehefrau Christine Haderthauer (52, CSU) als Staatskanzleichefin zurücktreten. Ihr Gatte Hubert behandelte Roland S., als dieser 1988 wegen Mordes in die Psychiatrie eingewiesen wurde. Dort baute S. Rolls-Royce-Modelle im Maßstab 1:8 und behauptet jetzt, er hätte Haderthauer das Modell damals nur zu Repräsentationszwecken leihweise zur Verfügung gestellt. Der habe das Auto im Februar 2007 aber ohne seine Zustimmung im Auktionshaus Christie’s versteigert und dabei 17 625 Euro erzielt. Davon habe S. erst im Jahr 2012 erfahren.

Haderthauer bezieht sich dagegen auf einen Vertrag aus dem Jahr 1998. Darin habe ihm Roland S. zwei Mercedes-Modelle im Wert von 30.000 D-Mark zugesichert, aber nie geliefert. Nur deshalb habe er den Rolls Royce verwertet. Kläger-Anwalt Bernd Haffke sieht den Vertrag aber als „sittenwidrig“ an. Offen ist zudem, ob S. in Haderthauers Firma beteiligt werden sollte, die Modellautos aus der Psychiatrie herstellen ließ.

Eine gütliche Einigung in diesem Streit? „Nicht möglich“, befand Richter Frank Tholl. Er ließ durchblicken, dass Haderthauer zur Rückzahlung des geforderten Betrages verpflichtet werden könnte. „Wir müssen sehen, ob wir eine Beweisaufnahme brauchen.“ Nach dem Prozess war Anwalt Haffke sicher: „Wir werden gewinnen.“

Roland S. muss heute vor dem Untersuchungsausschuss im Landtag aussagen, der gegen Christine Haderthauer ermittelt. Er will über die Produktionsbedingungen der Modellautos auspacken. Mehr als 100 Stück soll das Ehepaar Haderthauer mit seiner Firma in Auftrag gegeben und verkauft haben.

Andreas Thieme

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