Ab Donnerstag zu Gast in München

Schwere PETA-Vorwürfe: Zirkus wehrt sich

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Nilpferd Jedi (hier mit Meerjungrau Alicia) pflegt eine innige Freundschaft mit Nashorn Hulk. Die beiden sind miteinander aufgewachsen.

München - Ab Donnerstag gastiert der Circus Voyage in München. Vernarbte Giraffen, tote Elefanten - egal wohin er kommt, die Tierschützer mit ihren Horrormeldungen sind schon da. Das nervt die Zirkusleute. Sie wehren sich.

Am Donnerstag feiert der Circus Voyage aus Hagen in München-Trudering Premiere. Zwei Tage vorher flattert eine Pressemeldung der Tierschutzorganisation PETA in unsere Onlineredaktion: Man erhebe schwere Vorwürfe gegen diesen Zirkus, heißt es da. Allgemein, weil Wildtiere nicht für den Zirkusbetrieb geeignet seien. Und im Besonderen, weil das Nilpferd Jedi "als Herdentier allein in einem Wassertank sein Dasein fristen muss". Und dann ist da noch eine Giraffe, die "mit Narben regelrecht übersäht ist". Als Beweis schicken die Tierschützer ein Bild mit einem vernarbten Giraffenfuß mit.

"Wir werden gehetzt"

Diese Fotos sollen die Tierquälerei beweisen. Dabei starb der Elefant nicht mal unter der Obhut des Zirkus.

Bettina Richter, Moderatorin in der Manege und Zirkus-Sprecherin, kennt die Vorwürfe - und die Bilder. Und sie hat die Nase voll: "Das Foto von unserer Giraffe ist mehrere Jahre alt", sagt Richter. Überhaupt: "Wildtiere - den Begriff kennen wir nicht." Die Zirkustiere seien keine Wildtiere. Sie lebten seit Jahrzehnten mit Menschen, seien unter Menschen aufgewachsen. Und die Narben? "Die Giraffe ist mal beim Laufen hingefallen." Das sei in einem großen Gehege passiert. "Tiere verletzen sich." Das wisse jeder, der ein Haustier besitze. Wenn man der Argumentation von PETA folge, "dann müssten Sie auch Haustiere ganz verbieten", sagt Richter, die sich bei dem Thema hörbar in Rage redet.

Egal wo der Zirkus hinkommt. Die Tierschützer mit ihren immer gleichen Horrormeldungen sind schon da. "Wir werden regelrecht gehetzt", sagt Richter. "Wir fühlen uns an die Wand gedrängt."

Laut der Zirkus-Sprecherin seien Zirkusunternehmen für Tierschützer immer ein gefundenes Fressen, um Stimmung zu machen: "Zu uns kommen viele Menschen und viele Kinder." Zirkus ziehe Aufmerksamkeit, deshalb die fortwährenden Anklagen der Tierschützer. "Die Tierschützer bekommen immer eine Plattform." Der Zirkus könne nur reagieren und aufklären. Irgendwas bleibe meist trotzdem hängen.

"Kommen Sie vorbei und sehen Sie selbst!"

"Das geht seit Jahren so", sagt Richter. Dabei werde kein Tierbestand so streng kontrolliert, wie der eines Zirkus, eben weil das öffentliche Interesse  so groß sei. "In jeder Stadt besuchen uns die Kontrolleure vom Veterinärsamt." Das sei auch richtig so. Auch die Zuschauer und Gäste sollten sich ruhig informieren und fragen, wenn ihnen etwas auffalle. Neben den Vorstellungen bietet der Circus Voyage einen regelmäßigen Blick hinter die Kulissen. "Kommen Sie vorbei und schauen Sie sich doch selbst an, wie wir mit unseren Tieren umgehen."

Elefanten sind Herdentiere, das weiß auch der Circus Voyage.

Um alle Zweifel zu zerstreuen, feiert der Zirkus in München eine kleine Extra-Premiere: "Wir laden alle Kinder ein, deren Haustiere Kunststücke können." An jedem zweiten Samstag dürfen die Kinder mit Haustier - egal ob Hund, Katze oder Vogel - beim Circus Voyage in Trudering vorbeikommen und dann mit den zirkuseigenen Tierlehrern trainieren.

Nilpferd Jedi und Nashorn Hulk sind innig befreundet

Und was ist jetzt mit dem armen Nilpferd, dass da laut PETA so mutterseelenallein in seiner Badewanne planscht. "Wir haben Jedi und Hulk absichtlich gemeinsam von einem italienischen Zoo übernommen", sagt Richter. Der Grund: Die beiden sind miteinander aufgewachsen, "sie verbindet eine innige Freundschaft".

Bleibt die Elefantendame Mausi. Sie starb 2012 auf dem Weg in einen belgischen Zoo an einem Darmverschluss. Warum, ist unklar. Ein Angriffspunk für die Tierschützer. Sie hätte viel früher vom Zirkus abgegeben werden müssen, war schon lange nicht mehr transportfähig, lauten die Vorwürfe. Als es um Mausi geht, wird die Zirkus-Sprecherin leiser. "Wir hätten sie gar nicht weggeben dürfen", sagt sie. Das habe auch damals der Juniorchef seinem Vater, Zirkusdirektor Alois Spindler, vorgeworfen. Doch der Druck von außen sei zu groß gewesen. Der Direktor entschied, die altersschwache Kuh einem Zoo zu übergeben. Für das "fahrende Volk" vom Circus Voyage ist der Fall Mausi klar. Sie ist aus Gram gestorben, sagt Richter, weil sie ihre Herde, die Zirkusfamilie verlassen musste.

Wer sich selbst von der Tierhaltung, aber vor allem der Leistung der Tiere und Künstler überzeugen will: Am Donnerstag, 17. Juli, gibt der Cricus Voyage im Münchner Stadtteil Trudering um 18 Uhr seine Vorstellung. Bis 24. August gastieren die Artisten und Tiere in München.

Klaus-Maria Mehr

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