tz-Interview

Claudia Koreck zu Flüchtlingen: "Wir haben alle eine Verantwortung!"

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Claudia Koreck tritt am Montag bei "Platz da! Mia san ned nur mia" in München auf.

München - Am Montag fordern Künstler am Max-Joseph-Platz Solidarität mit Flüchtlingen. Im tz-Interview mahnt Claudia Koreck: "Wir haben alle eine Verantwortung unseren Mitmenschen gegenüber!"

„Hock di hera, samma mera“, sagt der Bayer, wenn noch jemand überraschend dazu kommt. Für Kleinkunstkönig Till Hofmann und seine Freunde vom Flüchtlingsprojekt Bellevue di Monaco gilt dies auch für Asylbewerber – egal, woher sie kommen. Die Pläne der Staatsregierung, Asylbewerber vom Balkan in Abschiebelagern an der Grenze abzufangen, ruft nun eine Armada von Künstlern auf den Plan, am Montagabend um 18 Uhr am Max-Joseph-Platz dagegen zu protestieren.

Das Motto: „Platz da! Mia san ned nur mia“. Auf der Teilnehmerliste stehen fast alle großen Namen der Münchner Kulturszene: Friedrich Ani (Schriftsteller), Claus von Wagner (Kabarettist) oder Stephan Zinner (Schauspieler) werden reden. Außerdem treten Musiker wie Blumentopf, Nouwelle Cuisine, Dreiviertelblut, Jesper Munk, G-Rag oder die Landlergeschwister ans Mikro. Und über 3000 Münchner wollen kommen!

Auch Claudia Koreck (Fliang) steht auf der Bühne. Im tz-Interview spricht sie über das Thema Flüchtlinge. 

tz: Sie machen am Montag bei der Kundgebung als Sängerin mit. Was bewegt Sie dazu?

Claudia Koreck: Ich finde es einfach wichtig, ein Zeichen zu setzten gegen das, was gerade passiert. Es kann doch nicht sein, dass man die armen Menschen, die gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen hier so hässlich empfängt. Einige Menschen hier haben anscheinend große Angst vor der möglichen Veränderung, die der Flüchtlingsstrom mit sich bringt und wollen alle am liebsten wieder zurück schicken und nichts damit zu tun haben. Wir haben aber alle eine Verantwortung unseren Mitmenschen gegenüber, das sind urchristliche, menschliche Werte. Viele hier empfinden genau so, und das wollen wir lautstark zeigen!

Wenn CSU-Größen vor Stimmungsumschwüngen zu Lasten von Asylbewerbern warnen, spielen Sie damit mit dem Feuer oder sprechen Sie die Wahrheit aus?

Claudia Koreck: Ich verstehe nicht, wie eine Partei, die sich christlich sozial nennt, so derart unchristlich und unsozial handelt. Sie spielen nicht nur mit dem Feuer, sondern sie sorgen mit so einer Einstellung und Rhetorik leider nur für die Verbreitung von selbigem.

Bislang ist die Hilfsbereitschaft in München und dem restlichen Bayern gegenüber Flüchtlingen groß, auch wenn es Anschläge und stets Widerstand gegen Heime gibt. Haben Sie Angst, dass diese Stimmung kippt?

Claudia Koreck: Ich denke schon dass alle, die bisher die Flüchtlinge unterstützen, dies auch weiterhin tun, nur geschehen die „guten“ Dinge oft im Verborgenen. Ich kenne hier in München und auch in meiner Heimatstadt Traunstein so viele positive Beispiele, wie die Leute sich gegenseitig helfen, das ist wirklich schön. Aber die Politik muss in die Mangel genommen werden: Es wird einem nicht gerade leicht gemacht, zu helfen. Sehr viele Betriebe würden gerne Leute, die dringend gebraucht werden, beschäftigen. Geht aber nicht.

Die CSU-geführte Staatsregierung will an den Grenzen zu Österreich Abschiebelager einrichten, in denen per Blitzentscheid Asylanträge von Zuwanderern vom Balkan abgelehnt werden sollen. Was halten Sie davon?

Claudia Koreck: Ich halte das für eine unglaublich dumme Idee, Menschen an die Grenzprovinzen zu schicken, wo es von Haus aus weniger Möglichkeiten gibt sich sinnvoll zu beschäftigen. Ich denke, dass es generell auf dem Land mehr Ängste vor Fremden gibt und sich mit Sicherheit die Abschiebeanträge dort nicht unbedingt schneller bearbeiten lassen.

Es wird ja argumentiert, die Asylbewerber vom Balkan blockieren die Aufnahme von Flüchtlingen aus Syrien und Afrika. Was halten Sie davon?

Claudia Koreck: Man sollte jeden Menschen gleich behandeln. Wenn man sich ein Bild gemacht hat, wie die Leute vom Balkan zum Teil leben, da wird einem auch eiskalt. Wir haben hier einen so immens hohen Lebensstandard, natürlich will man den genau so behalten, das verstehe ich ja. Aber ich kann das nicht, einfach die Augen zumachen und mir vorstellen, dass es mir nur deshalb so gut geht, weil es sehr vielen Menschen, gleich woher sie kommen, unfassbar schlecht geht. In einem Lied vom Werner Schmidbauer heißt es: Wir können nur noch wachsen durch´s kleiner werden, können reicher werden nur noch durch´s Geben. Finde ich sehr wahr.

Angeblich sind die Leistungen für Flüchtlinge Anreiz für de Zuwanderung vom Balkan. Glauben Sie das?

Claudia Koreck: Wenn diese Leistungen Anreiz für die Zuwanderung ist, dann kann man sich ja leicht vorstellen, wie groß die Unterschiede im Lebensstandard sind. Ich glaube einfach, dass niemand gerne seine Heimat verlässt und meilenweit von der Familie entfernt ist, um den Familien zu Hause vielleicht ein etwas besseres Leben zu ermöglichen oder zumindest die Hoffnung darauf. Wir in Deutschland verlassen unsere Heimat meist nur, um die Welt zu entdecken oder uns selbst zu verwirklichen oder um zu helfen, um sein Leben so glücklich wie möglich zu leben und nicht, um einfach zu überleben.

Claudia Koreck: "Wir gehören doch alle irgendwie zusammen."

Sehen Sie eine historische Verpflichtung Deutschlands gegenüber den Roma und der Bevölkerung des Balkan im Übrigen?

Claudia Koreck: Ich bin keine Expertin der Geschichte, ich bin einfach eine Stimme aus dem Volk und sage: Es wäre schön, wenn wir alle uns gegenseitig zur Nächstenliebe verpflichtet sind, gleich woher wir kommen. Wir gehören doch alle irgendwie zusammen.

Was halten Sie von den Plänen eines Einwanderungsgesetzes, das die Integration von Asylbewerbern in den Arbeitskreislauf ermöglichen soll, das die SPD schon lange fordert und nun offenbar auch von Merkel ins Auge fasst wird?

Claudia Koreck: Gut. Es ist wichtig, dass die Leute auch arbeiten dürfen und können. Sonst bleibt ihnen nichts übrig, als sich zusammenzuschließen und gemeinsam nur rumzusitzen. Und das ist keinem geholfen.

Was halten Sie vom Bellevue-Projekt?

Claudia Koreck: Ein starkes und wichtiges Projekt. Es ist so wichtig, dass man aufsteht und sagt wenn einem gewisse Dinge nicht gefallen. Das ist viel besser als verbittert zu Hause zu sitzen und Angst zu haben.

Engagieren Sie sich auch ansonsten für Flüchtlinge oder andere Dinge?

Claudia Koreck: Ich gebe das, was ich geben kann. Vor kurzem habe ich z.B. ein Konzert für die Flüchtlingshelfer in meiner Heimat gegeben, ich bin in Verbindung mit den Politikern vor Ort die dem Thema mit sehr viel Engagement begegnen. Ich gebe demnächst ein Benefitz Konzert in Traunstein für eine afrikanische Hilfsorganisation und einer Anlaufstelle für Flüchtlinge aus Afrika. Er hilft ihnen sich zu orientieren, schickt sie dann z.B. zu meinem Bruder in den Fußballverein, und die jungen Männer sind so dankbar, dass sie irgendetwas machen dürfen und reißen sich ein Bein aus. Manchmal denke ich schon, man müsste viel mehr machen… Aber wenn jeder ein bisserl was gibt, dann ist schon was getan.

Hören Sie gerne Roma-Musik oder Balkan-Pop? Inspiriert Sie das? Welche Künstler kennen Sie?

Claudia Koreck: Ich habe in der Zeit, als ich mit Hubert von Goisern auf der Linz Europa Tour mitgefahren bin, eine Band aus Moldawien kennegerlent: zdob si zdub. Die fand ich toll. In der Musik vermischen sich bunt Einflüsse aus der ganzen Welt, aber trotzdem kennt jeder seine Wurzeln, man hört sie raus und es ist schön. Das wäre mein Wunsch für ein Leben miteinander.

Von Johannes Welte

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