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Für die Verantwortlichen der SWM kaum nachvollziehbar: „Dieser Aufruf zum Warnstreik ist so erstaunlich wie ärgerlich“, sagt Werner Albrecht, der für die SWM am Verhandlungstisch sitzt. Denn eigentlich sei man sich zuletzt in der Hauptsache schon einig gewesen: beim Verdienst. Im Raum steht eine Übernahme des jüngsten Tarifabschlusses (TVöD) im öffentlichen Dienst auch für die Verkehrsbetriebe.
Ende April hatten sich Bund, Arbeitgeber und Gewerkschaften auf einen Kompromiss geeinigt: Unter anderem soll für Beschäftigte – etwa Erzieher, Feuerwehrleute und Krankenpfleger – der Lohn nächstes Jahr zunächst um 200 Euro und anschließend noch einmal um 5,5 Prozent erhöht werden – mindestens um 340 Euro pro Monat. Das wurde auch für die Verkehrsbetriebe in Bayern besprochen - den für sie gilt ein eigener Tarifvertrag: „Das hätte immerhin bis zu 14 Prozent Lohnerhöhung für unser Fahrpersonal bedeutet“, sagt Albrecht.
Mit den Lohnerhöhungen sei Verdi durchaus einverstanden, auch wenn es für die hohen Lebenskosten in München immer noch zu wenig sei, sagt Gewerkschaftssekretär Franz Schütz, Verhandlungsführer für München. „Es geht jedoch nicht nur ums Geld, es geht auch um die Arbeitsbedingungen.“ Diese sind aber nicht Teil der aktuellen Verhandlungen.
Und darin liegt die Crux. Denn die Laufzeit des Tarifabschlusses betrüge 24 Monate – weitere Verhandlungen wären für diese Zeit ausgeschlossen. Das will Verdi für den öffentlichen Nahverkehr nicht akzeptieren. „Wir wollen eine kürzere Laufzeit, damit wir Anfang nächsten Jahres dann über die Arbeitsbedingungen verhandeln können“, sagt Schütz. Das versucht Verdi mit dem Warnstreik nun zu erreichen.
Ärger gibt’s auf alle Fälle – so viel ist für heute sicher. Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) rechnet mit erheblichen Streik-Folgen: Die U-Bahnen werden zunächst komplett stillstehen. Ob es im Lauf des Tages vereinzelt Fahrten geben wird, hängt von der Zahl des verfügbaren Personals ab. Die Priorität soll dann auf der U6 liegen.
Ähnliches ist für die Trambahnen zu erwarten. Einsatzbereite Züge würden auf einzelne Linien konzentriert – bevorzugt werde hier die 20er. Bei den Bussen geht die MVG davon aus, dass etwa die Hälfte der Fahrzeuge zum Einsatz kommt.
Stressig dürfte es nicht nur während des morgendlichen Berufsverkehrs und mittags für die Schüler auf dem Heimweg werden, sondern auch nochmal am Abend. Der TSV 1860 spielt um 19 Uhr im Grünwalder Stadion gegen Mannheim, mit dem Auto findet man keinen Parkplatz, und der nächste S-Bahn-Halt ist ein gutes Stück weg. Immerhin: Die S-Bahn wird grundsätzlich fahren – sie wird ja nicht von der MVG betrieben, sondern von der Bahn.
Der heutige Streik betrifft neben München auch Augsburg, Landshut, Bayreuth, Schweinfurt, Bamberg, Nürnberg, Fürth und Regensburg.
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