tz-Besuch bei Computerspiel-Schmiede

Mit Zocken verdienen sie ihr Geld

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Johannes Roth (23, r.), Chef des Spieleentwicklers Mimimi

München - Das Hobby Computerspielen zum Beruf zu machen, ist der Traum vieler Zocker. Die tz hat die Macher der Game-Schmiede Mimimi besucht, die sich diesen Wunsch verwirklicht haben.

Mit Raumschiffen durchs Weltall düsen, gegen Aliens kämpfen: Schon als kleiner Bub war Johannes Roth (23) von der Computerwelt fasziniert. „Mich hat am meisten interessiert, wie so ein Spiel funktioniert“, erklärt der Münchner. Das weiß er mittlerweile: Jetzt, mit 23, führt er seine eigene Firma, die Spiele für Handys und Computer entwickelt. Sogar der iPhone-Hersteller Apple verlieh dem jungen Startup-Unternehmen schon einen Preis!

Johannes Roth mit den Kollegen beim Zocken

Vor zwei Jahren gründete der gebürtige Thüringer Johannes Roth mit fünf Freunden Mimimi Productions – die Jungunternehmer lernten sich während des Studiums an der Mediadesign-Hochschule München kennen. Für ein Uni-Projekt tüfteln die Jungs erstmals gemeinsam an einem Spiel: In Grounded müssen die Spieler Aliens davon abhalten, die Erde in einen großen Vergnügungspark umzuwandeln. Ein abgefahrenes, kreatives Spiel für Jugendliche. Nach vier Wochen ist es fertig – prompt kassieren sie dafür den Newcomerpreis der German Game Developer. „Da haben wir gemerkt: Wir können was schaffen“, berichtet Johannes Roth.

Die kuriose Beziehung der Deutschen zum Computer

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Der Ehrgeiz ist geweckt. In ihrer Freizeit neben dem Studium basteln die Spiele-Erfinder an ihrem zweiten Spiel: In Dawindci müssen die User einen Heißluftballon mit Wind durch die Welt steuern. Und dann der endgültige Durchbruch: 2012 gewinnen sie in San Francisco den Apple Design-Award – als erstes deutsches Spiel überhaupt!

Mittlerweile arbeiten neun festangestellte und drei freie Mitarbeiter bei Mimimi Productions. Mit 4000 Euro Startkapital und 80 000 Euro Gründungszuschuss vom FilmFernsehFonds Bayern hat sich das Team den Traum von der eigenen Firma finanziert. „Wir wollten von vornherein keinen Kredit aufnehmen und möglichst risikofrei mit unserem eigenen Geld arbeiten“, erklärt Johannes Roth. „Sollten wir pleitegehen, hören wir auf.“ Danach schaut es im Moment allerdings nicht aus: Das Netzwerk funktioniert, jetzt zählen sogar Großunternehmen wie Ravensburger Digital zu den Kunden. „Die Game-Szene in München ist gerade stark am Wachsen – das ist unsere Gelegenheit.“ Ende des Jahres zog die junge Firma in ihre eigenen Räume in der Berg-am-Laim-Straße 64: „Vorher hatten wir nur einen Raum – das wurde zu klein.“

Als Geschäftsführer hat Johannes sein eigenes Chefbüro, hier nimmt er Aufträge entgegen, führt Bewerbungsgespräche, organisiert Meetings. „Viele Freunde sind beeindruckt, dass ich mein eigener Chef bin“, sagt der 23-Jährige. „Manche denken, dass ich jetzt reich bin – aber das hat nichts miteinander zu tun.“

Natürlich steht in der Firma auch ein riesiges Sofa mit einer Spielekonsole. In der Freizeit bleibt die aber oft aus. Johannes Roth: „Wir gehen lieber alle zusammen was trinken.“

Christina Schmelzer

Firmen-Steckbrief

Name: Mimimi Productions

Branche: Spieleentwicklung

Chef: Johannes Roth (23)

Gründungsjahr: 2011

Mitarbeiter: 12 (es werden ständig neue gesucht)

Firmensitz: Berg-am-Laim-Straße 64, 81673 München

Internet:

www.mimimi-productions.de

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