Bis Ende des Jahres

Amtsgericht ordnet Betreuung von Gurlitt an

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Kunsthändlersohn Cornelius Gurlitt wird unter Betreuung gestellt.

München - Das Amtsgericht München hat die Betreuung des Kunsthändlersohnes Cornelius Gurlitt angeordnet. Diese solle zunächst bis Ende 2014 bestehen bleiben.

Das Amtsgericht München hat die Betreuung des Kunsthändlersohnes Cornelius Gurlitt angeordnet. Sie umfasse im wesentlichen die Vertretung gegenüber Behörden und in Strafsachen sowie die Vermögenssorge, teilte das Gericht am Mittwoch in München mit. Die Betreuung gilt zunächst bis Ende des Jahres und erfolgt mit dem Einverständnis des 81-Jährigen. Bestellt wurde dafür Rechtsanwalt Christoph Edel, der ihn bislang schon vertreten hat.

"Es ist für Herrn Gurlitt eine Umstellung gewesen, einen Betreuer in seinem Leben zuzulassen, aber er ist sicherlich erleichtert über die Hilfe, die ihm Herr Edel anbietet", sagte Gurlitts Sprecher Stephan Holzinger. Im Dezember hatte das Amtsgericht Gurlitt bereits unter vorläufige Betreuung gestellt.

Anfang 2012 hatten Steuerfahnder im Zuge von Ermittlungen in der Münchner Wohnung Gurlitts rund 1280 Kunstwerke gefunden und beschlagnahmt. Rund 500 der zum Teil sehr wertvollen Objekte stehen im Verdacht, Nazi-Raubkunst zu sein. Der Schwabinger Kunstfund kam erst im November 2013 an die Öffentlichkeit, was bundesweit und international für großes Aufsehen sorgte. Kürzlich wurde zudem bekannt, dass der 81-Jährige auch in Salzburg wertvolle Kunstwerke lagerte.

Kunstfund in München - Chronologie

Kunstfund, München, Gurlitt
22. September 2010: Der Kunsthändlersohn Cornelius Gurlitt wird auf einer Zugfahrt von Zürich nach München kontrolliert. Zollfahnder schöpfen Verdacht, es könne ein Steuerdelikt vorliegen. © dpa
Kunstfund, München, Gurlitt
28. Februar 2012: Gurlitts Wohnung in München wird durchsucht. Die Fahnder entdecken rund 1400 Gemälde, Aquarelle, Lithografien, Drucke und Zeichnungen vor allem aus der klassischen Moderne. Der Fund wird geheim gehalten, die Berliner Kunstexpertin Meike Hoffmann mit der Erforschung der Herkunft beauftragt.3. November 2013: Das Nachrichtenmagazin „Focus“ bringt den Fall an die Öffentlichkeit und sorgt damit für eine Sensation. © dpa
Kunstfund, München, Gurlitt
4. November: Regierungssprecher Steffen Seibert sagt, die Bundesregierung habe „seit mehreren Monaten“ von dem sensationellen Fund gewusst. © dpa
Kunstfund, München, Gurlitt
5. November: Die Staatsanwaltschaft Augsburg, die gegen Gurlitt ermittelt, und die Kunsthistorikerin Meike Hoffmann geben eine Pressekonferenz. Fotos einiger weniger Kunstwerke werden gezeigt. Der Leitende Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz sagt, man wolle die Bilder weiter unter Verschluss halten. © dpa
Kunstfund, München, Gurlitt
6. November: Vor allem wegen des Verdachts, viele der gefundenen Werke seien Nazi-Raubkunst, wächst die internationale Kritik am Vorgehen der Behörden. „Wir wollen so schnell wie möglich eine Liste der Werke in der Sammlung veröffentlicht sehen“, fordert Anne Webber von der Commission for Looted Art in Europe mit Sitz in London. © dpa
Kunstfund, München, Gurlitt
7. November: Nach immer lauterer Kritik wollen Bund und Bayern schnell Klarheit über den spektakulären Kunstfund schaffen. Das Haus von Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) plädiert für eine Veröffentlichung der 1400 Werke. © dpa
Kunstfund, München, Gurlitt
8. November: Der Provenienzforscher Willi Korte fordert die rasche Einsetzung einer Taskforce zur Erforschung des Kunstschatzes. © dpa
Kunstfund, München, Gurlitt
11. November: Außenminister Guido Westerwelle (FDP) warnt vor einem Schaden für Deutschlands Ansehen. Am Abend werden schließlich die ersten 25 Werke auf der Plattform „lostart.de“ eingestellt. Eine Taskforce wird eingesetzt, sie soll die Herkunft der Bilder erforschen. Laut Staatsanwaltschaft können 380 Werke dem zugeordnet werden, was die Nationalsozialisten „Entartete Kunst“ nannten. Bei 590 Werken müsse überprüft werden, ob sie den rechtmäßigen Eigentümern in der Nazi-Zeit verfolgungsbedingt genommen wurden. © dpa
Kunstfund, München, Gurlitt
13. November: Die „Süddeutsche Zeitung“ hat Cornelius Gurlitt vor seiner Wohnung abgepasst und zitiert ihn mit dem Kommentar: „Das alles ist eine große Büberei.“ © dpa
Kunstfund, München, Gurlitt
14. November: Hunderte weitere Gemälde des Münchner Kunstschatzes sollen im Internet zu sehen sein. Dies kündigt die Leiterin der Taskforce, Ingeborg Berggreen-Merkel, an. © dpa
Kunstfund, München, Gurlitt
15. November: Der bayerische Justizminister Winfried Bausback (CSU) dringt auf eine Verständigung mit Gurlitt. Eine einvernehmliche Lösung sei im Interesse aller. © dpa

Die Staatsanwaltschaft Augsburg ermittelt gegen Gurlitt unter anderem wegen Steuerdelikten. Seine Anwälte fordern die Kunstsammlung indes zurück. Vor zwei Wochen legten sie deshalb beim Amtsgericht Augsburg Beschwerde gegen die Beschlagnahme ein.

Inzwischen ist der Fall Gurlitt auch ein Politikum, nicht zuletzt, weil die Behörden den spektakulären Kunstfund so lange geheim gehalten hatten und sich Erben von NS-Raubkunstopfern benachteiligt sahen. Das bayerische Justizministerium räumte Fehler ein. Viel diskutiert wurde zudem ein Gesetzentwurf von Justizminister Winfried Bausback (CSU), mit dem dieser die Ansprüche rechtmäßiger Erben von NS-Raubkunst stärken will. So bemängelten etwa die Grünen, die "Lex Gurlitt" könne unangenehme Folgen für Bayerns Museen haben.

dpa

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