Weitere Bilder in Salzburg

Gurlitt besaß mehr Bilder als gedacht

München - Die mehr als 1000 Werke aus dem spektakulären Schwabinger Kunstfund waren nicht alles: Cornelius Gurlitt hortete auch in in Salzburg wertvolle Werke - unter anderem von Monet, Renoir und Picasso.

Die Staatsanwaltschaft Augsburg unter ihrem leitenden Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz darf ein bisserl aufatmen: Monatelang stand sie in der Kritik im Fall Gurlitt: Sehr spät wurde der Sensationsfund in der Schwabinger Wohnung des 81-jährigen Cornelius Gurlitt bekanntgegeben, und die Aufarbeitungs-Maßnahmen spotteten jeder Beschreibung in ihrer Ineffizienz.

Jetzt, ein knappes halbes Jahr nach Bekanntwerden des „Schwabinger Schatzes“ von über 1400 Werken, setzt Österreich noch einen drauf: Im Salzburger Haus des Kunsthorters wurden jetzt weitere über 60 Werke gesichert, darunter von Picasso, Renoir und Manet!

Die Kunstwerke sollen jetzt begutachtet werden, ob sie eventuell Nazi-Raubkunst sind. Anzeichen gebe es bisher nicht, teilte Gurlitts Sprecher, Stephan Holzinger, gestern mit. Was sie von fast 500 Werken aus Gurlitts Schwabinger Wohnsitz unterscheidet, die unter Raubkunst-Verdacht stehen. Die Überprüfung, so Holzinger weiter, finde „im Auftrag von Cornelius Gurlitt statt“. Der 81-Jährige steht seit Ende 2013 unter Betreuung. Diese Rolle übernimmt Rechtsanwalt Christoph Edel. Dieser hatte die Sicherstellung der Salzburger Werke jetzt veranlasst, um sie vor Einbruch und Diebstahl zu schützen.

Zurück in nach Bayern: Die Augsburger Staatsanwaltschaft wollte die neue Sensationsmeldung aus Salzburg gestern nicht kommentieren – auch wenn sie „mit Interesse zur Kenntnis genommen“ wurde. Sie steht mit Gurlitt ebenso in Kontakt wie die auf Druck hin installierte Task Force, die sich um die Aufarbeitung der Besitzer des Gurlitt-Schatzes kümmert. Der Leitende Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz sagt: „Ganz klar ist: Es wird keinen Deal Einstellung des Ermittlungsverfahrens gegen Rückgabe der Bilder oder Ähnliches geben.“ Generell gelte aber: „Wenn ein Beschuldigter zur Sachaufklärung beiträgt und einen etwaigen Schaden wiedergutmacht, dann ist das zu berücksichtigen.“

Gurlitts Anwälte haben inzwischen Anzeige gegen Unbekannt gestellt, weil Interna aus den Ermittlungsakten an die Presse gelangt waren und öffentlich wurden.

Gurlitt - die Chronologie

28.2.2012: Fahnder entdecken in Gurlitts Schwabinger Wohnung über 1400 Werke vorwiegend aus der klassischen Moderne

3.11.2013: Der Fall gelangt an die Öffentlichkeit

11.11.2013: Nach großem Druck auf die ermittelnde Staatsanwaltschaft Augsburg wird endlich eine Task Force eingerichtet, die sich mit den Eigentumsverhältnissen der Werke kümmert. Viele stehen unter NS-Raubkunstverdacht

23.12.2013: Gurlitt soll unter Betreuung gestellt werden

28.1.2014: Die Task Force teilt mit, dass insgesamt 458 Werke unter NS-Raubkunstverdacht stehen

10.2.1014: Weitere rund 60 Bilder aus der Gurlitt-Sammlung werden in Salzburg gesichtet

tz

Rubriklistenbild: © dpa

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