Kunstwerke

Salzburger Gurlitt-Sammlung am wertvollsten?

München/Salzburg - Der Sprecher von Cornelius Gurlitt sagt schon einmal soviel: Nicht alle Bilder aus dem Salzburger Fund waren in gutem Zustand. Dabei dürfte es sich um einige der wertvollsten Werke aus Gurlitts Sammlung handeln.

Nach dem Fund weiterer Bilder des Kunstsammlers Cornelius Gurlitt in seinem Haus in Salzburg gibt es nach Angaben seines Sprechers bislang keine weiteren Anfragen möglicher Erben. Das sagte Stephan Holzinger am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa in München. Nicht alle Bilder waren in gutem Zustand, sagte er dem österreichischen Sender ORF. „Es waren Bilder, die im besseren und welche, die in schlechterem Zustand waren.“

Welche Bilder genau in dem von außen verwahrlosten Haus lagerten, gab Holzinger nicht bekannt. In den kommenden Tagen soll es dazu weitere Informationen geben. Die „Süddeutsche Zeitung“ und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichteten am Donnerstag von einer Ausstellung im Museum Folkwang in Essen im Jahr 1954: Gurlitts Vater Hildebrand Gurlitt, einer der Kunsthändler Adolf Hitlers, hatte demnach Werke von Monet, Gauguin oder Renoir an das Museum ausgeliehen. Das Museum Folkwang bestätigte, dass Renoirs Werk „Die Familie des Malers im Wald von Louveciennes“ damals in der Ausstellung zu sehen war.

Ob diese Bilder unter den rund 60 sind, die nun in Salzburg gefunden wurden, ist noch unklar. Gurlitts Sprecher nannte lediglich Werke von Picasso, Monet, Manet und Renoir - ohne Details mitzuteilen. Um Nazi-Raubkunst handele es sich nach erster Einschätzung nicht. „Wir können es nicht ausschließen“, sagte Holzinger zwar, auf entsprechenden Fahndungslisten seien die Bilder aber nicht aufgetaucht. Gurlitts Anwalt Hannes Hartung, der die Sicherstellung der Bilder veranlasst hatte, hatte auch Kunstexperten hinzugezogen, wie Holzinger sagte.

Auch bei den mehr als 1000 Bildern aus Gurlitts Münchner Wohnung, die im vergangenen Jahr für Schlagzeilen sorgten, besteht nach Einschätzung der Gurlitt-Vertreter nur bei ein bis drei Prozent ein Verdacht auf Nazi-Raubkunst. Die Berliner Taskforce geht von rund 600 Bildern aus, die auf den Verdacht hin genau überprüft werden müssen.

Gurlitt hatte bis 2011 in dem Haus in Salzburg gewohnt. Auch nach dem Fund von Schwabing wurde es zunächst nicht durchsucht. „Herr Gurlitt hat diesbezüglich erst vor kurzem sein Einverständnis gegeben“, sagte Holzinger dem ORF. Darum hätten die Bilder erst jetzt sichergestellt werden können. Über mögliche weitere Depots wollte er nicht spekulieren: „Wir kennen derzeit keinen weiteren Standort.“

Bayerns Justizminister Winfried Bausback (CSU) sieht in dem Salzburger Fund einen weiteren Beleg für eine notwendige Gesetzesänderung. An diesem Freitag stellt er seine als „Lex Gurlitt“ bekanntgewordene Gesetzesinitiative zu Verjährungsfristen im Bundesrat vor. „Mein Vorschlag ist keine "Lex Gurlitt"“, betonte Bausback im Interview der Nachrichtenagentur dpa in München. Es gehe um viel mehr als nur einen Einzelfall. „Die Bilder in Salzburg ändern an den Umständen zu dem Gesetzentwurf nichts. Sie unterstreichen aber vielleicht dessen Notwendigkeit und die Bedeutung, die diese Fragestellung hat.“

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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