Münchner Kunstfund

Führt Gurlitt bereits Gespräche mit Erben?

+
In einer Wohnung dieses Hauses waren rund 1500 Werke von Meistern der klassischen Moderne gelagert.

München - Cornelius Gurlitt steht nach aktuellen Informationen bereits in Kontakt mit den Erben. Der Kunst-Sammler scheint etwas einzulenken.

Der Münchner Kunstsammler Cornelius Gurlitt steht nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ bereits in Kontakt mit Erben wegen der Rückgabe möglicher NS-Raubkunst. „Wir führen bereits Gespräche mit den Erben“, sagte Gurlitts Anwalt Hannes Hartung der Zeitung (Donnerstagsausgabe). Zuvor hatte Hartung bereits der Nachrichtenagentur dpa gesagt, Gurlitt sei gewillt, sich die Forderungen von Erben „anzusehen“ und „faire und gerechte Lösungen“ auszuhandeln.

Das Zitat seines Mandanten, den der „Spiegel“ mit „Freiwillig gebe ich nichts zurück, nein, nein“ zitiert hatte, sei „sicher falsch und verzerrend“ gewesen, sagte Hartung laut „FAZ“. Eine „offene und integre Handhabung“ ähnlicher Angelegenheiten habe Gurlitt schon im Fall des Gemäldes „Der Löwenbändiger“ von Max Beckmann gezeigt, in dem er sich vor dem Verkauf mit den Erben geeinigt hatte.

Sein Mandant habe zu jener Zeit vor allem die Bilder zurück gewollt, die zweifelsfrei sein Eigentum seien. Laut Augsburger Staatsanwaltschaft sind das rund 300.

458 Objekte hat die Taskforce „Schwabinger Kunstfund“ in Berlin, die von der Bundesregierung und Bayern eingesetzt wurde, um die zuständige Staatsanwaltschaft Augsburg bei der Recherche nach der Herkunft der Kunstwerke aus Gurlitts Wohnung zu unterstützen, inzwischen nach einer ersten Sichtung als mögliche NS-Raubkunst identifiziert und in die Online-Datenbank www.lostart.de eingestellt. Die Herkunft der Werke soll mit Hilfe der Öffentlichkeit geklärt werden.

Doch mit der Gesprächsbereitschaft von Gurlitt allein ist der Streit um seine Bilder noch nicht vom Tisch. Für viele Bilder gebe es keinerlei Anfragen möglicher Erben oder gar konkrete Rückgabeforderungen, betont Gurlitts Anwalt Hartung. Die Bilder seien „pauschal unter Raubkunst-Verdacht gestellt“ worden. „In vielen dieser Werke haben wir keinerlei Hinweise, warum das Raubkunst sein soll.“

Er habe nur wenige Forderungen auf dem Tisch, sagt der Münchner Anwalt. „Es sind lediglich zwei Ordner - und einer davon ist sehr dünn.“ Eine Anfrage betreffe beispielsweise „Die sitzende Frau“ von Henri Matisse, auf die die Erben des Pariser Kunstsammlers Paul Rosenberg Anspruch erheben, gleich mehrere betreffen Max Liebermanns „Reiter am Strand“. „Nur wenige Anfragen beinhalten echte Raubkunst“, sagt Hartung. „Viele beantragen Akteneinsicht, nur wenige verlangen konkrete Restitutionen“. Wie die FAZ berichtete, gibt es bereits Gespräche zwischen Gurlitt und den Erben.

Und so ist seiner Ansicht nach auch die Zahl der Bilder, die sein Mandant, der im vergangenen Jahr unter Betreuung gestellt und aus gesundheitlichen Gründen in eine Klinik gebracht wurde, zurück erhalten soll, mit rund 300 deutlich zu gering. „Aus unserer Sicht müssen das noch viel mehr Bilder sein.“

Ermittler hatten die verschollen geglaubte Sammlung von Gurlitts Vater Hildebrand Gurlitt beschlagnahmt, der einer von Adolf Hitlers Kunsthändlern war. Darunter sind Werke von Picasso, Chagall, Matisse, Beckmann und Nolde. Erst im vergangenen Herbst war der spektakuläre Fund mit weit mehr als 1000 Werken publik geworden.

Mehrfach hatten die Behörden nach eigenen Angaben versucht, Gurlitt die Bilder zurückzugeben, die ihm zweifelsfrei gehören. Das sind Bilder, die nach 1945 entstanden sind oder von Mitgliedern der Familie Gurlitt gemalt wurden.

Dass er diese Bilder zurück bekommen soll, ist klar. Nur das Wie macht Probleme. „Die Übergabe regeln wir derzeit“, sagt Hartung. „Man muss die Bilder schließlich an einen zugänglichen und zugleich sicheren Ort bringen, man kann ihm die Sammlung nicht einfach vor die Tür stellen.“

Wie auch immer der Fall weitergeht - ein Gutes hat er schon jetzt: Der Umgang mit Nazi-Raubkunst in Deutschland hat einen festen Platz auf der politischen Agenda bekommen. Bayerns Justizminister Winfried Bausback (CSU) brachte ein Bundesratsinitiative für eine „Lex Gurlitt“ mit neuen Verjährungsfristen ins Spiel - und die neue Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) will die Mittel für die Suche nach NS-Raubkunst verdoppeln - und ein bundesweites Zentrum installieren. Das kündete sie am Mittwoch im Bundestag an.

dpa

Auch interessant

Meistgelesen

Nach Hunde-Attacke: Jetzt spricht die Mutter von Isabelle (6)
Nach Hunde-Attacke: Jetzt spricht die Mutter von Isabelle (6)
U-Bahn-Attacke: Kolumbianische Studenten von Trio verprügelt
U-Bahn-Attacke: Kolumbianische Studenten von Trio verprügelt
Münchnerin (20) belästigt, begrapscht und beklaut
Münchnerin (20) belästigt, begrapscht und beklaut
Ex-Tramfahrer packt aus: Münchner Fahrgäste sind verwöhnt
Ex-Tramfahrer packt aus: Münchner Fahrgäste sind verwöhnt

Kommentare