Entscheidung um Wiederaufbau

Kommt der Kini zurück auf die Corneliusbrücke?

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Auf dieser Aufnahme, die zwischen 1910 und 1920 entstanden ist, thront das Kini-Denkmal noch auf der Corneliusbrücke

München - Bevor es 1969 abgerissen wurde, stand auf der Münchner Corneliusbrücke ein Denkmal für Märchenkönig Ludwig II. Nun soll es wieder errichtet werden.

Für Märchenkönig Ludwig II. stehen in München fünf Denkmäler, auf dem Isarhochufer, im Nationaltheater, am Rathaus neben dem OB-Amtszimmer, auf dem Flughafen Franz-Josef-Strauß und eine Büste auf der Corneliusbrücke, die vom 1910 erbauten und 1969 abgerissenen Denkmal stammt. Das soll jetzt wieder errichtet werden – zumindest, wenn’s nach nach dem CSU-OB-Kandidaten Josef Schmid sowie dessen Fraktionskollegen Richard Quaas, Georg Schlagbauer und Mario Schmidbauer geht.

Der Bezirksausschuss hat sich bereits mit den Stimmen der CSU und gegen die Stimmen der SPD für den Wiederaufbau ausgesprochen, jetzt liegt der Ball beim Stadtrat.

Deutsche-Eiche-Chef Dietmar Holzapfel würde den Aufbau mit 150 000 Euro unterstützen.

Der Initiator der Denkmalserrichtung ist Dietmar Holzapfel, Wirt der Deutschen Eiche in der Reichenbachstraße, der zum 150-jährigen Jubiläum seines Hauses eine Anschubfinanzierung von 150 000 Euro beitragen will. Die restlichen Kosten von 800 000 Euro (manche sagen weit über 1 Million) sollen die Stadt München und der Freistaat Bayern zahlen.

Das neue Denkmal soll so weit wie möglich aus den alten Steinblöcken zusasmmengesetzt werden, die derzeit auf einem städtischen Bauhof lagern. In den zur Isar hin gewendeten Sockel soll ein Restaurant eingebaut werden, um den schönen Blick auf die Isar-Südseite optimal zu nutzen. Wer das Restaurant bewirtschaften soll und die nötig Infrastruktur auf der Brücke bezahlt, ist bis jetzt allerdings unbekannt.

Wo jetzt nur eine kleine Säule an Ludwig II. erinnert ... 

Neu ist der Versuch, das fünfte Kini-Denkmal wieder aufzustellen, nicht: Seit seinem Abbruch wegen Baufälligkeit 1969 nahmen mehrere Ludwig II.-Vereine einen Anlauf. Als einziger „Überlebender“ der Ludwig II.-Forscher beobachtet Hannes Heindl (76) von Freising aus die jetzigen Münchner Aktivitäten sehr skeptisch. Als er 1956 bei OB Thomas Wimmer anklopfte, lautete die lapidare Antwort: Herrichten kann er’s, aber s’Geld braucht die Stadt für Wichtigeres.

... soll das Denkmal samt Restaurant errichtet werden.

Unter OB Hans-Jochen Vogel tauchten plötzlich 130 000 Mark im Stadthaushalt für das Denkmal auf, die für einen kompletten Wiederaufbau aber bei weitem zu wenig waren, auch wenn Hannes Heindl eine Bankspende von 50 000 Mark dafür aufgetrieben hatte. Der im städtischen Etat vorgesehen Betrag wurde aber nicht zum Aufbau, sondern zum Abriss des gesamten Denkmals wegen Baufälligkeit verwendet.

Seitdem warten die Steine auf ihre Rückkehr auf die Corneliusbrücke. Der schönste von ihnen hat sich inzwischen aus dem Staub gemacht: Die tonnenschwere Königskrone ist laut Bauhof-Mitarbeitern „zur Zeit unauffindbar“.

Heinz Gebhardt

Ludwig II. hasste seine Heimatstadt

Die Leistungen Ludwigs II. für Bayern sind unbestritten und einmalig: Schloß Neuschwanstein, Herrenchiemsee, Linderhof sind weltbekannte Publikumsrenner. Für seine Heimatstadt München hat er jedoch keinen Finger gerührt: Das Richard-Wagner-Festspielhaus hat er wegen zu großen Widerstands aus Magistrat, Regierung und seiner Familie platzen lassen, einzig die finanzielle Rettung des Gärtnertheaters war seine „bauliche“ Leistung für München – eine Stadt, die er abgrundtief hasste und daraus auch kein Geheimnis machte.

So schrieb er an Graf Dürckheim, dass er sich in München wie in einem goldenen Käfig eingesperrt fühle. „Kaum kann ich das Heranrücken jener seligen Tage im Mai erwarten, um die verhasste, unselige Stadt auf lange Zeit zu verlassen, an welche mich nichts fesselt, die ich mit unüberwindlichem Widerwillen bewohne.“ Die gleiche Klage auch an die Schauspielerin Marie Dahn-Hausmann: „Elend und betrübt, oft im höchsten Grad melancholisch, bin ich einzig und allein in der unseligen Stadt! Lange hier, in der Stadt, zu sein, wäre mein Tod!“ An die Baronin Leonrod schrieb er: „Um in der ungeliebten Stadt sich unglücklich zu fühlen, bleibt stets noch Zeit genug übrig.“ Wohl fühlte er sich nur draußen in der Natur, wo er „frei aufathmen“ konnte.

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