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Münchens soziale Corona-Schere: Infektionsquote in manchen Vierteln überdurchschnittlich

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Von: Klaus Vick

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Stadtansicht von München
Ein Blick auf die Landeshauptstadt: Nicht überall in München gibt es eine gleich starke Corona-Verteilung. © Peter Kneffel/dpa/dpa-Bildfunk

Soziale Brennpunkte sind auch in München Corona-Brennpunkte: Das hat wohl auch mit beengten Wohnverhältnissen oder prekären Arbeitsverhältnissen zu tun.

München - Ähnlich wie in anderen deutschen Großstädten ist auch in München* die Quote der Corona*-Infektionen in sozialen Brennpunkten höher als im Bevölkerungsdurchschnitt. Dies teilte Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek (SPD) am Mittwoch im Stadtrat während des Sachstandsberichts zur Pandemie mit. In einigen Stadtvierteln liege die Infektionsrate bei 4,4 Prozent, in Bezirken mit höherem sozioökonomischem Standard bei rund 2,4 Prozent. Zurek stellte allerdings klar: „Es gibt in München keine so großen Unterschiede wie etwa in Köln.“ Dort lag die Sieben-Tage-Inzidenz zuletzt in einigen Vierteln bei 500. Dennoch ist Zurek zufolge offensichtlich: „Je schlechter die soziale Lage, desto höher die Inzidenz.“ Dies habe wohl auch mit beengten Wohnverhältnissen oder prekären Arbeitsverhältnissen der Betroffenen zu tun.

Die Stadt will hier nicht untätig bleiben und bessere Impfmöglichkeiten für Münchner schaffen, die in prekären Situationen leben. Auch die Öffentlichkeitsarbeit soll verbessert werden. Die grün-rote Rathaus-Regierung hatte dies zuvor beantragt. Gesundheits- und Sozialreferat basteln an einem Konzept, um bestimmte Bevölkerungsteile besser zu erreichen, etwa mit Anlaufstellen im Münchner Norden zur gesundheitlichen Beratung. Die städtischen Informationen im Internet zur Impfkampagne gibt es inzwischen auf 15 Sprachen. Auch mobile Impfteams – ähnlich wie das bereits in den Alten- und Servicezentren geschieht – sind geplant. Allerdings können diese dezentral in den Stadtvierteln erst in Aktion treten, sobald die Impfpriorisierung aufgehoben ist.

Münchens Hausärzte haben bislang rund 110 000 Menschen immunisiert

Der Leiter des städtischen Krisenstabs, Feuerwehrchef Wolfgang Schäuble, hatte unterdessen Positives über den Impffortschritt und die Entwicklung der Inzidenzkurve zu berichten. München lag gestern erstmals seit 9. April wieder unter dem kritischen Grenzwert 100. In der Altersgruppe der über 80-Jährigen gebe es kaum noch Neuinfizierte. Dies lege den Schluss nahe: „Impfen hilft.“ Rund zwei Drittel der Neuinfektionen in München betreffen inzwischen die Gruppe der 20- bis 60-Jährigen. In den Krankenhäusern der Stadt zeichnet sich eine leichte Entspannung ab. Die Zahl der Patienten sinkt seit einigen Tagen, allerdings noch nicht gravierend. Schäuble: „Wir hoffen, dass die Spitze der Belegung der Intensivbetten erreicht ist.“ In den vergangenen drei Wochen mussten in München zwischen 100 und 120 Menschen auf der Intensivstation behandelt werden. Stand gestern waren es 104.

Die Zahl der Impfungen belief sich bis zum Mittwoch auf rund 550 000, davon 121 555 Zweitimpfungen. Die Quote liegt damit, bezogen auf die Bevölkerung ab 16 Jahren, bei den Erstimpfungen bei 33,8 Prozent, bei den Zweitimpfungen bei 9,6 Prozent. In der Messe Riem werden mittlerweile Termine für Personen der Priorisierungsgruppe 3 vergeben. Das bedeutet laut Zurek aber nicht, dass die Impfungen in den Gruppen 1 und 2 abgeschlossen wären. Hier gebe es einen erheblichen Nachlauf. Münchens Hausärzte haben bislang rund 110 000 Menschen immunisiert. -*tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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