Söder-Vertrauter reagiert umgehend

„Und täglich grüßt das Murmeltier“: Provozieren diese Aussagen den nächsten Corona-Zoff in Bayern?

In Bayern bahnt sich womöglich erneut Corona-Trubel an. Sind rasche Lockerungen denkbar, obwohl der Freistaat noch einige Hotspots stellt?

  • Insgesamt zeichnet sich in Bayern ein positiver Corona-Trend ab, ein paar Sorgenkinder bleiben (siehe Ursprungsmeldung).
  • Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger bringt erneut Lockerungen ins Spiel, erhält aber umgehend Gegenwind (Update 4. Februar, 14.54 Uhr).
  • Unser brandneuer München-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alles, was in der Isar-Metropole passiert. 

Update 4. Februar, 14.54 Uhr: In der bayerischen Staatsregierung zum wiederholten Male ein Streit um den weiteren Kurs im Corona-Krisenmanagement. Nachdem Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) am Donnerstag in einer Regierungsfragestunde im Landtag erklärt hatte, er sehe wegen der sinkenden Infektionszahlen Spielraum für Lockerungen, distanzierte sich kurz darauf die CSU um Ministerpräsident Markus Söder überaus deutlich davon.

„Und täglich grüßt das Murmeltier“: Aiwanger könnte nächsten Corona-Zoff in Bayern provozieren

„Das ist nicht die Haltung der Staatsregierung. Wir entscheiden nach der Konferenz der Ministerpräsidenten“, sagte der Chef der Staatskanzlei und Corona-Koordinator Florian Herrmann der Deutschen Presse-Agentur in München. Mit Blick auf die wiederholte Forderung Aiwangers nach Lockerungen betonte er: „Und täglich grüßt das Murmeltier.“ Für den Freistaat bleibe es weiter bei dem Weg der Vorsicht. „Die Lage ist noch viel zu instabil.“

Im vergangenen Frühjahr sei erst bei deutlich niedrigeren Zahlen vorsichtig gelockert worden, sagte Herrmann. „Wer jetzt überstürzt öffnet, riskiert einen Rückfall und eine dritte Welle. Es gibt leider etliche Beispiele europäischer Partner um uns herum.“

Corona-Lockdown in Bayern: Aiwanger überzeugt, „dass Öffnungen eher möglich sind“

Aiwanger hatte zuvor in seiner Rede erklärt, dass die Zahlen der vergangenen Tage darauf hin deuteten, „dass eher Öffnungen möglich sind als alles völlig unverändert geschlossen zu lassen“. Dies müsse aber auf Bundesebene und in der Koalition in Bayern abgestimmt werden. „Daten müssen diskutiert werden, Inzidenzen müssen diskutiert werden, und politische Mehrheiten in Bund und Land müssen gefunden werden.“

Aiwanger deutete zudem an, dass als erstes Handel und Friseure wieder geöffnet werden könnten und erst später Gastronomie und Tourismus. Genaue Daten könne man aber noch nicht nennen. Man müsse den richtigen Zeitpunkt finden und entscheiden, was geöffnet werden könne und was aus Gesundheitsgründen gut begründbar geschlossen bleiben müsse. Die erfreuliche Entwicklung bei den Corona-Zahlen in den vergangenen Tagen dürfe man nicht verspielen, sagte Aiwanger.

Corona-Inzidenz in München unter 50 - Reiter spricht über denkbare Lockerungen

Ursprungsmeldung:

München - In München ist der Corona-Inzidenzwert das erste Mal seit Monaten wieder unter die wichtige Marke von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche gesunken. Doch die rund 1,5 Millionen Einwohner von Deutschlands drittgrößter Stadt können dennoch vorerst nicht mit schnellen Lockerungen rechnen.

Der Wert lag in der bayerischen Landeshauptstadt am Donnerstagmorgen laut Robert Koch-Institut (RKI) bei 48,0. „Erst wenn wir diesen Wert auch in den nächsten 7 Tagen halten, können wir über etwaige Lockerungen überhaupt nachdenken“, sagte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). Dazu werde er sich eng mit der Staatsregierung abstimmen. Bayernweit gilt bis 14. Februar der Corona-Lockdown.

„Es ist erfreulich, dass die unterschiedlichen Maßnahmen ganz offenbar wirken, vor allem, weil sich die allermeisten Menschen auch daran halten. Deshalb liegen wir heute bei einer Inzidenz unter 50“, sagte Reiter. „Das freut mich, weil es ein Schritt in Richtung mehr Normalität ist.“ München hatte Ende September den Warnwert von 50 überschritten und lag seitdem nicht mehr darunter.

Corona-Trend in Bayern lässt hoffen: Drei große Sorgenkinder bleiben

Auch der allgemeine Trend im Freistaat lässt vorsichtig hoffen: Die landesweite Inzidenzzahl war am Donnerstag (4. Februar) auf 83,1 zurückgegangen, Anfang der Woche hatte diese noch bei über 90 gelegen.

Schwierig bleibt jedoch die Situation in der Grenzregion zu Tschechien: Denn drei bayerische Kommunen lagen mit den deutschlandweit höchsten Inzidenzwerten an der Spitze der täglich vom RKI aktualisierten Tabelle: An erster Stelle der Landkreis Hof (378,7), gefolgt von Tirschenreuth (351,2) und der Stadt Hof (277,1).

Corona in Bayern: „Man sieht eben, wie volatil die Situation ist“

Unter den deutschlandweit zwanzig Kommunen mit den höchsten Inzidenzwerten sind noch fünf weitere bayerische Kreise und Städte: Wunsiedel, Regen, Weiden, die Stadt Ansbach und Miltenberg.

„Man sieht eben, wie volatil die Situation in dieser Frage noch ist: Einen Tag geht‘s rauf, dann geht‘s wieder runter“, kommentierte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU). Der Trend sei also noch nicht so fest, wie man sich das wünsche.

Rubriklistenbild: © imago images / Sammy Minkoff

Auch interessant

Kommentare