Mediziner zweifeln an Corona-Plan

Das nächste Impf-Chaos droht! Münchner Hausärzte schlagen Alarm

Ein Mitarbeiter bereitet im Impfzentrum der Polizei den Corona-Impfstoff von AstraZeneca für eine Impfung vor. Bayern beginnt heute mit der Impfung aller Beschäftigten der Polizei im Freistaat.
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Impfen in München: Die Hausärzte sollen ab April auch spritzen - sie rechnen aber mit großen Schwierigkeiten.

Die Impf-Nachfrage in München ist gewaltig. Ab April sollen auch Hausärzte spritzen dürfen. Die Mediziner rechnen allerdings mit massiven Problemen.

München - Markus Frühwein verbringt jetzt viel Zeit damit, auf E-Mails und Anrufe zu antworten. Thema: Corona*-Impfung. „Die Nachfrage ist wahnsinnig groß“, sagt der Münchner Allgemeinmediziner. „Viele ältere Patienten wollen nicht ins Impfzentrum, sondern von ihrem Hausarzt geimpft werden. “ Und das wäre ab April möglich!

Coronavirus in München: 20 Impfungen pro Tag pro Praxis? Bekommen die Ärzte genug Impfstoff?

Bayernweit haben sich laut der Kassenärztlichen Vereinigung (KVB) bereits zwischen 9.000 und 10.000 Praxen angemeldet. „Wir rechnen mit 20 Impfungen pro Tag pro Praxis“, sagt KVB-Sprecher Axel Heise. Laut Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) sollen von Anfang März bis Anfang April 1,7 Millionen Impfdosen nach Bayern geliefert werden. Doch wie viel und welchen Impfstoff die Hausärzte bekommen, wissen sie noch nicht.

„Wir haben keinerlei Info dazu“, ärgert sich der Münchner Arzt Karlheinz Zeilberger. „Die Patienten rennen uns die Tür ein.“ Seine Warteliste für die Impfungen ist lang. „Die Zeit drängt“, sagt er. Das betont auch Wolfgang Ritter, Vorstandsmitglied im Bayerischen Hausärzteverband und Facharzt in einer Münchner Praxis. „Wir stehen vor einer Herkulesaufgabe, breite Teile der Bevölkerung möglichst schnell zu impfen“, sagt er. „Da zählt jeder Tag.“ Wie Holetschek zudem erklärte, sollen die Hausärzte selbst bestimmen, welche Patienten die Impfung am nötigsten haben. Das wünscht sich auch Mediziner Markus Frühwein. „Wir brauchen Flexibilität“, erklärt er. „Es gibt Patienten, die nicht genau in die Priorisierung passen und trotzdem sehr gefährdet sind.“ Diese Patienten könnten die Praxen dann zum Teil sogar persönlich benachrichtigen. „Es ist ein Mehraufwand, aber es wäre schaffbar.“ Wichtig sei aber: „Der administrative Aufwand muss überschaubar sein.“

Corona-Impfung in Bayern: Mitarbeiter schimpft über zu viel Bürokratie und Datenschutz

Zu viel Bürokratie und Datenschutz sieht Klaus-Detlev Jost, derzeit beim Impfzentrum in Riem und beim Testzentrum in Ottobrunn tätig ist, als ein Problem. Aus dem einfachen Pieks wird oft ein komplizierter und zeitaufwendiger Termin: „Das müsste beschleunigt werden.“ Er zweifelt daran, ob Anfang April tatsächlich in den Praxen geimpft wird: „Bei den jetzigen Strukturen bin ich da sehr unsicher.“ An den Hausärzten soll es auf jeden Fall nicht scheitern. „Wir sind bereit“, sagt Karlheinz Zeilberger. Auch sein Kollege Wolfgang Ritter ist sich sicher: „Bei uns bleibt keine Dosis Corona-Impfstoff ungenutzt.“

Stadt München hängt hinter Landkreis: Kita- und Schulpersonal noch nicht geimpft - Drei neuen Zentren geplant

Bisher wurden in der Stadt München* 101.100 Impfungen durchgeführt. Im Gegensatz zum Landkreis wurde hier aber noch nicht mit der Impfung des Personals von Kitas, sowie Grund- und Förderschulen begonnen. Der Landkreis impft seit dem Wochenende in mobilen Teams. Das sei in der Stadt nicht möglich, sagt eine Sprecherin des Gesundheitsreferates. Denn: Es gibt in München rund 30.000 Lehrer und Erzieher. „Diese Menge ist nicht über mobile Teams zu versorgen“. Deshalb will die Stadt drei weitere große Impfzentren einrichten. Außerdem soll in den Alten- und Servicezentren geimpft werden. Wie berichtet, soll zudem ein Pilotversuch gestartet werden, auch bei drei niedergelassenen Ärzten zu impfen. Damit soll bereits Mitte März begonnen werden. (cla, pp, ska) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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