1. tz
  2. München
  3. Stadt

Bei Corona-Zahlen getrickst? Druck auf Söder nimmt zu - Behörde nach „fadenscheiniger“ Reaktion unter Beschuss

Erstellt:

Von: Klaus-Maria Mehr

Kommentare

Muss Markus Söder die Inzidenz-Strategie des LGL in einer Regierungserklärung verteidigen? In München könnten Alkoholverbote ausgesprochen werden.

Update 5. Dezember, 15.13 Uhr: Um die Berechnung der Inzidenz bei Ungeimpften durch das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) ist eine Debatte entbrannt. Die Behörde verteidigte nun ihr Vorgehen bei der Berechnung. Konkret geht es dabei um die Frage, ob es legitim ist, Personen mit unbekanntem Impfstatus der Gruppe der Ungeimpften zuzuschlagen.

Debatte um Corona-Zahlen in Bayern: LGL verteidigt Vorgehen

Die „Welt“ hatte darüber berichtet, dass die Gruppe der Personen mit unbekanntem Impfstatus einen sehr großen Teil der in die Berechnung einfließenden Personen ausmache. Demnach war bei der Berechnung für den 24. November von gut 72.000 Personen, die als ungeimpft behandelt wurden, bei mehr als 57.000 der Impfstatus unbekannt. Potenziell kann dies das Ergebnis massiv verzerren.

Das LGL bestätigte die Zahlen am Sonntag auf Nachfrage, verteidigte aber sein Vorgehen. Zum einen weise man auf der Homepage auf die Einbeziehung der unbekannten Fälle hin, betonte LGL-Präsident Walter Jonas. Zum anderen habe sich herausgestellt, dass die Fälle mit zunächst unbekanntem Impfstatus „nach später vorliegenden Daten in der weit überwiegenden Anzahl der Fälle ungeimpft waren“. Daher hätte ein bloßes Weglassen der fehlenden Werte „zu völlig falschen Inzidenzverhältnissen geführt“.

Söder in Inzidenz-Debatte unter Beschuss: Nächste Regierungserklärung fällig?

Zudem betonte Jonas: „Selbst nach einer Umstellung der Berechnung wird sich weder an der Tatsache etwas ändern, dass die Inzidenz bei den Ungeimpften um ein Vielfaches höher ist als bei den Geimpften. Noch wird sich an der Tatsache, dass Ungeimpfte einem deutlich höheren Risiko ausgesetzt sind, schwer an Covid-19 zu erkranken, irgendetwas ändern.“

Der FDP-Landtagsabgeordnete Matthias Fischbach kritisiert die Vorgehensweise und forderte eine Regierungserklärung von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und lückenlose Aufklärung. Die Stellungnahme des LGL bezeichnete er als „fadenscheinig“. Es sei „inakzeptabel“, dass verschwiegen werde, wie groß der Anteil der Personen mit unklarem Impfstatus sei.

Corona in München: Stadt prüft Alkoholverbot

Ursprungsvermeldung:

München, Sonntag, 5. Dezember, 13.50 Uhr: Die aktuelle Corona-Inzidenz liegt in der Landeshauptstadt am Sonntag bei 415,1. Damit bleibt München weit unter dem bayernweiten Durchschnitt. Das Robert Koch-Institut meldete am Sonntagmorgen eine Inzidenz von 529,6 für den Freistaat. Die am Freitag vom bayerischen Kabinett beschlossenen neuen Corona-Verschärfungen treffen München trotzdem genauso hart. Vor allem der Einzelhandel muss um sein Weihnachtsgeschäft bangen. Ab Mittwoch, 8. Dezember, gilt die 2G-Regel flächendeckend in allen Geschäften. Nur Läden für den persönlichen Bedarf (Supermärkte, Apotheken, Großmärkte, sämtliche Lebensmittelläden und Märkte) bleiben ausgenommen. Diese Regeln gelten in Bayern übrigens für Weihnachten und Silvester.

Zusätzlich prüft die Stadt München laut OB Dieter Reiter (SPD) ein Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen und Straßen. Diese werden mit den bayerischen Kabinettsbeschlüssen und der angepassten Infektionsschutzverordnung für den Freistaat erst wieder möglich. Und das ist auch nur folgerichtig, findet der Oberbürgermeister: „Es wäre absolut unverständlich gewesen, einerseits den Christkindlmarkt mit seinen Glühweinständen wegen Corona abzusagen, aber gleichzeitig den Alkoholkonsum auf Plätzen mit vielen Menschen weiter zuzulassen.“

Corona in München: Tropeninstitut untersucht Abwasser in München auf Omikron-Variante

Indessen hat das Tropeninstitut der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) das Münchner Abwasser nach der neuen Omikron-Variante durchsucht. Nach einer aktuellen Pressemitteilung wurde die neue Variante nicht gefunden. Stattdessen dominierte in der Untersuchung weiter die Delta-Variante. Der bayerische Wissenschaftsminsiter Bernd Sibler wörtlich:

„Die Ergebnisse lassen Schlüsse auf das weitere Infektionsgeschehen zu. Klar ist, dass die Delta-Variante des Virus vorherrscht und wir ihr in diesem Winter weiter mit aller Kraft entgegentreten müssen. Wir behalten die Lage weiterhin genau im Auge: Wenn Omikron in den nächsten Wochen in größerem Maße in München zirkuliert, wird das Projektteam dies durch das Abwasser-Monitoring frühzeitig feststellen können.“

Unser München-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Isar-Metropole. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Kommentare