„Größte Bedenken“

Ab sofort Wechselunterricht? Münchner Lehrer schießen scharf gegen Söder: Aktion ist „befremdlich und respektlos“

Michael Piazolo (Freie Wähler) und Markus Söder (CSU) werden von Lehrern aus München scharf angegriffen. Wegen ihrer Corona-Wechselunterrichtsentscheidung.
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Michael Piazolo (Freie Wähler) und Markus Söder (CSU) werden von Lehrern aus München scharf angegriffen. Wegen ihrer Corona-Wechselunterrichtsentscheidung.

Ab sofort sollen die Abschlussklassen in Bayern wieder in den Wechselunterricht gehen. Die Gymnasien haben davon aus der Presse erfahren - und sind nicht nur deshalb stocksauer.

München - Nicht von ihrem Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler), sondern per Söder-Tweet erfuhren die Schulen von ihrem Glück: Ab 1. Februar gelte wieder Wechselunterricht für Abschlussklassen, verkündete der Ministerpräsident am 27. Januar. Heute ist es also so weit.* Die Abschlussklassen vor allem an den bayerischen Gymnasien dürfen - im Wechsel - wieder ins Schulgebäude. Also alles gut? Nein, gar nichts ist gut.

Der Personalrat des Karlsgymnasiums München*-Pasing macht in einem offenen Brief an Piazolo und Söder seinem Ärger Luft. Die Anweisung zum Wechselunterricht stehe in fundamentalem Widerspruch zum Lockdown und „der geschilderten Unumgänglichkeit seiner Maßnahmen“, schreiben die Lehrer darin.

Corona-Politik in den Schulen: Wechselunterricht pädagogisch schlechter als Distanzunterricht

Man habe „größte Bedenken, die Verantwortung für den angeordneten Präsenzunterricht in der Q 12 zu übernehmen“. Weiter stelle der Wechselunterricht ja nicht mal eine didaktische Verbesserung dar. Im Gegenteil: „Der Distanzunterricht in der Q12 funktioniert, im Wechselunterricht haben wir keine geschlossenen Lerngruppen mehr; die Videobesprechungen mit den anderen Gruppen und Klassen der Stufen 5-11 können unter Umständen nicht mehr geleistet werden.“

Wut-Brief an Söder und Piazolo: Lehrer finden Aktion „befremdlich und respektlos“

Hart getroffen hat die Lehrerinnen und Lehrer am Karlsgymnasium offenbar vor allem aber die Art und Weise der Kommunikation:

„Im Übrigen empfinden wir im Sinne der vorausgesetzten vertrauensvollen Zusammenarbeit (Stichwort: „Schulfamilie“) die Tatsache als höchst befremdlich und respektlos, dass zuerst die Presse über diese wichtige Entscheidung des KM am Mittwoch, den 27. Januar 2021, informiert worden ist und erst einen Tag später die Schulen eine offizielle Mitteilung bekommen haben.“

Der Personalrat des Karlsgymnasiums schließt mit den Worten:

„Wir werden jeden Tag mit Recht daran gemessen, was wir sagen. Welches Vorbild geben wir, wenn wir das Gegenteil von dem tun, was öffentlich gesagt wird?“

Personalrat des Karlsgymnasiums München-Pasing

Harter Tobak. Piazolo und Söder haben dazu bisher keine Stellung genommen. Alle News aus München, für Sie mehrmals wöchentlich zusammengestellt und kostenlos per Mail geliefert, lesen Sie in unserem brandneuen tz.de*-München-Newsletter: Melden Sie sich hier an. *tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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